Vom Denken ZUM BEGREIFEN.

Im Science Center Welios widmet sich eine Ausstellung unserem Superhirn.

Spielerisch lernen wir in dieser Schau, uns selbst besser kennen. Unser Bewusstsein kommt ja   nur durch „Zwiegespräche“ zwischen Teilen des Gehirns zustande. CITY!-Redakteur  Stephen Sokoloff: „Meine Hirnpartien haben sich darauf geeinigt, dass ich eine Person bin, die ‚Stephen’ heißt, und einen Bericht über diese Ausstellung schreiben soll. Wie sie das beschließen, damit beschäftigt sich noch die Hirnforschung.“ Und so erfahren wir in dieser Sonderausstellung in Wels, die bis August 2020 läuft, bereits einiges über das, was uns als Persönlichkeit ausmacht.

Erstaunliches. So lernen wir, dass unser Gehirn 100 Milliarden Nervenzellen enthält. Ihre Gesamtlänge beträgt 5,8 Millionen Kilometer – das sind immerhin 145 Umrundungen der Erde! Eine davon kann 500 Impulse pro Sekunde übermitteln und ist mit bis zu 300.000 weiteren Neuronen verbunden. Obwohl es ein Irrtum ist, dass wir nur zehn Prozent unseres Gehirns wirklich benutzen, verfügt der Kopfcomputer über wahrhaft erstaunliche Fähigkeiten. So war ein Chinese in der Lage, 15.000 Telefonnummern wiederzugeben.
Hirnarbeit beobachten. Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz-Tomografie sehen Forscher dem Hirn bei der Arbeit zu. Tritt dabei ein bestimmter Bereich in Aktion, leuchtet er am Monitor auf. So haben Wissenschaftler herausgefunden, welche Areale verschiedene Sinneseindrücke verarbeiten. In der Schau zieht ein Gehirnmodell unsere Aufmerksamkeit auf sich. Es ist mit sieben Monitoren versehen. Nähern wir uns jenem mit dem Bild eines Auges, leuchtet die Hirnpartie auf, die zuerst für das Sehen zuständig ist.
Mythos Multitasking. Viele Menschen glauben, gleichzeitig zwei oder mehrere komplexe Aufgaben mühelos lösen zu können. Im Welios erfahren wir, dass Multitasker ihre Aufmerksamkeit ständig wechselnd verschiedenen Aufgaben widmen. Das führt unweigerlich zu einer stark verminderten Leistung. In einer Studie mit einem Fahrsimulator ließen Forscher Testpersonen gleichzeitig telefonieren und bremsen. Sieben Prozent von ihnen überfuhren eine rote Ampel.
Mitgefühl. In einem weiteren Exponat zeigt uns ein Video lachende Menschen. Ohne zu wissen, warum, schmunzeln wir mit ihnen gemeinsam. Genauso ansteckend ist das Gähnen im zweiten Teil des Kurzfilms. Sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn veranlassen uns, die Gemütsregungen anderer Menschen nachzuempfinden. So erleben wir die Freuden und Nöte dieser Personen mit und können solidarisch handeln. Das ist eine Besonderheit unserer Spezies und ein Grund, warum der Homo sapiens so erfolgreich ist.
Groteske Figur. Irgendwie ähnelt die „Homunculus“-Plastik in der Ausstellung einem normalen Erdenbürger, aber sie verfügt über riesige Ohren, Lippen und Hände. Diese Bereiche des Körpers sind besonders dicht mit Reiz-
empfängern für Berührung ausgestattet. Wenn wir mit zwei Nadeln in geringem Abstand voneinander eine Lippe berühren, nehmen wir zwei Punkte wahr. Wird aber damit die Haut des Rückens berührt, empfinden wir nur eine einzige Kontaktstelle.

Hintergrund

Das Welios ist Österreichs einziges Science Center auf 3.000 m². Neben einer Dauerausstellung finden auch regelmäßig Sonderausstellungen zu naturwissenschaftlichen Themen und Wissensvermittlung statt. Beliebt ist mit seinen optischen Täuschungen außerdem der „Raum der Illusionen”. Ein „Mitmach-Museum” also für Groß und Klein. Nähere Infos unter www.welios.at

Fotos: © Audioversum Simon Rainer, Sokoloff

2019-10-28T21:00:18+01:00