{"id":3987,"date":"2019-10-28T23:12:11","date_gmt":"2019-10-28T22:12:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.city-magazin.at\/?p=3987"},"modified":"2019-11-26T08:05:35","modified_gmt":"2019-11-26T07:05:35","slug":"zeitgeschichte-sittenbild-von-linz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.city-magazin.at\/index.php\/zeitgeschichte-sittenbild-von-linz\/","title":{"rendered":"Zeitgeschichte Sittenbild von Linz"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\"  style='background-color: rgba(255,255,255,0);background-position: center center;background-repeat: no-repeat;padding-top:20px;padding-right:0px;padding-bottom:20px;padding-left:0px;'><div class=\"fusion-builder-row fusion-row \"><div  class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion_builder_column_1_1  fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last 1_1\"  style='margin-top:0px;margin-bottom:20px;'>\n\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-column-wrapper\" style=\"padding: 0px 0px 0px 0px;background-position:left top;background-repeat:no-repeat;-webkit-background-size:cover;-moz-background-size:cover;-o-background-size:cover;background-size:cover;\"  data-bg-url=\"\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h1><span style=\"color: #e20714;\">SITTENBILD <\/span>von Linz \u2013 zwi<span class=\"\">s<\/span><span class=\"\">chen Zensur und Duldung.<\/span><\/h1><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><div class=\"\">\n<div class=\"\"><span class=\"\">Frivoles Laster vermehrt den Zaster: Das Linzer Nachtleben von damals\u00a0<\/span>mit all den versteckten und verruchten Gassen der \u201ek\u00e4uflichen Liebe\u201c.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"\"><\/div><\/h1><\/div><div class=\"fusion-text\"><p><span class=\"\">S<\/span><span class=\"\">o alt wie die Menschheit, so alt ist auch die k\u00e4ufliche Liebe. Und wie alles, was im Laufe von Jahrhunderten ewigem Wechsel unterworfen ist, so hat auch diese \u201eInstitution\u201c ihr Antlitz mannigfach ver\u00e4ndert und auch in der Stadt Linz ihre Geschichte geschrieben. <\/span><!--more--><\/p>\n<div class=\"\"><span class=\"\">Ein Leserbrief der Bewohner der Klosterstra\u00dfe, abgedruckt 1876 in der Tages-Post, beschreibt uns ein wenig die Situation von damals: \u201eIn der Mitte der Stadt, in der Klosterstra\u00dfe, besteht zum Skandale der ganzen Stadt schon seit Langem ein \u00f6ffentliches Bordell im Gasthause \u201aZur Sense\u2018 und es geht daselbst in einer Weise zu, wie solches in Linz wohl noch nie dagewesen. Frauen und M\u00e4dchen k\u00f6nnen, besonders abends, auf dieser Seite der Stra\u00dfe gar nicht passieren, weil sie stets der Gefahr ausgesetzt sind, zudem sind die Bewohner der Nachbarh\u00e4user durch das oft die ganze Nacht dauernde Spektakel und L\u00e4rmen in dieser Lasterh\u00f6hle in ihrer n\u00e4chtlichen Ruhe gest\u00f6rt.\u201c <\/span><span class=\"\">\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/span><\/div>\n<div class=\"\"><span class=\"\"><b class=\"\">Eine Stadt sieht rot. <\/b><\/span><span class=\"\">Bereits 1895 verordnete der Linzer Gemeinderat daher Pflichten f\u00fcr Prostituierte. Dazu z\u00e4hlte, dass sie ein Gesundheitsbuch f\u00fchren und zweimal in der Woche zur Untersuchung mussten. Einige Jahre sp\u00e4ter etablierte sich der Schullerberg zum Zentrum der Linzer Rotlichtszene. Es war dort, wo die Stra\u00dfenz\u00fcge \u201eTiefer Graben\u201c und Fl\u00fcgelhofgasse die R\u00f6merbergstra\u00dfe mit der Lessingstra\u00dfe verbinden. In diesen H\u00e4usern wohnten die \u201eMadln\u201c. So wurden von den Bewohnern der Umgebung die Freudenm\u00e4dchen genannt. Tags\u00fcber lehnten sie zumeist sch\u00f6n herausgeputzt an den Fenstern: Wie tr\u00e4ge Katzen in der Sonne, hei\u00dft es in zeitgen\u00f6ssischen Berichten, lagen sie mit vorgebeugtem Oberleib auf den weichen Fensterpolstern und lockten mit hei\u00dfem Blick und leisem Zuruf die vor\u00fcbergehenden M\u00e4nner an. Am Abend gingen sie auf die Gasse, um die M\u00e4nner direkt anzusprechen. Man war ihnen in der n\u00e4chsten Nachbarschaft nicht b\u00f6se und auch die verheirateten Frauen waren ihnen nicht feindlich gesinnt, da sie ja wussten, dass ihre M\u00e4nner zu arm und auch abends zu abgerackert waren, um die Frauen hinter den roten Vorh\u00e4ngen aufzusuchen.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/span><\/div>\n<div class=\"\"><span class=\"\"><b class=\"\">Die Lustwandler. <\/b><\/span><span class=\"\">Zumeist handelte es sich bei den Freiern um Soldaten der Linzer Kasernen und um Matrosen vom nahe gelegenen Umschlagplatz an der Donau sowie um fremde Spazierg\u00e4nger aus entfernten Stadtteilen, die dann in einem dunklen Hauseingang verschwanden. Oftmals spielten sich dort die w\u00fcstesten Raufszenen ab, die ein Einschreiten der Polizei gleichzeitig in mehreren Geb\u00e4uden n\u00f6tig machten. Nach dem 1. Weltkrieg erreichte die k\u00e4ufliche Liebe auch in Linz einen traurigen H\u00f6hepunkt: Durch die hohe Arbeitslosigkeit sahen sich viele Frauen oft gezwungen, als letzte M\u00f6glichkeit ihren K\u00f6rper zum Verkauf anzubieten. Auch die\u00a0 geheime Prostitution stieg au\u00dferordentlich. Laut einem Polizeibericht wurden im Jahr 1930 114 illegale Prostituierte verhaftet, 1931 waren es bereits 202. Mit dem Austrofaschismus und den christlich-sozialen Werten wurde das Sittengesetz neu \u00fcberarbeitet und das \u201eHurenviertel\u201c beim Schullerberg abgeschafft.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/span><\/div>\n<div class=\"\"><span class=\"\"><b class=\"\">Es ging ums Ansehen. <\/b><\/span><span class=\"\">Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde den Polizeibeamten der Zutritt zu \u201ezwielichtigen Lokalen\u201c verboten. Um ihr Ansehen nicht zu gef\u00e4hrden, durften sie diese Lokale weder in Zivil noch in Uniform betreten. Ausschlie\u00dflich zu Amtshandlungen durften sie dort verkehren. Auf dieser Liste waren ganze 21 Lokale angef\u00fchrt. Zur Vermeidung des \u201everbotenen Umgangs\u201c wurden auch Bordelle f\u00fcr fremdv\u00f6lkische Arbeitskr\u00e4fte errichtet. In Linz existierte eines f\u00fcr die tschechischen Arbeiter der Hermann-G\u00f6ring-Werke in der Wankm\u00fcllerhofstra\u00dfe. Daf\u00fcr wurden in der Region Budweis Prostituierte zwangsrekrutiert und nach Linz verschleppt. Nach dem 2. Weltkrieg boomte die Branche erneut. In Linz ankerte sogar ein Bordell-Schiff. Um finanziell zu \u00fcberleben, suchte so manche Frau die N\u00e4he der US-Befreier. Einige Lokale waren ausschlie\u00dflich den Amerikanern vorbehalten und nur \u00f6sterreichische Frauen durften diese betreten. Der Begriff \u201eAmihure\u201c wurde zu einem der meistgeh\u00f6rten Schimpfw\u00f6rter dieser Zeit.<\/span><\/div>\n<h5><\/h5>\n<h5><\/h5>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">NEUERSCHEINUNG: Das erotische Leben des Heinrich D.<\/span><\/p>\n<p><em><span class=\"\">Eine amour\u00f6se Zeitreise zu den vielen H\u00f6hepunkten eines passionierten Besteigers.<\/span><\/em><\/p>\n<p><span class=\"\">Weitere Einblicke in das Sexualverhalten der Linzer von damals erz\u00e4hlt die Neuerscheinung des Lentia Verlags. Unter dem Titel \u201eDas erotische Leben des Heinrich D.\u201c f\u00fchrt das Buch durch eine Zeitreise deren Handlung auf wahren Begebenheiten beruht. Es ist die\u00a0 Lebensbeichte eines echten Schweren\u00f6ters: Seit der \u201eMutzenbacher\u201c wurde nicht mehr so unverhohlen und direkt von dem erz\u00e4hlt, was sich zwischen Mann und Frau abspielt. Heinrich Drums \u201esexuelles Leben\u201c ist vor allem soziologisch interessant und l\u00e4sst wesentliche R\u00fcckschl\u00fcsse auf das jeweilige Milieu, auf einschl\u00e4gige, vor allem Linzer Lokalit\u00e4ten sowie deren Besucher, zu. Manchmal hat man den Eindruck, dieser Heinrich Drum wollte selbst den legend\u00e4ren Schriftsteller und Abenteurer Giacomo Casanova in den Schatten stellen. Um das Vorstellungsverm\u00f6gen des Lesers anzuregen, illustrieren erotische Fotoaufnahmen das aus 99 Kapiteln bestehende Buch. Sie stammen aus derselben Zeit, in der Heinrich Drum seine Abenteuer und sexuellen Phantasien auslebte. Wer sich n\u00e4her mit dem biografischen Hintergrund des Verfassers, den lokalen Umst\u00e4nden des Milieus auseinandersetzen will, der wird im Anhang mit authentischem Fotomaterial konfrontiert werden: Bilder, die das Leben des Heinrich Drum erz\u00e4hlen, von seiner Kindheit und Jugend in Linz, dem Aufwachsen im l\u00e4ndlichen Arbeitermilieu zur Kaiserzeit, vom Milit\u00e4rdienst im Ersten Weltkrieg in Italien, den belasteten Zwischenkriegsjahren, von den unangenehmen Erfahrungen in der Kriegs- und NS-Zeit bis zum Neustart in einem wieder unbeschwerteren Leben danach. Einschl\u00e4giges Fotomaterial dokumentiert auch das Nachtleben in den verruchten Gassen der Stadt Linz, Bilder, die bisher nie ver\u00f6ffentlicht worden sind und jenes Milieu dokumentieren, in dem auch der Verfasser dieser Schrift regelm\u00e4\u00dfig verkehrte.<\/span><\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-image-carousel fusion-image-carousel-auto fusion-carousel-border\"><div class=\"fusion-carousel\" data-autoplay=\"no\" data-columns=\"5\" data-itemmargin=\"13\" data-itemwidth=\"180\" data-touchscroll=\"no\" data-imagesize=\"auto\"><div class=\"fusion-carousel-positioner\"><ul class=\"fusion-carousel-holder\"><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"525\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/2019-11-LinzerSittenbild-2.png?fit=525%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" 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