Ein Leben als Komposition 

Werke des Linzers Helmut Rogl werden von renommierten Orchestern aufgeführt.

Prof. Helmut Rogl (66) ist Komponist und Pianist und war bis 2022 über viele Jahre hinweg Marketingleiter der Oberösterreichischen Versicherung. Seine Kompositionen begeisterten u.a. im Wiener Konzerthaus, im Brucknerhaus Linz sowie international in Washington, Rom, Mailand und London.

Im Gespräch blickt er auf eine musikbewegte Vergangenheit zurück und erzählt mir, wie Kompositionen entstehen, warum Musik für ihn immer Leidenschaft blieb und weshalb Kunst für die Gesellschaft so wichtig ist.

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Musik eine wichtige Rolle spielte. Schon früh bekam ich Klavierunterricht und begann bald, nicht nur Musik zu spielen, sondern auch selbst zu erfinden und zu gestalten. Später führte mich mein Weg ans Brucknerkonservatorium und an das Mozarteum, wobei ich parallel auch Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität studierte.

Wer hat Dich damals am Linzer Brucknerkonservatorium besonders geprägt?

Ein wichtiger Lehrer war Helmut Schiff, der Vater des berühmten Cellisten Heinrich Schiff. Bei ihm begann meine methodische Arbeit am Komponieren.

Wie entstehen Deine Kompositionen?

Oft beginnt alles mit einem Samen. Eine Idee kann beim Spazierengehen entstehen oder ganz plötzlich auftauchen. Solche Einfälle arbeiten dann im Hintergrund weiter. Irgendwann beginnt die eigentliche Arbeit – ähnlich wie ein Gärtner, der einen Samen wachsen lässt.

Wo wurden Deine Werke mittlerweile aufgeführt?

Viele Aufführungen gab es hier im Linzer Raum, etwa am Konservatorium oder in der Ursulinenkirche. Auch im Wiener Konzerthaus wurden Werke von mir gespielt, später etwa in Laxenburg oder Gmunden. Im Ausland gab es ebenfalls Aufführungen, u.a. in Litauen, Deutschland, England, Italien und Neuseeland.

Warum hast Du Dich trotz musikalischer Erfolge beruflich auch für die Wirtschaft entschieden?

Musik war für mich immer Leidenschaft, aber ich habe darin nicht unbedingt meinen alleinigen Beruf gesehen. Viele Komponisten müssen nebenbei etwas anderes machen, oft unterrichten sie. Das war für mich nicht der Weg. Ein Beruf in der Wirtschaft war eine solide Basis und hat für mich auch Sinn gestiftet.

Wie wünschst Du Dir, dass man Deine Musik erlebt?

Musik kann viele Facetten haben, aber sie sollte so verständlich sein, dass sie das Herz der Menschen öffnet. Sie sollte nicht zu kompliziert oder unzugänglich sein.

Deine 3. Sinfonie hat viel Aufmerksamkeit bekommen. Worum geht es dabei?

„Dona nobis pacem“ – so lautet der Untertitel der dritten Symphonie, also „Gib uns Deinen Frieden“. Der Untertitel der Sinfonie beschäftigt sich mit dem Wunsch nach Frieden. Leider gibt es ihn in der Welt noch immer nicht. Die Sinfonie beleuchtet verschiedene Facetten dieses Friedenswunsches.

Wie lange arbeitest Du an einer solchen Komposition?

An der 3. Sinfonie habe ich insgesamt etwa zwei Jahre gearbeitet. Natürlich nicht durchgehend – zwischendurch entstehen auch andere Stücke. Aber von den ersten Ideen bis zur fertigen Partitur hat es ungefähr diese Zeit gedauert. Das Werk ist ja für ein großes Orchester geschrieben – etwa 90 Musiker können es spielen. Die Dauer beträgt rund eine halbe Stunde.

Wie fühlt es sich an, wenn ein Werk zum ersten Mal aufgeführt wird?

Das ist immer ein sehr aufregender Moment. Besonders bei einem großen Orchester. Komponist und Musiker sind gleichermaßen gespannt. Wenn Musiker ein Werk interpretieren, bringen sie auch ihre Persönlichkeit ein – und dadurch entsteht jedes Mal etwas Neues.

Wie eng arbeitest Du eigentlich mit dem Dirigenten zusammen?

Bei einer Uraufführung spricht man sich natürlich ab. Die Dirigentin Maria Benyumova des Bruckner Orchesters etwa ist da sehr offen für den Dialog. Bei Werken verstorbener Komponisten muss man sich dann aber naturgemäß ausschließlich auf die Noten verlassen.

Du warst lange Marketingleiter der Oberösterreichischen Versicherung. Wie harmoniert das mit dem Komponieren?

Es sind zwei sehr unterschiedliche Welten. Als Komponist arbeitet man oft allein und sehr konzentriert. Im Marketing hingegen zählt das Team und man ist im Dialog mit vielen Menschen. Für mich war das aber ein guter Ausgleich. Trotzdem gibt es auch interessante Parallelen: Denn auch das Marketing hat einen kreativen Anteil. Man versucht, Menschen zu erreichen und mitzunehmen – ähnlich wie in der Musik. Man muss etwas schaffen, das die Menschen anspricht.

Wie viele Werke hast Du geschaffen?

Ich bin inzwischen bei Opus 76 angekommen. Das reicht von Klavierstücken über Kammermusik bis zu Opern- und Orchesterwerken.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für die Musik?

Ich probiere mitunter aus, was KI kann. Im Moment eher aus Neugier. In der sogenannten Gebrauchsmusik – etwa für Hintergrundmusik oder Imagefilme – könnte sie eine größere Rolle spielen. In der klassischen Musik sehe ich das menschliche Element weiterhin als zentral.

Wo komponierst Du am liebsten?

Meist in meinem Arbeitszimmer. Manchmal schreibe ich auch unterwegs, etwa im Zug. Wichtig ist nur, dass man eine Idee sofort festhalten kann.

Was liegt Dir persönlich am Herzen?

Mir ist wichtig, dass Kunst in unserer Gesellschaft geschätzt wird. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Musik und Kultur verbinden uns mit etwas Größerem und machen uns zu dem, was wir als Menschen sind. Die Stimmen, dass Kunst eine Art Luxus wäre, den wir uns nicht länger leisten könnten, mehren sich leider. Abgesehen davon sind wir immer noch ein reiches Land und können hier als zivilisatorisches Vorbild dienen.

Woran arbeitest Du derzeit?

Am 12. Juni wird anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der JKU ein neues Stück von mir aufgeführt. Es wird auch beim Uni-Ball und beim Sommerkonzert des Universitätsorchesters gespielt.

Rogls 3. Sinfonie gehört gehört

Friedensappell ist auf Ö1 erlebbar

inspirationsquelle. „Dona nobis pacem“ ist ein Wunsch, der gerade heute auch jenseits von Religiosität wie ein eindringlicher Ruf klingt: Unsere Welt braucht Frieden – und Musik kann Menschen dazu inspirieren. Man kann dieses Werk von Helmut Rogl auch online in der Radiothek von Ö1 nachhören. Darüber hinaus sind seine Kompositionen auch über Streamingdienste abrufbar, und Infos rund um seine aktuellen Projekte und CDs gibt es unter: www.helmutrogl.at

Fotos: © T. Duschlbauer

2026-03-23T21:08:23+01:00