So wird man ein Nikolaus
In einer Schule lernen künftige Darsteller die Rolle des gütigen Kinderpatrons.
Die Nikolausschule der Katholischen Jungschar bereitet frischgebackene Nikoläuse auf die aktuell stattfindenden Hausbesuche vor.
Die Darsteller des beliebten Kirchenfürsten sollen nämlich nicht nur in sein Gewand schlüpfen, sondern auch lernen, wie man Kindern mit Migrationshintergrund Feingefühl und Verständnis entgegenbringen kann. Versteckt sich zum Beispiel ein scheuer Knirps hinter der Mutter, knien sie sich vor ihm hin, entfernen Bart und Bischofsmütze und unterhalten sich mit ihm sozusagen auf Augenhöhe.
Lieder und Legenden. Ein typischer Hausbesuch dauert ungefähr 20 Minuten. Der Nikolaus singt ein Lied oder erzählt eine Legende.
Manchmal rezitieren die Kinder dann auch Gedichte. Die Bedürfnisse der Kleinen stehen dabei naturgemäß im Vordergrund. Und auch die von den Eltern vorbereiteten Geschenke werden ausgeteilt. Vor dem 16. Jahrhundert war übrigens nicht Weihnachten, sondern das Nikolausfest selbst der wichtigste Tag der Bescherung. Heute überreicht der Nikolo meist aber nur kleine Gaben. Darsteller David Hinterberger etwa hat aber im Gepäck sogar eigene Mitbringsel mit für Mama und Papa. Ihm ist nämlich daran gelegen, auch ihre Bemühungen um den eigenen Nachwuchs etwas zu würdigen. Anders als früher üblich, vermeidet es Hinterberger auch, die Kinder zu tadeln. Er steht beim Zusammentreffen somit nicht nur an sondern auch auf ihrer Seite. Die Kinder sollen so ein möglichst angenehmes Zusammentreffen erleben, das ihnen lange in Erinnerung bleibt.
Eintausend Heilige. Die Nikolaus-Schule der Katholischen Jungschar hat im Vorjahr übrigens bereits ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Über 1.000 Männer und Frauen haben sie seit ihrer Gründung absolviert, wobei manche sogar bis heute (immer wieder) als Nikolaus tätig sind. Die aktuell rund 20 Teilnehmer holen sich dort Anregungen für ihre Auftritte bei Familien und tauschen natürlich auch Erfahrungen untereinander aus. Etwa drei Stunden dauern die stets im November stattfindenden Schulungen. Der Besuch ist kostenlos, für Erfrischungen ist nur ein kleiner Beitrag zu entrichten.
Trost für Notleidende. Am 5. und 6. Dezember treten die Nikoläuse dann schließlich in Aktion und besuchen ab 16 Uhr die Familien, die sich im Vorfeld bei ihren Pfarrgemeinden angemeldet haben. Auch am Domplatz erscheinen die Kostümierten. Einer davon, Tobias Renoldner, taucht sogar regelmäßig in der Intensivstation für Frühgeburten eines Spitals auf. Dort hat er schon herzzerreißende Situationen erlebt. Einmal ließ er sich zusammen mit einem Neugeborenen ablichten, dessen Zwillingsbruder kurz vorher verstorben war. Die Mutter war von dieser Begegnung tief berührt und gewann Mut und Zuversicht für das Überleben des noch verbliebenen Kindes. „Der Heilige hat das Böse gebannt. Das Schlimmste sei jetzt vorbei”, meinte sie.
Der gütige Bischof. Viele Legenden ranken sich um den Heiligen Nikolaus. Sie gehen auf eine historische Persönlichkeit zurück, die im 4. Jahrhundert gelebt hat. Nikolaus, so heißt es, ist immer für die Menschen da, die ihn brauchen. Die heutigen Heiligendarsteller lassen sich auf ihren Wegen durch Stadt und Land noch immer von seiner Güte inspirieren.
Einmal Nikolaus sein…
Katholische Jungschar hilft dabei
Nach DEM NIKOLAUS… ist vor dem Nikolaus! Wer die „Nikolaus-Schule“ im nächsten Jahr besuchen möchte, sollte sich frühzeitig bei Jana Hofer von der Katholischen Jungschar melden. Sie koordiniert Teilnehmer und Termine.
Weitere Infos via Mail: oder Auskünfte jederzeit auch telefonisch: 0676/8776-3346
Fotos: © Diözese Linz, Sokoloff


