Von der „Gänsemagd“ zur Gräfin.

Das Schloss Lamberg zwischen den Flüssen Steyr und Enns hat bewegte Zeiten hinter sich.

Katherina von Lamberg nennt sich unsere Schlossführerin. Sie begleitet uns durch die Räume, die einst ihr Zuhause waren und erzählt uns ihre unglaubliche Lebensgeschichte.

Eigentlich durfte sie ihren angebeteten Grafen nicht heiraten, weil sein Familienzweig buchstäblich zum Aussterben verurteilt worden war. Er hatte sich 1832 an einem Attentat am späteren Kaiser Ferdinand beteiligt.

Wegen seiner Mitwirkung am Mordkomplott durfte Gustav Joachim von Lamberg nicht heiraten. Ständig musste er einen grünen Strick um den Hals tragen, als Zeichen dessen, dass er zum Tode verurteilt worden war. Er sah sich gezwungen, den Wohnort vierteljährlich zu wechseln. Trotzdem ließ er sich nicht alle Lebensfreuden verbieten. Nachdem ihm die Tochter seines Gutsverwalters in Böhmen acht Kinder geschenkt hatte, willigte Kaiser Franz Josef doch in ihre Eheschließung ein. Ihre Geschichte fand dennoch kein allzu glückliches Ende: Die Verwandtschaft war mit der unstandesgemäßen Heirat nicht einverstanden. Der einzige eheliche Sohn aus der Verbindung wurde enterbt und Katherina nach dem Tod ihres Gatten, nun verarmt, musste mit ihren Kindern in ein anderes Schloss ziehen.

Hochzeiten im Pferdestall. Silvie Somagutner, die bei den Führungen die Rolle der Gräfin übernimmt, hat ihr Kostüm nach einem Bildnis der historischen Katherina anfertigen lassen. Das Original hätte man kaum ohne Zofen anziehen können, aber die moderne Kopie ist mit einem versteckten Reißverschluss ausgestattet. Die Einkleidung kann nun blitzschnell erfolgen. Nur wenige historische Räume sind im Schloss erhalten geblieben. Die prunkvolle Bibliothek aus der Barockzeit umfasst 10.300 Bände aus dem Zeitraum vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Panoramatapeten aus dem frühen 19. Jahrhundert hat man in einem anderen Raum entdeckt. Der ehemalige Pferdestall mit Säulen und Kreuzgewölbe ist zu mieten und bietet ein ideales Ambiente für feierliche Anlässe. Heute befindet sich das Schloss im Besitz der Österreichischen Bundesforste. Man sagt, es sei zugleich der sicherste und der gefährlichste Ort der Stadt Steyr: Auf der einen Seite entdecken wir dort die Bundespolizeidirektion, auf der anderen, in der ehemaligen Kapelle, das Standesamt. Man findet dort auch Mietwohnungen. Im Burggraben sind Steinböcke angesiedelt. Im Sommer bildet er dort auch in einem abgetrennten Bereich die Kulisse für Opern- und Musicalvorstellungen.

Von Attila bis Göring. Heute erstrahlt Lamberg, gelegen auf einem Konglomeratfelsen über der Mündung der Steyr in die Enns, in barockem Kleid. Die dreieckige Burganlage aus dem Mittelalter erhielt ihre jetzige Form nach einem Brand im Jahr 1727. Einige Bauelemente aus noch früheren Epochen sind ebenfalls erhalten geblieben. In mittelalterlichen Heldensagen wird die Gründung von Lamberg mit dem grausamen Hunnenkönig Attila, der im 5. Jahrhundert lebte, in Verbindung gebracht. Urkundlich erwähnt wurde die so genannte „Stirapurhc“ erst Ende des 10. Jahrhunderts. Um 1055/1056 ging die Burg an die Otokare über. Wegen ihrer Besitzungen in der Steiermark nannte man ihre Residenzstadt „Steyr“. Um 1180 erlangte die Steiermark mit Hauptstadt Graz als eigenständiges Herzogtum die Unabhängigkeit von Bayern. Ab 1192, nach dem Aussterben der Otokare, übernahmen die Babenberger die Herrschaft über die Steiermark und das Traunviertel. Nachdem König Rudolf von Habsburg den Böhmenkönig Ottokar auf dem Marchfeld 1278 besiegt hatte, gelangte die Burg in den Besitz der Habsburger. Kaiser Maximilian (1459-1519) verweilte dort gerne, weil er ständig in Geldnöten steckte. Die Steyrer Kaufleute leisteten ihm oft Abhilfe: Sie besaßen das Recht, mit Venedig zu handeln und hatten es deshalb zu Wohlstand gebracht. Um 1666 verkauften die Habsburger den Adelssitz an die Familie Lamberg. Zur Zeit des Anschlusses übernahm der Naziführer Hermann Göring das Schloss.

Kontakt. Informationen über Besichtigung der Räume: Wolfgang Hack, Tel. 07252/53229.

2017-02-03T10:23:34+00:00