{"id":4593,"date":"2020-09-29T19:38:00","date_gmt":"2020-09-29T17:38:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.city-magazin.at\/?p=4593"},"modified":"2024-06-02T18:56:07","modified_gmt":"2024-06-02T16:56:07","slug":"zeitgeschichte-brotagonist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.city-magazin.at\/index.php\/zeitgeschichte-brotagonist\/","title":{"rendered":"Zeitgeschichte \u201eBrotagonist\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\"  style='background-color: rgba(255,255,255,0);background-position: center center;background-repeat: no-repeat;padding-top:20px;padding-right:0px;padding-bottom:20px;padding-left:0px;'><div class=\"fusion-builder-row fusion-row \"><div  class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion_builder_column_1_1  fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last 1_1\"  style='margin-top:0px;margin-bottom:20px;'>\n\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-column-wrapper\" style=\"padding: 0px 0px 0px 0px;background-position:left top;background-repeat:no-repeat;-webkit-background-size:cover;-moz-background-size:cover;-o-background-size:cover;background-size:cover;\"  data-bg-url=\"\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h1>Mit Laib und viel <span style=\"color: #e20714;\">Seele.<\/span><\/h1><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h4>Die Erste Linzer Arbeiterb\u00e4ckerei als \u201eBrotagonist\u201c sozialen Wandels.<\/h4><\/h1><\/div><div class=\"fusion-text\"><p>Um 1890 erlebte die Ausbeutung und Rechtlosigkeit der Arbeiter ihre Hochbl\u00fcte. Besonders schlimm waren die B\u00e4ckerarbeiter betroffen. Geregelte Arbeitszeit gab es nicht und h\u00e4ufig kam es vor, dass B\u00e4cker vor \u00dcberm\u00fcdung beim Trog einschliefen oder zusammenbrachen. Am besten kommt das Leben der B\u00e4cker darin zum Ausdruck, dass sie sogar von den Frauen zum Heiraten gemieden wurden, weil B\u00e4cker beinahe nie zu Hause waren. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Arbeiter werden \u201eEigenbr\u00f6tler\u201c.<\/strong> Diesem Umstand wollten einige Linzer B\u00e4ckergehilfen entgegenwirken. Ihre Vision war eine eigene B\u00e4ckerei mit menschenw\u00fcrdigen Arbeitsbedingungen. Am 19. Oktober 1900 war es so weit: Die sieben B\u00e4ckerarbeiter gr\u00fcndeten die \u201eErste Linzer Arbeiterb\u00e4ckerei\u201d. Im Keller des damaligen Gasthauses Hoffmann in der Drouotgasse 1 nahm ihre B\u00e4ckerei bereits Ende November 1900 den Betrieb auf. In drei Schichten mit je acht Stunden wurde gearbeitet, und das zu besseren L\u00f6hnen als bei den B\u00e4ckermeistern. Um sich dieser Arbeiterbewegung entgegenzusetzen, organisierten die Linzer B\u00e4ckermeister einen Boykott jener M\u00fchlenbesitzer, die der Arbeiterb\u00e4ckerei Mehl lieferten. Trotz dieser Schwierigkeit fand die tapfere \u201eTeigschmiede\u201c mit dem loyalen M\u00fcller Alois Hartwagner der Klamm\u00fchle in Engerwitzdorf einen Mehllieferanten. Durch die solidarische Unterst\u00fctzung der Linzer Arbeiterschaft war bald der Absatz gesichert. Die Arbeiter sahen mit Stolz auf die Kollegen in der B\u00e4ckerbranche, die sich mutig zu helfen wussten und kauften nur mehr das \u201eArbeiterbrot\u201c. Bald war die B\u00e4ckerei zu klein. Im Sommer 1904 wurde das neue Haus mit bereits 14 Mitgliedern in der Novaragasse 4 bezogen. Sp\u00e4ter wurde der Betrieb der sozialdemokratischen Arbeiterpartei \u00fcbertragen. Diese gr\u00fcndete daraus die Linzer Arbeiter-Brotwerke, Pl\u00f6ckinger, Gruber &amp; Co. Die neuen Gesellschafter waren der sozialdemokratische Gemeinderat Josef Pl\u00f6ckinger; er war einst Mitgr\u00fcnder der Arbeiterb\u00e4ckerei, Gemeinderat Josef Gruber (sp\u00e4terer B\u00fcrgermeister von Linz) und der Gewerkschafter Hans Ottensteiner. 1913 wurde ein modernerer Betrieb in der Unionstra\u00dfe 31-33 errichtet. Dieser grenzte an die alte B\u00e4ckerei in der Novaragasse. Bereits im ersten Jahr konnten t\u00e4glich 3.000 Brotlaibe produziert werden, und bald war die H\u00f6chstauslastung mit 10.000 St\u00fcck erreicht. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde die Arbeiterb\u00e4ckerei vom Milit\u00e4r verwaltet. Die neu Einger\u00fcckten mussten mit Brot versorgt werden. Im Laufe der Kriegsjahre erhielt die Arbeiterb\u00e4ckerei den Auftrag, die Stadt mit Nahrungsmitteln zu versorgen. 1917 wurde dem Unternehmen die Linzer Wurst- und Selchwarenfabrik Alois Biberhofer eingegliedert, ebenso die Columbus Teigwaren- Makkaroni und Nahrungsmittelfabrik. Zur gleichen Zeit wurde auch die Aum\u00fchle in Ufer (Gemeinde Ebelsberg) erworben, wo die Gunog (Gefl\u00fcgel-Nutztierhof, Obst- und Gem\u00fcsegut) gegr\u00fcndet wurde.<br \/>\n<strong>Gr\u00fcndung der Spaten-Brotwerke.<\/strong> Um den neuen Anforderungen an Backwaren gerecht zu werden, entstand im Dezember 1920 etwas au\u00dferhalb der Stadt im Linzer \u201eMilit\u00e4rbezirk\u201c der Plan f\u00fcr die Linzer Spaten-Brotwerke. In der Semmelweisstra\u00dfe wurde eine moderne Fabrik aufgebaut. Im Juli 1922 konnten die Linzer Spaten-Brotwerke, deren Eigent\u00fcmer die Linzer Arbeiter-Brotwerke, der Konsumverband Linz sowie die Stadt Linz waren, voll in Betrieb gehen. Da der Herstellungsprozess fast durchwegs automatisiert erfolgte, war es bald m\u00f6glich, einen t\u00e4glichen Aussto\u00df von 30.000 Laib Brot und 300.000 St\u00fcck Wei\u00dfgeb\u00e4ck mit nur rund 100 Mitarbeitern zu erzielen. Seit 1923 geh\u00f6rten die Spaten-Brotwerke zur Gro\u00dfeinkaufsgemeinschaft der Konsumvereine, der Vorg\u00e4ngerin des 1978 gegr\u00fcndeten Konsum.<br \/>\n<strong>Die gro\u00dfe Krise.<\/strong> Der gro\u00dfe Erfolg hielt jedoch nicht lange an: Beim Rechnungsabschluss im Sommer 1926 wurde ein Verlust von rund 2,8 Mio. Kronen verzeichnet. Im Februar 1934 machten die Spaten-Brotwerke wiederum Schlagzeilen, denn die Fabrik wurde von Schutzb\u00fcndlern besetzt und diese beschossen von dort die Pionierkaserne. Nach dem Anschluss im Jahre 1938 wurde von den Nationalsozialisten ein kommissarischer Verwalter bestellt. Im September 1938 \u00fcbernahm die Wehrmacht mit einem diktierten Kaufpreis von 600.000 RM die Fabrik. In Folge wurden von hier die Konzentrationslager Mauthausen und Gusen mit Brot versorgt.Ebenso wurde Brot f\u00fcr den Afrika-Feldzug gebacken. Mit Kriegsende wurden auch die Spaten-Brotwerke schwer von Bomben getroffen. Zuvor wurden schon zahlreiche Maschinen abmontiert. Mit dem Eintreffen der US-Amerikaner war die Fabrik herrenlos. Es erfolgte die R\u00fcckstellung und Ern\u00e4hrungsoffizier Major Jackson beauftragte den ehemaligen Abteilungsleiter Franz Imperial mit dem Wiederaufbau. Er war auch Gr\u00fcndungsmitglied des Arbeiter-Turnvereines Linz im Fr\u00fchjahr 1904. Mit wenigen Mitarbeitern konnte in der verkleinerten Fabrik Anfang 1946 wieder Brot gebacken werden. 10 Jahre sp\u00e4ter z\u00e4hlte die Fabrik die H\u00f6chstmitarbeiterzahl von 253. In der Stunde wurden 3 Tonnen Brot und 30.000 St\u00fcck Geb\u00e4ck erzeugt. Mitte der 1970er Jahre schlitterte die Backwarenfabrik wegen schlechter Konkurrenzf\u00e4higkeit in eine schwere Krise. Unter Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Heinz Heiser wurde das Werk modernisiert, doch durch die Automatisierung mussten zahlreiche Arbeiter gek\u00fcndigt werden. So waren f\u00fcr die t\u00e4gliche Produktion von 80.000 Semmeln nur noch drei Leute n\u00f6tig. Ende der 1980er-Jahre waren im Werk lediglich 110 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt. 2006 wurden die sowohl technik- und industriegeschichtlich als auch baukulturell bedeutenden Produktionsst\u00e4tten der Spaten-Brotwerke \u2013 geplant vom ber\u00fchmten Otto Wagner-Sch\u00fcler Hubert Ge\u00dfner \u2013 zugunsten einer Wohnbebauung geschliffen.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-image-carousel fusion-image-carousel-auto lightbox-enabled fusion-carousel-border\"><div class=\"fusion-carousel\" data-autoplay=\"yes\" data-columns=\"5\" data-itemmargin=\"20\" data-itemwidth=\"180\" data-touchscroll=\"yes\" data-imagesize=\"auto\"><div class=\"fusion-carousel-positioner\"><ul class=\"fusion-carousel-holder\"><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1082\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?fit=1082%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"PROTEST GEGEN ARBEITSBEDINGUNGEN. Die Linzer Arbeiterb\u00e4ckerei in der Novaragasse 4 um 1910.\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?resize=200%2C129&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?resize=300%2C194&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?resize=400%2C259&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?resize=600%2C388&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?resize=768%2C497&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?resize=800%2C518&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?resize=1024%2C662&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-2.png?fit=1082%2C700&amp;ssl=1 1082w\" sizes=\"auto, (max-width: 1082px) 100vw, 1082px\" \/><\/div><\/div><\/li><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"892\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?fit=892%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"R\u00dcHREND. Die Spaten-Brotwerke mit dem Teigaufbereitungsraum und der Konditorei- Abteilung. Die W\u00e4nde waren dort mit Gmundner Keramik verziert.\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?resize=200%2C157&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?resize=300%2C235&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?resize=400%2C314&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?resize=600%2C471&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?resize=768%2C603&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?resize=800%2C628&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-8.png?fit=892%2C700&amp;ssl=1 892w\" sizes=\"auto, (max-width: 892px) 100vw, 892px\" \/><\/div><\/div><\/li><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"966\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?fit=966%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?resize=200%2C145&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?resize=300%2C217&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?resize=400%2C290&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?resize=600%2C435&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?resize=768%2C557&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?resize=800%2C580&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-6.png?fit=966%2C700&amp;ssl=1 966w\" sizes=\"auto, (max-width: 966px) 100vw, 966px\" \/><\/div><\/div><\/li><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"483\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2020-10-Zeitgeschichte-4.png?fit=483%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"ANNO DAZUMAL. 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