{"id":2559,"date":"2017-05-02T01:00:49","date_gmt":"2017-05-01T23:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.city-magazin.at\/?p=2559"},"modified":"2017-09-05T12:19:20","modified_gmt":"2017-09-05T10:19:20","slug":"froehliche-stunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.city-magazin.at\/index.php\/froehliche-stunden\/","title":{"rendered":"Fr\u00f6hliche Stunden"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\"  style='background-color: rgba(255,255,255,0);background-position: center center;background-repeat: no-repeat;padding-top:20px;padding-right:0px;padding-bottom:20px;padding-left:0px;'><div class=\"fusion-builder-row fusion-row \"><div  class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion_builder_column_1_1  fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last 1_1\"  style='margin-top:0px;margin-bottom:20px;'>\n\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-column-wrapper\" style=\"background-position:left top;background-repeat:no-repeat;-webkit-background-size:cover;-moz-background-size:cover;-o-background-size:cover;background-size:cover;\"  data-bg-url=\"\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h1><span style=\"color: #e20714;\">Fr\u00f6hliche <\/span>Stunden<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h4>Die Schutzengel Apotheke lie\u00df die Not vergessen<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p><\/h1><\/div><div class=\"fusion-text\"><p>K\u00fcnstler und Intellektuelle trafen sich heimlich im 1917 gegr\u00fcndeten \u201eGiftga\u00addern\u201c der Linzer Schutzen\u00adgel Apotheke in der Linzer Herrenstra\u00dfe 2. Getreu dem Motto: \u201eHier in dieser stillen Klause macht der Welt\u00adkrieg eine Pause.\u201c Wer Bier wollte, bestellte im Hinter\u00adzimmer \u201eGurgelwasser\u201c; f\u00fcr Cognac verwendete man den Decknamen \u201eZahntrop\u00adfen\u201c. Das Trinkgelage sollte ja verborgen bleiben.<!--more--><\/p>\n<p>Wer gut trinkt, schl\u00e4ft gut, s\u00fcndigt nicht und kommt also in den Himmel.\u201c Dieser Spruch ist einem Ritterschild zu entnehmen; die dazu geh\u00f6rige R\u00fcstung stand in \u201eeiner der ver\u00adr\u00fccktesten Trinkstuben der Welt\u201c. Sie war mit skurrilen Bil\u00addern und Objekten vollgestopft: einem Totengerippe, einer aus verschiedenen Tierk\u00f6rperteilen zusammengesetzten \u201eRatte\u201c und einem Gem\u00e4lde mit der Maul- und Klauenseuche als Motiv. Hier herrschten eigenar\u00adtige Br\u00e4uche: Wer die Klause betrat oder verlie\u00df, musste zum Beispiel einen von der Decke baumelnden, ausgestopften Handschuh sch\u00fctteln. Hier war auch Richard Wagners Sohn, der Dirigent und Komponist Siegfried Wagner, manchmal anzutreffen. Ein weiterer Dau\u00adergast: der begnadete Zeichner Clemens Brosch, der sich vom Apotheker Sepp Melichar mit Morphium sowie Kokain ver\u00adsorgen lie\u00df. Der Umgang mit diesen Bet\u00e4ubungsmitteln war damals noch recht locker. In der Kaiserzeit hatten sie Franz Jo\u00adseph, Sissi und andere Mitglie\u00adder seiner Familie regelm\u00e4\u00dfig konsumiert. Weil aber immer mehr Menschen s\u00fcchtig gewor\u00adden waren, hatte man ab 1909 begonnen, ihren Vertrieb inter\u00adnational einzuschr\u00e4nken. Bis 1925 war der legale Drogenhan\u00addel effektiv unterbunden. Heroin stellte jedoch einen Sonder\u00adfall dar. Die Firma Bayer produzierte es ab 1898 und be\u00adwarb es als \u201edas sicherste aller Hustenmittel\u201c. Es wurde auch eingesetzt, um Entzugserschei\u00adnungen von Opium und Mor\u00adphium zu lindern. Wer nur klei\u00adne Dosen schluckte, wurde tats\u00e4chlich selten abh\u00e4ngig; lei\u00adder aber begannen Rauschgift\u00ads\u00fcchtige das Mittel zu rauchen und zu spritzen. Auch wenn die Firma Bayer ungern auf ihre \u201eCash Cow\u201c verzichtete, kam die erlaubte Produktion von Heroin nach 1931 zum Still\u00adstand.<\/p>\n<p><strong>Mehrere Schutzengel. <\/strong>Gleichnamige Gesch\u00e4fte an an\u00adderen Orten h\u00e4ngen nicht mit der Linzer Schutzengel Apo\u00adtheke zusammen, die 1849 von Josef Jannach gegr\u00fcndet wur\u00adde. Dreimal musste er darum ansuchen, bevor er die Geneh\u00admigung erhielt. Auch damals wollten etablierte Unterneh\u00admen der Branche jegliche Kon\u00adkurrenz in ihrer N\u00e4he unter\u00adbinden. In der Folge wechselten oft die Besitzer, bis 1910 Sepp Melichar das Gesch\u00e4ft erstand. Er war nicht nur kaufm\u00e4nnisch geschickt, sondern auch eine schillernde Pers\u00f6nlichkeit \u2013 unter anderem fungierte er als Gemeinderat, Herausgeber ei\u00adner national-antisemitischen Zeitschrift und als Obmann des Turnvereins. F\u00fcr die Ge\u00adsch\u00e4ftsleitung heuerte er den Pharmazeuten Hugo Lin\u00addenthal an. Nach Begutachtung seiner tadellosen Zeugnisse fragte er den Bewerber: \u201eK\u00f6n\u00adnen Sie sonst noch etwas?\u201c Mit einem Satz sprang der Kandidat dann \u00fcber den Ladentisch. \u201eSie sind mein Mann!\u201c, rief Melichar begeistert aus. Damals richte\u00adten viele Apotheker gesellige R\u00e4ume in ihren Gesch\u00e4ften ein, die allerdings selten so bizarr ausgestattet waren wie Me\u00adlichars K\u00fcnstlertreff. Urspr\u00fcng\u00adlich befand sich diese Arznei\u00adausgabe neben dem Landes-theater. 1917 zog sie allerdings an ihren gegenw\u00e4rtigen Stand\u00adort auf der Promenade bzw. am Beginn der Herrenstra\u00dfe. Als Melichar 1937 starb, kaufte Ge\u00adorg Mayerhofer, Urgro\u00dfvater des jetzigen Inhabers J\u00f6rg, das Unternehmen. In den folgen\u00adden Jahren entstanden daraus ein Gro\u00dfhandel und eine phar\u00admazeutische Produktion mit 300 Mitarbeitern. Diese Berei\u00adche verkaufte J\u00f6rg Mayerhofer um die Jahrtausendwende. \u00dcb\u00adrig blieben drei benachbarte L\u00e4den: Apotheke, Reformhaus und Kr\u00e4uterhandlung. Bei einer Renovierung vor sechs Jahren entfernte man die W\u00e4nde, die diese voneinander trennten.<\/p>\n<p><strong>Top-Auswahl. <\/strong>Der Apothe\u00adker verf\u00fcgt \u00fcber einen Fundus von mehr als 500 Kr\u00e4utern und Gew\u00fcrzen, erzeugt hom\u00f6opa\u00adthische und andere alternative Heilmittel wie Naturkosmetika und M\u00fcslis. Auch wenn die klas\u00adsische Medizin bei ihm an erster Stelle steht, meint er: \u201eMan muss f\u00fcr alles offen sein\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-image-carousel fusion-image-carousel-auto fusion-carousel-border\"><div class=\"fusion-carousel\" data-autoplay=\"no\" data-columns=\"5\" data-itemmargin=\"13\" data-itemwidth=\"180\" data-touchscroll=\"no\" data-imagesize=\"auto\"><div class=\"fusion-carousel-positioner\"><ul class=\"fusion-carousel-holder\"><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"492\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-05-Zeitgeschichte-2.png?fit=600%2C492&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"HEUTE. Die Schutzengel Apotheke findet man im Herzen von Linz \u2013 gegen\u00fcber dem Landhaus in der Herrenstra\u00dfe.\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-05-Zeitgeschichte-2.png?resize=200%2C164&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-05-Zeitgeschichte-2.png?resize=300%2C246&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-05-Zeitgeschichte-2.png?resize=400%2C328&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/2017-05-Zeitgeschichte-2.png?fit=600%2C492&amp;ssl=1 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/div><\/div><\/li><\/ul><div class=\"fusion-carousel-nav\"><span class=\"fusion-nav-prev\"><\/span><span class=\"fusion-nav-next\"><\/span><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-text\"><p style=\"text-align: center;\">Fotos: Sokoloff, Bernhard Plank<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div>\n\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstler und Intellektuelle trafen sich heimlich im 1917 gegr\u00fcndeten \u201eGiftga\u00addern\u201c der Linzer Schutzen\u00adgel Apotheke in der Linzer Herrenstra\u00dfe 2. 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