{"id":6362,"date":"2024-04-01T23:53:51","date_gmt":"2024-04-01T21:53:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.city-magazin.at\/?p=6362"},"modified":"2025-05-04T16:13:53","modified_gmt":"2025-05-04T14:13:53","slug":"interview-mit-gertrude-saxinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.city-magazin.at\/index.php\/interview-mit-gertrude-saxinger\/","title":{"rendered":"Interview mit Gertrude Saxinger"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\"  style='background-color: rgba(255,255,255,0);background-position: center center;background-repeat: no-repeat;padding-top:20px;padding-right:0px;padding-bottom:20px;padding-left:0px;'><div class=\"fusion-builder-row fusion-row \"><div  class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion_builder_column_1_1  fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last 1_1\"  style='margin-top:0px;margin-bottom:20px;'>\n\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-column-wrapper\" style=\"padding: 0px 0px 0px 0px;background-position:left top;background-repeat:no-repeat;-webkit-background-size:cover;-moz-background-size:cover;-o-background-size:cover;background-size:cover;\"  data-bg-url=\"\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h1>I<span class=\"\">n der<\/span> <span style=\"color: #e20714;\"><span class=\"\" style=\"color: #0000ff;\">Pole-<\/span><span class=\"\" style=\"color: #000000;\">Position<\/span><\/span><\/h1><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h4><span class=\"\">Dr. Gertrude Saxinger im Gespr\u00e4ch \u00fcber das, was uns aus der Ferne nahegeht<\/span>.<\/h4><\/h1><\/div><div class=\"fusion-text\"><div class=\"\"><span class=\"\">D<\/span><span class=\"\">iesmal wurde ein <\/span><span class=\"\"><i class=\"\">CITY!\u00a0<\/i><\/span><span class=\"\">Redakteur auf die Reise nach Wien geschickt, um die in Kollerschlag geborene Sozialanthropologin Gertrude Saxinger zu interviewen. Sie arbeitet an der Universit\u00e4t Wien und am Austrian Polar Research Institute (APRI). <\/span><!--more--><\/div>\n<p>Mit im Gep\u00e4ck waren meine Fragen rund um die Entwicklungen in der Arktis \u2013 auch dar\u00fcber, was denn das alles hier mit uns zu tun hat. Und tats\u00e4chlich ist die Region n\u00f6rdlich des Polarkreises nicht blo\u00df eine landschaftliche Idylle, sondern auch ein gef\u00e4hrdeter Lebensraum f\u00fcr Mensch und Tier \u2013 und auch wir haben leider einen Anteil an den dortigen Problemen.<\/p>\n<p><strong><em>Auch wenn Kollerschlag schon sehr n\u00f6rdlich ist, so ist es doch noch ein St\u00fcck vom Polarkreis entfernt. Wie entstand das Interesse an der Arktis?\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Schon als Kind. Mein Papa hat in seinen jungen Jahren bei einem Amateurskirennen am Hochficht einen dicken bebilderten Atlas gewonnen. Den habe ich geliebt und besonders darin die Fotos von \u201eEskimos\u201c (wie sie damals genannt wurden; heute sagt man Inuit, wie sie sich selbst nennen) in ihren dicken Parkas mit der typischen Fellkapuze. Die wollte ich unbedingt kennenlernen.<\/p>\n<p><strong><em>Und was macht eigentlich dort eine Sozialanthropologin?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Anthropologie ist die Lehre vom Menschen, die sich mit den unterschiedlichsten Formen des Zusammenlebens als Gemeinschaften quer \u00fcber den Globus besch\u00e4ftigt. Das Besondere ist dabei, dass wir nicht Frageb\u00f6gen austeilen, sondern oft jahrelang mit denselben Menschen und Gemeinden direkt vor Ort forschen, lange Gespr\u00e4che f\u00fchren und viel beobachten. So k\u00f6nnen wir viel \u00fcber Frieden und Konflikte, Identit\u00e4ten, Interessen von Politik, Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung sowie \u00fcber Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten auf der Welt lernen.<\/p>\n<p><strong><em>Wenn wir \u201eArktis\u201d h\u00f6ren, denken wir heute oft gleich an den Klimawandel, warum?\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die menschengemachte Erderw\u00e4rmung, die durch unseren weltweit rapiden angestiegenen CO2-Aussto\u00df verursacht ist, schreitet in der Arktis etwa viermal schneller als in temperierten Zonen voran. Die Arktis hat l\u00e4ngst die 2.5 Grad der Erw\u00e4rmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter \u00fcberschritten. W\u00e4hrend in den zentralen Regionen wie Europa noch dar\u00fcber debattiert wird, wie man diesen Anstieg abwenden kann, ist der in der Arktis schon Realit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong><em>Wie betrifft das die Menschen dort?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel: Die Inuit leben an den n\u00f6rdlichsten K\u00fcsten rund um die Arktis. Sie ern\u00e4hren sich von der Jagd nach S\u00e4ugetieren an Land und im Meer. Die Eisfl\u00e4chen, auf denen sich die J\u00e4ger und J\u00e4gerinnen f\u00fcr die Robbenjagd platzieren, werden d\u00fcnner und sind mittlerweile jedes Jahr anders. Man kann sich auf das Jahrtausende alte Wissen \u00fcber die Schnee- und Eisbeschaffenheit, dass die Tradition von indigenen Kulturen pr\u00e4gt, nicht mehr unbedingt verlassen. Die Eisdecken werden zu gef\u00e4hrlich, um mit dem Schneemobil in die Jagdgegenden zu gelangen. Wirtschaftliche Einbu\u00dfen, aber vor allem die Nahrungssicherheit ist sodann gef\u00e4hrdet. Zunehmend m\u00fcssen schlie\u00dflich sehr teuer importierte Lebensmittel auf den Tisch kommen. Der massive globale CO<sup>2<\/sup>-Aussto\u00df wird nicht in der Arktis produziert, die Menschen m\u00fcssen aber die massiven Konsequenzen tragen. Ist das gerecht?<\/p>\n<p><strong><em>Was genau ist diesbez\u00fcglich unter dem \u201eGr\u00fcnen Kolonialismus\u201d zu verstehen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In den Zentren Europas und in den arktischen Staaten will man \u201egr\u00fcn\u201c werden. Wir wollen E-Autos fahren und klimaneutral leben. Dazu braucht es erneuerbare Energie, die irgendwo industriell gewonnen werden muss. Kolonialismus bedeutet in dem Zusammenhang, dass diese Energie aus Gebieten stammt, wo Bewohnerinnen und Bewohner nur wenige Mitspracherechte haben, wie diese Energiegewinnung ausgestaltet sein kann und ob sie dort \u00fcberhaupt stattfinden soll. Das ist in den historisch kolonisierten Gebieten der Arktis ganz besonders relevant, da die Indigenen die Gebiete als ihr traditionelles Land ansehen, das ihnen schon einmal weggenommen wurde. In Norwegen, zum Beispiel, wird die Kultur der indigenen S\u00e1mi, die durch die Rentierwirtschaft gepr\u00e4gt ist, durch den neuen Fosen Windpark bedroht, der im Endausbau 300 Turbinen umfassen wird. Derzeit ist die H\u00e4lfte in Betrieb und schon jetzt betreten die Rentiere diese Zonen nicht mehr, da die Stra\u00dfen zu den Turbinen, Ger\u00e4usche und andere Einfl\u00fcsse die Tiere beim Fressen st\u00f6ren. Der Oberste Gerichtshof in Oslo entschied 2021 sodann, dass der riesige Windpark auf der Halbinsel Fosen illegal errichtet wurde und eine Verletzung der verbrieften Rechte der indigenen Bev\u00f6lkerung zur Aus\u00fcbung ihrer Lebensweise darstellt. Die Menschen erinnern sich an die dramatischen Zeiten als sie kolonisiert und sp\u00e4ter zwangsassimiliert wurden. Daher ist es verst\u00e4ndlich, wenn sie dieser neuen Landnahme im Gebiet der S\u00e1mi durch staatliche und private Unternehmen mit h\u00f6chster Alarmbereitschaft gegen\u00fcberstehen. Das w\u00e4re neuer Kolonialismus mit einem gr\u00fcnen M\u00e4ntelchen, also \u201egr\u00fcner Kolonialismus\u201c.<\/p>\n<p><strong><em>Was k\u00f6nnte bei uns gemacht werden, um solche Entwicklungen zu verhindern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns einfach als Individuen und als Gesellschaft hier in \u00d6sterreich und in Europa klar machen, dass auch die so wichtige \u201egr\u00fcne Wende\u201c Verliererinnen und Verlierer mit sich bringt. Wir sollten uns daher dessen verst\u00e4rkt bewusst sein, dass der Strom ja nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern wir, die Konsumentinnen und Konsumenten, auch Verantwortung tragen m\u00fcssen, dass nicht andere Menschen die Rechnung f\u00fcr unser Gr\u00fcnwerden zahlen. Die Wirtschaft und die Politik sind hier genauso gefordert, denn Sonntagsreden alleine helfen niemandem. Dazu ist die Energiewende viel zu wichtig.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">POLAR-TALK im MUSEUM<\/span><\/p>\n<div class=\"\">\n<div class=\"\"><b class=\"\">ARKTIS \u2013 Polare Welt im Wandel:<\/b> Die deutlich sichtbaren und messbaren Auswirkungen des Klimawandels, aber auch die dadurch eingeleiteten geopolitischen Ver\u00e4nderungen, haben die Arktis ins Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit ger\u00fcckt. Die einzigartige Natur entlang und n\u00f6rdlich des 66. Breitengrades, ihre Faszination und Verletzlichkeit sowie die rasanten Ver\u00e4nderungen in den arktischen Regionen bilden auch den thematischen Ausgangspunkt einer Ausstellung im Wiener Naturhistorischen Museum. Diese ist noch bis zum 22. September zu sehen. Am 15. Mai wird Gertrude Saxinger im Naturhistorischen Museum auch einen Polar Talk zum Thema <span class=\"\">\u201e<\/span>Green Colonialism<span class=\"\">\u201d<\/span> moderieren (ab 18.30 Uhr). Weitere Infos rund um das Austrian Polar Research Institute (APRI): <a class=\"\" title=\"Durch Outlook gesch\u00fctzt: http:\/\/www.polarresearch.at\/. Klicken oder tippen Sie, um dem Link zu folgen.\" href=\"http:\/\/www.polarresearch.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-auth=\"Verified\" data-linkindex=\"0\">www.polarresearch.at<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div><div class=\"fusion-image-carousel fusion-image-carousel-auto fusion-carousel-border\"><div class=\"fusion-carousel\" data-autoplay=\"no\" data-columns=\"5\" data-itemmargin=\"13\" data-itemwidth=\"180\" data-touchscroll=\"no\" data-imagesize=\"auto\"><div class=\"fusion-carousel-positioner\"><ul class=\"fusion-carousel-holder\"><\/ul><div class=\"fusion-carousel-nav\"><span class=\"fusion-nav-prev\"><\/span><span class=\"fusion-nav-next\"><\/span><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-text\"><p style=\"text-align: center;\">Fotos: \u00a9 privat<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div>\n\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesmal wurde ein CITY!\u00a0Redakteur auf die Reise nach Wien geschickt, um die in Kollerschlag geborene Sozialanthropologin Gertrude Saxinger zu interviewen. 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