• JETZT ZUM 75er mit Törtchen. Siegfried Haudum – der Bart ist ab – mit Walter Witzany im Cafe Traxlmayr.

Mut zum Neuanfang 

HiFi-TV-Video-Pionier Siegfried Haudum über Aufstieg und Umbruch in neue Zeiten.

Diesmal ist bei mir ein ehemaliger Unternehmer zu Gast, der über Jahrzehnte hinweg das Geschehen der Unterhaltungselektronik in Oberösterreich geprägt hat: Siegfried Haudum.

Der gebürtige Linzer, der heute in St. Florian lebt,  feierte erst kürzlich seinen 75er und blickt mit mir auf eine turbulente Entwicklung der Elektrobranche zurück.

Du bist ja vielen noch als echter Pionier der Unterhaltungselektronik bekannt. Wie hat alles begonnen?

Meine Frau Lydia und ich haben 1977 in der Haunspergerstraße im Keferfeld gestartet – mit einer Werkstatt für Fernsehreparaturen. Ich war damals noch parallel Vertreter bei Hitachi. Wir haben also klein angefangen, dann Wohnungen in dem Haus zugemietet und Garagen als Lager verwendet. Schritt für Schritt ist ein Handelsunternehmen mit elf Filialen daraus geworden, u.a. in Wels, Kirchdorf, Attnang, Traun und in der Plus City. Unsere Zentralwerkstätte war später in Linz am Grundbachweg. In der besten Zeit hatten wir 90 Mitarbeiter.

Was waren für Dich als Technik-Freak so die Highlights der damaligen Zeit?

Wir waren der erste Betrieb in Oberösterreich, der alle Filialen über Standleitungen vernetzt hatte. Das hat früher eine Stange Geld gekostet. Unsere EDV-Anlage von Siemens Nixdorf bestand aus zwei Einheiten so groß wie Kühlschränke, ein Modem kostete unglaubliche 36.000 Schilling. Aber wir wollten vorne dabei sein. Wir haben auch als Erste beim ORF Oberösterreich einen CD-Player präsentiert – Anfang der 80er-Jahre, Preis: 29.990 Schilling. TV-Moderator Hans Peter Heinzl war Stargast. Und schließlich organisierten wir sogar Hifi-Messen, zuerst im Volkshaus Bindermichl, später mit anderen Firmen im Brucknerhaus, woran Du Dich sicher erinnerst, lieber Walter, weil Du diese Veranstaltungen damals moderiert hast. Auch beim Video als neuem Medium waren wir dabei und haben sogar die erste Videothek in Linz eröffnet.

Irgendwann wurde die Nahversorger-Rolle in der Hifi-Branche schwierig…

Das Jahr 1993 war die erste Zäsur. Neue Elektromärkte wie MediaMarkt kamen ins Land, massiv unterstützt von Großkonzernen im Hintergrund. Gleichzeitig haben wir die Firma Stöger in Attnang übernommen – vier Filialen, auch mit Fremdkapital. Bis dahin hatten wir ja alles Wachstum stets nur aus dem Cashflow finanziert. Im Nachhinein war diese letzte Übernahme – gemeinsam mit dem neuen Wettbewerbsdruck – der Wendepunkt. Es wurde schwierig. Auch personell ist viel von unserem Know-how an die Ketten abgewandert. Wir mussten schließlich in den Zwangsausgleich gehen. Ende 2001 haben wir das Unternehmen dann positiv liquidiert. Wir haben kein Schlachtfeld hinterlassen, ganz im Gegenteil. Meine Tochter Angela und mein Schwiegersohn hätten sogar den Betrieb noch übernehmen können, aber ich habe ihnen davon abgeraten.

Du bist jetzt 75, wirkst zufrieden…

Schau, ich bin 1951 geboren und somit in der Wirtschaftswunder-Nachkriegszeit aufgewachsen. Meine Kindheit war unbeschwert – selbst wenn es naturgemäß Entbehrungen gab, wir empfanden es damals nicht so. Wir waren als Kinder den ganzen Tag im Freien, spielten bei den Schrebergärten am Bindermichl, lebten und lachten einfach. Heute blicke ich mit Sorge auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung. Meine Enkel und Urenkel wachsen in einer viel komplexeren Welt auf. Das schmerzt mich oft.

Hast du eigentlich heute noch Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern? 

Der Satz „Beim Haudum habe ich gelernt“ war ein echtes Qualitätsmerkmal. Viele Mitarbeiter waren Jahrzehnte bei uns. Und ja, manche treffe ich auch noch heute, was mich immer sehr freut.

Als die Firma Haudum 2001 für immer geschlossen hat, warst Du erst knapp über 50. Wie ging es weiter?

Gut. Ich habe nach einer kurzen Auszeit als Coach beim FAB des BFI in Wels zu arbeiten begonnen und dort Langzeitarbeitslose zurück ins Berufsleben begleitet. Eine wunderschöne Aufgabe. Noch heute denke ich gerührt an besondere Dankesbriefe. Einer lautete: „Lieber Siegi, ich habe schon lange nicht mehr so sorgenfreie Weihnachten gefeiert. Danke, dass Du da gewesen bist für mich.“ Da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Ein toller Erfolg, der mir heute noch mehr bedeutet als jede Top-Bilanz zuvor.

Und Lydia ist die Frau Deines Lebens. Privat wie beruflich…

Ja, absolut. Ohne sie hätte ich all das nie schaffen können. Sie führte die Buchhaltung, kümmerte sich um die beiden Töchter, organisierte unseren privaten Hausbau in St. Florian– ihr gehört meine Liebe und meine Wertschätzung. Seit nunmehr fast 60 Jahren, obwohl uns als ganz junges Paar (17 & 18) der Standesbeamte eine kurze Ehe prophezeite. Wir sind aber nicht aus Trotz so lange zusammen geblieben (zwinkert). Mir bedeutet Familie alles – wenn etwas ist, bin ich da. Selbst, wenn wir mit dem Wohnmobil in Griechenland unterwegs wären – wir würden umdrehen. Und wenn etwas kaputt geht, heißt es: Der Opa richtet das. Unlängst etwa habe ich meiner Enkeltochter beim Notebook geholfen. Technik begeistert mich immer noch (lacht).

Und dann gibt es – neben Deiner Frau, 2 Töchtern, 4 Enkerl und 4 Urenkerl, bald 5 – noch eine Leidenschaft …

Richtig. Das Reisen und eben unser Wohnmobil. Früher sind wir ja viel geflogen – etwa nach Amerika oder Fernost. Oft wurden wir für Top-Umsätze auch von der Industrie in die Konzernzentralen eingeladen. Irgendwann wollten wir aber nicht mehr fliegen. Und nach einem Wohnmobil-Urlaub in den USA  war klar: So reisen wir weiter. Heute sind wir autark unterwegs. Ich habe sogar den C-Führerschein gemacht, weil das Fahrzeug größer ist. E-Bikes sind integriert, technisch habe ich vieles selbst nachgerüstet. Ich bin fast jede freie Minute mit Verbesserungen beschäftigt. Im Frühjahr zieht es uns auf die iberische Halbinsel, im Herbst für zwei Monate nach Griechenland. Und irgendwann bleiben wir ja vielleicht dort (zwinkert).

DANKE, lieber Siegi, und alles Gute!

HINTERGRUNG

Ein Mensch mit sozialer Ader

Schon als Chef war Siegi hilfsbereit

IMMER NAH DRAN. Siegfried Haudum war nicht nur ein beliebter Arbeitgeber, sondern hat – egal ob als Coach für Langzeitarbeitslose oder Firmenchef – stets auch soziales Engagement gezeigt und dabei sogar mit Promis zusammengearbeitet. Legendär sind beispielsweise die Treffen mit dem Schauspieler Karl-Heinz Böhm oder dem Rallye-Fahrer Franz Wittmann.

Fotos: © privat, T.Duschlbauer

2026-02-23T20:44:22+01:00