{"id":681,"date":"2016-07-01T10:24:26","date_gmt":"2016-07-01T08:24:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.city-magazin.at\/test00\/?p=681"},"modified":"2018-09-03T21:25:44","modified_gmt":"2018-09-03T19:25:44","slug":"bueffeln-statt-beten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.city-magazin.at\/index.php\/bueffeln-statt-beten\/","title":{"rendered":"B\u00fcffeln statt Beten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\"  style='background-color: rgba(255,255,255,0);background-position: center center;background-repeat: no-repeat;padding-top:20px;padding-right:0px;padding-bottom:20px;padding-left:0px;'><div class=\"fusion-builder-row fusion-row \"><div  class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion_builder_column_1_1  fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last 1_1\"  style='margin-top:0px;margin-bottom:20px;'>\n\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-column-wrapper\" style=\"background-position:left top;background-repeat:no-repeat;-webkit-background-size:cover;-moz-background-size:cover;-o-background-size:cover;background-size:cover;\"  data-bg-url=\"\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h1><span style=\"color: #e20714;\">B\u00fcffeln<\/span> statt Beten<\/h1><\/h1><\/div><div class=\"fusion-title title fusion-sep-none fusion-title-size-one\" style=\"margin-top:0px;margin-bottom:31px;\"><h1 class=\"title-heading-left\"><h4>In Steyr existieren noch einige Zeugnisse der fr\u00fcheren j\u00fcdischen Kultusgemeinde.<\/h4><\/h1><\/div><div class=\"fusion-text\"><p>F\u00fcr ein Gotteshaus wirkt das Geb\u00e4ude Bahnhofstra\u00dfe 5 in Steyr zu allt\u00e4glich und n\u00fcchtern. Dennoch hat es einst eine Synagoge beherbergt. Sie ist das einzige Gebetshaus in ganz Ober\u00f6sterreich, das den Krieg \u00fcberstanden hat.<!--more--><\/p>\n<p>Eine Gedenktafel des Mauthausen Komitees unterstreicht ihre historische Bedeutung.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich haben sich auch die Taferlklassler im oberen Stockwerk nie gefragt, warum ihr Lerninstitut f\u00fcnf Fenster besitzt. Die Hairstylisten des Friseursalons unter ihnen werden keine Antwort liefern k\u00f6nnen, genauso wenig die Kunden der Bank, ebenfalls im Erdgeschoss. Die Glasscheiben sollen die f\u00fcnf B\u00fccher Mose, den ersten Teil des Alten Testaments, versinnbildlichen. \u00dcber der mittleren standen einst wie eine Art Krone auf dem Dach die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten. Sie wurden 1938, nach dem Anschluss \u00d6sterreichs, entfernt. Die Synagoge wurde damals \u201earisiert\u201c und die Israelitische Kultusgemeinde Steyr aufgel\u00f6st. Urspr\u00fcnglich stand dort ein Restaurant als Teil einer Brauerei. Die Steyrer Juden kauften 1894 das Geb\u00e4ude und bauten es in eine Synagoge um. Zu dieser Zeit zogen immer mehr Israeliten von B\u00f6hmen und M\u00e4hren nach Steyr. Dort gab es Industrieanlagen \u2013 also Arbeit. Um 1900 erreichten die\u00a0Juden dort ihre h\u00f6chste Populationsdichte \u2013 ungef\u00e4hr 200 Personen. Jahrhunderte zuvor gab es in Steyr allerdings auch schon Juden. Im 15. Jahrhundert wurden sie allerdings beschuldigt, Hostien gesch\u00e4ndet zu haben. Nach damaligen Vorstellungen enthielten diese tats\u00e4chlich den Leib Christi. Es kam zu Verfolgungen, Ermordungen und Vertreibungen. Etwa 500 Jahre lang durften sich keine Menschen mosaischen Glaubens ansiedeln, wobei es doch immer wieder zu Ausnahmen kam. Erst 1849 erlie\u00df Kaiser Franz Josef ein Patent, das jeder Person im Habsburger Reich gestattete, dort zu wohnen, wo sie wollte. Dessen Vollzug wurde dennoch von Lokalbeamten oft verhindert.<\/p>\n<p><b>Sp\u00e4rliche Besuche.<\/b> Die Steyrer Rabbiner, die im Synagogengeb\u00e4ude wohnten, waren nicht sehr zufrieden mit ihren Sch\u00e4fchen. Dabei handelte es sich meist um assimilierte Juden, die sich nicht an die Gebote der Religion hielten und nur sporadisch den Gottesdienst besuchten. Daf\u00fcr waren sie in Vereinen wie der Feuerwehr aktiv. Die Zahl der Gemeindemitglieder schwankte st\u00e4ndig und ist bis 1938 auf ungef\u00e4hr 70 gesunken. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man etwa 1.800 j\u00fcdische Fl\u00fcchtlinge in der Steyrer Kaserne unter- gebracht. Sie gr\u00fcndeten erneut eine Kultusgemeinde, die Gottesdienste in der alten Synagoge feierte. Die meisten zogen aber bald wieder fort, sodass sich die Gemeinde nach und nach aufl\u00f6ste.<\/p>\n<p><strong>Erinnerung begraben.<\/strong> Viele Mitglieder der fr\u00fcheren Kultusgemeinde rund um die Synagoge liegen auf dem j\u00fcdischen Friedhof auf dem Taborberg begraben. Es grenzt an ein Wunder, dass dieser noch besteht. Leider ist er nicht frei zug\u00e4nglich. Die Nazis hatten vor, ihn quasi legal von der Prager Kultusgemeinde (Nachfolgerin der aufgel\u00f6sten Organisation in \u00d6sterreich) zu kaufen und dann zu vernichten. Das Geld ist aber nie in den daf\u00fcr vorgesehenen Topf geflossen, weshalb die historische Begr\u00e4bnisst\u00e4tte die Zeiten \u00fcberdauert hat. Erst 1873 wurde der Friedhof angelegt, weil Juden jahrhundertelang keine Grundst\u00fccke erwerben durften. Vor dieser Zeit mussten sie ihre Toten in S\u00fcdb\u00f6hmen bestatten. 1849 schrieb ein Pfarrer an die Bezirkshauptmannschaft: \u201eDie S\u00e4rge m\u00fcssen wohl verpicht (mit Pech versiegelt) sein, damit die Gesundheit der Bewohner jener Ortschaften, wo die Leichen durchgef\u00fchrt werden, nicht durch sch\u00e4dliche Ausd\u00fcnstungen gef\u00e4hrdet wird.\u201c<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div>\n\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr ein Gotteshaus wirkt das Geb\u00e4ude Bahnhofstra\u00dfe 5 in Steyr zu allt\u00e4glich und n\u00fcchtern. Dennoch hat es einst eine Synagoge beherbergt. 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