{"id":4665,"date":"2020-12-01T00:01:29","date_gmt":"2020-11-30T23:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.city-magazin.at\/?p=4665"},"modified":"2021-05-03T22:42:12","modified_gmt":"2021-05-03T20:42:12","slug":"geschichte-brigitte-lenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.city-magazin.at\/index.php\/geschichte-brigitte-lenz\/","title":{"rendered":"Geschichte Brigitte Lenz"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\"  style='background-color: rgba(255,255,255,0);background-position: center center;background-repeat: no-repeat;padding-top:20px;padding-right:0px;padding-bottom:20px;padding-left:0px;'><div class=\"fusion-builder-row fusion-row \"><div  class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion_builder_column_1_1  fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last 1_1\"  style='margin-top:0px;margin-bottom:20px;'>\n\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-column-wrapper\" style=\"padding: 0px 0px 0px 0px;background-position:left top;background-repeat:no-repeat;-webkit-background-size:cover;-moz-background-size:cover;-o-background-size:cover;background-size:cover;\"  data-bg-url=\"\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h1><span style=\"color: #e20714;\">Flucht <\/span>aus B\u00f6hmen<\/h1><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h4>Ein Buch von Brigitte Lenz erinnert an das Schicksal der Sudetendeutschen<\/h4><\/h1><\/div><div class=\"fusion-text\"><p>Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Da es in der letzten Phase st\u00e4ndig Bomben auf Linz hagelte, zog Erika Lenz mit ihrer zweij\u00e4hrigen Tochter Brigitte ins sudetendeutsche Niedergrund bei Warnsdorf. Ihr Mann war zu dieser Zeit in britischer Kriegsgefangenschaft und in B\u00f6hmen war ihre Familie schon seit Jahrhunderten heimisch.<!--more--><\/p>\n<p>Die Wurzeln reichen bis in das 17. Jahrhundert zur\u00fcck. Brigitte Lenz hat sich in einem Buch ihrer Familiengeschichte angenommen und dabei den Fokus auf das letzte Kapitel bzw. die dramatische Vertreibung aus Sudetendeutschland gerichtet.<br \/>\n<strong>Tr\u00fcgerische Sicherheit. <\/strong> Die Verwandten ihrer Mutter waren nicht wohlhabend. Sie meinten aber, der jungen Mutter eine ungef\u00e4hrliche Bleibe bieten zu k\u00f6nnen. Erika fand eine Stelle im Warnsdorfer Arbeitsamt. Bedenken, dass sie die Tschechen am Kriegsende ausweisen oder an ihr Vergeltung \u00fcben k\u00f6nnten, schenkte sie keinen Glauben. In ihrer Familie gab es keine Nazis oder gar Parteimitglieder. Dennoch nahmen Berichte von Gr\u00e4ueltaten gegen Deutschst\u00e4mmige zu. Anfang Mai 1945, als der Krieg schon vorbei war, ergriff Erika mit ihrer Tochter die Flucht. Warnsdorf liegt nahe an der deutschen Grenze, sie wollte aber nicht in einem Internierungslager landen. Ihr Ziel, ihr Elternhaus in Linz, lag 377 Kilometer entfernt. Erst kurz unterwegs, traf sie auf tschechisches Milit\u00e4r; es wimmelte nur so von Soldaten. Aus Angst vor einer Vergewaltigung kehrte sie nach Warnsdorf zur\u00fcck. Bald brach sie aber erneut auf. Dieses Mal nach Prag. Zwei Wochen dauerte es, bis sie zu Fu\u00df, per Autostopp und mit dem Zug die 125 Kilometer lange Strecke zur\u00fcckgelegt hatte. Unterwegs hatte sie manchmal Milch f\u00fcr ihre Kleine erbettelt, selbst aber keine Nahrung zu sich genommen. Oft schliefen sie auf offenem Feld, wobei Granaten um sie herum einschlugen. Ersch\u00f6pft erreichte das Duo den Masaryk-Bahnhof in Prag \u2013 nur um zu erfahren, dass dort keine Z\u00fcge mehr verkehrten. Auf dem Weg zum Wilson-Bahnhof lie\u00df Erika ihr Gep\u00e4ck zur\u00fcck; sie w\u00fcrde ohnehin bald in Linz sein. Sie hatte tschechisches Geld bei sich und konnte sich radebrechend in der Landessprache verst\u00e4ndigen.<br \/>\n<strong>Rachsucht. <\/strong> In der Stadt herrschte Anarchie. Die johlende Menge hielt immer wieder Deutsche fest, setzte sie auch in Brand und machte sich \u00fcber die \u201elebenden Fackeln\u201c lustig. Die Menschen hegten einen unb\u00e4ndigen Hass gegen die drei Millionen starke Minderheit, die so viel Leid \u00fcber sie gebracht hatte. Zwei Drittel der Deutschst\u00e4mmigen hatten 1935 noch f\u00fcr die nazifreundliche Sudetendeutsche Partei gestimmt. Bei ihnen gab es damals 40 Prozent Arbeitslose und ihre Kinder waren unterern\u00e4hrt. Sie litten wesentlich mehr unter der Wirtschaftskrise als ihre tschechischen Nachbarn. In Deutschland hatte sich die Wirtschaft bereits erholt.<br \/>\n<strong>Verzweifelt. <\/strong> Erika w\u00e4hnte sich in Sicherheit, als sie den Wilson-Bahnhof erreichte. Dessen leuchtender Jugendstil-Dekor hellte ihre Stimmung auf. Ohne Z\u00f6gern wandte sie sich an die erste Verkaufsstelle, pr\u00e4sentierte ein paar Geldscheine und verlangte eine Fahrkarte. Der Beamte wies sie ab. Sie wanderte von Schalter zu Schalter \u2013 \u00fcberall das Gleiche! Als sie den Prachtbau verlie\u00df und alle Hoffnung verloren hatte, sprach sie ein tschechischer Soldat auf Deutsch an. W\u00e4hrend er den Fahrdienstleiter ablenkte, kletterte sie mit dem Kind \u00fcber den Schranken und stieg in den Zug. Bald fand sie sich jedoch in einem Abteil voll von grimmig dreinblickenden tschechischen Soldaten, die sie argw\u00f6hnisch musterten. Pl\u00f6tzlich fuhr der Zug mit einem Ruck los, sie verlor den Halt und fiel zu Boden. Die Uniformierten schimpften t\u00fcchtig auf sie ein, w\u00e4hrend Erika ein Sto\u00dfgebet zum Himmel sandte: \u201eHoffentlich f\u00e4ngt das Kind nicht auf Deutsch zu plappern an!\u201c Sie hatte schon \u00f6fters geh\u00f6rt, dass die Tschechen die besiegten Feinde sogar aus fahrenden Z\u00fcgen warfen. Wieder kam ihr in h\u00f6chster Not ein galanter Soldat zu Hilfe. Er \u00fcberlie\u00df ihr seinen Sitzplatz und holte den Schaffner herbei, damit sie eine Fahrkarte erhielt. Die anderen fluchten zwar weiter, lie\u00dfen sie aber unbehelligt.<br \/>\n<strong>Inseln der Seligen. <\/strong> \u00dcber die Grenze Oberhaid erreichte Erika per Anhalter den Linzer Bahnhof. Die Stra\u00dfe, die sie einschlagen wollte, war von Bombentrichtern \u00fcbers\u00e4t. In einem Moment der Unachtsamkeit machte sich die kleine Brigitte selbst\u00e4ndig und verschwand spurlos. Erika suchte nun verzweifelt und heulend nach ihr. Wieder hatte sie gro\u00dfes Gl\u00fcck \u2013 ein Polizist hatte die kleine Ausrei\u00dferin aufgest\u00f6bert. Die restlichen paar Kilometer bew\u00e4ltigten die beiden zu Fu\u00df. Sie musste \u00fcber den Rand eines Bombentrichters balancieren, um zur Gartent\u00fcr ihres schwer besch\u00e4digten Elternhauses zu gelangen. Der Krieg war f\u00fcr sie nun vorbei. Erst viel sp\u00e4ter kehrte ihr Mann aus der Gefangenschaft heim.<br \/>\n<strong>Brutale Deportation. <\/strong> In weiterer Folge vertrieben die Sieger fast alle der drei Millionen Sudetendeutschen und konfiszierten ihr Eigentum. Manche, die nicht weitermarschieren konnten, wurden erschossen oder einfach liegengelassen. Vergessen wird leider auch, dass die vielen Vertriebenen bei uns als Staatenlose galten und zudem als Gef\u00e4hrdung f\u00fcr den Bestand \u00d6sterreichs angesehen wurden. Manche wurden auch an der Grenze einfach zur\u00fcckgewiesen. Jene, die bei uns Zuflucht fanden, erhielten laufend Besuch von der Fremdenpolizei und mussten noch lange mit der Angst vor einer Abschiebung leben, sofern sie keine famili\u00e4ren Verbindungen zu \u00d6sterreich nachweisen konnten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"> HINTERGRUND<\/span><\/p>\n<p><strong>Nach einer wahren Geschichte: <\/strong><br \/>\nBrigitte Lenz wurde im J\u00e4nner 1943 in Linz geboren. Heute lebt sie in Kronsdorf und ist als Autorin t\u00e4tig. Sie hat die dramatischen Erlebnisse ihrer fr\u00fchen Kindheit im Jahr 1945 in einem ergreifenden Buch festgehalten. \u201eFlucht aus dem Sudetenland. Eine wahre Geschichte\u201c erschien im Ebozon-Verlag als eBook und ist ein Zeitzeugnis des Zweiten Weltkrieges, das uns zum Nachdenken und zur Vers\u00f6hnung aufruft.<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-image-carousel fusion-image-carousel-auto fusion-carousel-border\"><div class=\"fusion-carousel\" data-autoplay=\"no\" data-columns=\"5\" data-itemmargin=\"13\" data-itemwidth=\"180\" data-touchscroll=\"no\" data-imagesize=\"auto\"><div class=\"fusion-carousel-positioner\"><ul class=\"fusion-carousel-holder\"><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"529\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-00.png?fit=529%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"ERINNERUNG. Brigitte Lenz als Kleinkind mit Mutter Erika\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-00.png?resize=200%2C265&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-00.png?resize=227%2C300&amp;ssl=1 227w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-00.png?resize=400%2C529&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-00.png?fit=529%2C700&amp;ssl=1 529w\" sizes=\"auto, (max-width: 529px) 100vw, 529px\" \/><\/div><\/div><\/li><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1085\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?fit=1085%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"1968. Der Markt in Warnsdorf (heute Varnsdorf).\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?resize=200%2C129&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?resize=300%2C194&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?resize=400%2C258&amp;ssl=1 400w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?resize=600%2C387&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?resize=768%2C495&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?resize=800%2C516&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?resize=1024%2C661&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-02.png?fit=1085%2C700&amp;ssl=1 1085w\" sizes=\"auto, (max-width: 1085px) 100vw, 1085px\" \/><\/div><\/div><\/li><li class=\"fusion-carousel-item\"><div class=\"fusion-carousel-item-wrapper\"><div class=\"fusion-image-wrapper hover-type-none\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1078\" height=\"700\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.city-magazin.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2020-12-Lenz-03.png?fit=1078%2C700&amp;ssl=1\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"VERTR\u00c4UMT. 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