NIE überheblich werden

FP-Bgm. Andreas Rabl regiert die Messestadt mit Demut und ruhiger Hand

Im Interview zieht der Jurist und Welser Bürgermeister Bilanz, spricht über seine Erwartungen bei der Nationalratswahl und gibt sich auch im WordRap lockerer denn je.

CITY!: Herr Bürgermeister, wo haben Sie heuer geurlaubt?

Rabl: Der Urlaub hat mich nach Kroatien geführt – diesmal waren neben meiner Frau und den Kindern auch meine Geschwister, deren Kinder und meine Eltern dabei. Zusammen waren wir 30 Personen, davon 16 Kinder. Da war ordentlich was los.

Ein besonderes Highlight?

Das gemeinsame Tarockspiel am Abend mit mehreren Runden. Von den Kleinen bis zu den Senioren hat jeder mitgespielt.

Wie sehr hat sich Wels seit Ihrem Amtsantritt verändert?

Bemerkbar ist eine Aufbruchstimmung in der Stadt. Wir haben es geschafft, dass die Welser wieder optimistischer sind. Die Leute spüren und sehen, dass sich etwas verändert. In der Innenstadt sind die Geschäfte wieder voller, viele Plätze werden saniert und in den Stadtteilen haben wir Parkanlagen reaktiviert.  Besonderen Wert haben wir auf das Thema Sicherheit gelegt. So übersiedelt etwa die Polizeiinspektion auf den Kaiser Josef Platz in größere Räumlichkeiten, weshalb  die Polizeistellen aufgestockt werden können. Auch das neue Amtsgebäude entsteht am Kaiser Josef Platz. Alles zusammen hat das Stimmungsbild in unserer Stadt positiv verändert.

Trend E-Mobilität: Welche Erfordernisse kommen da auf die Messestadt zu?

Wir haben, was die E-Mobilität betrifft, jetzt schon ein breites Angebot. Das beginnt beispielsweise beim Carsharing, das es in Wels in Partnerschaft mit dem E-Werk Wels gibt.  Es können E-Scooter ausgeborgt werden und es gibt für alle E-Autos zahlreiche Ladestadtionen über die ganze Stadt verteilt. Wir waren in diesem Bereich schon immer innovativ, weil eben die Elektrizitätswerke der Stadt hier eine Vorreiterrolle für diese grüne Mobilität übernehmen wollten. Ich halte E-Mobilität auch gerade für den Radverkehr für die perfekte Zukunftslösung. Deshalb versuchen wir Wels als Radstadt zu positionieren – und das nicht nur im Rennrad-Bereich. Auch die Freizeit-Pedalritter sind uns sehr willkommen. Wels hat bekanntlich eine sehr flache Topographie, weshalb wirklich so gut wie jeder ohne größere Anstrengung sein Ziel erreicht. In den Ausbau der Radwege und auch Radautobahnen investieren wir deshalb sehr viel.

E-Scooter Anbieter bereiten nicht aller Bürgern Freude. Besteht da Handlungsbedarf?

Die E-Scooter sind hier in Wels noch nicht in einer übermäßigen Anzahl vorhanden. Deshalb ist auch nicht alles mit E-Scootern zugeparkt. Aber ja, es hat verschiedene Anlaufschwierigkeiten gegeben, die wir mittlerweile gemeinsam mit dem Betreiber  beseitigen konnten. Alles darüber hinaus ist Angelegenheit der Betreiber und der jeweiligen Vertragspartner. Diese klassischen Ärgernisse, wie etwa zu schnelles Fahren am Gehsteig oder in den Fußgängerzonen, haben wir nicht, weil wir da gleich von Anfang an Grenzen aufgezeigt haben.

Das Konzert „We love the 90ths“ zog rund 14.000 Besucher an. Einige beschwerten sich über zu wenige WCs. Am 7.9. kommen die „Böhsen Onkelz“ auf die Trabrennbahn. Kann die Stadt dem Veranstalter mehr Vorgaben machen?

Das Konzert „We love the 90s“ war sicher ein Erfolgskonzert, was die musikalische Darbietung betrifft. Die Stimmung war unglaublich toll – ich war auch selber dort. Aber natürlich gibt es organisatorisch sicher noch Verbesserungsmöglichkeiten und über die haben wir uns auch mit dem privaten Veranstalter unterhalten. Insbesondere natürlich auch deshalb, weil beim „Böhse Onkelz“ Konzert noch viel mehr Zuschauer zu erwarten sind und die gleichen Fehler kein zweites Mal passieren sollten. Aber ich glaube, dass der Konzertveranstalter selbst höchstes Interesse daran hat, dass die Veranstaltung reibungslos abläuft. Wir als Stadt sind jedenfalls – gemeinsam mit Rettung, Polizei und Feuerwehr – für unseren Verantwortungsbereich gut gerüstet.

Ist die Messestadt künftig auch vermehrt Konzertstadt?

Wels war in den 90-igern schon eine Konzertstadt mit vielen und sehr großen Konzerten, sowohl in den Messehallen als auch unter freiem Himmel.  An diese Tradition wollen  wir wieder anknüpfen. Denn jedes Konzert sorgt dafür, dass zuvor auch viele Besucher in die City strömen, was wiederum die Innenstadtbetriebe naturgemäß freut.

Was wollen Sie bis zum Ende der Regierungsperiode 2021 noch verändern?

Ein Schwerpunkt ist nach wie vor die Kinderbetreuung. Wir haben immer noch nicht die 100 % Betreuungsplatzquote für Kindergarten- und Krabbelstubenkinder erreicht. Laut Arbeiterkammerstudie sind wir zwar schon jetzt sehr gut aufgestellt, trotzdem möchte ich den Ausbau weiter vorantreiben. Ich möchte es allen Frauen ermöglichen wieder in ihren Beruf zurück zu kehren, ohne sich Gedanken über die Betreuung ihrer Kinder machen zu müssen.

Sie sind ja selbst auch noch ein Vater mit relativ kleinen Kindern. Hat dieses Vorhaben auch mit eigenen Erfahrungen zu tun?

Ja, das stimmt wohl. Meine zweijährige Tochter steht zwar gerade erst am Anfang dieser „Kinderbetreuungskarriere“, aber man sieht bereits jetzt, welch organisatorischer Aufwand erforderlich ist, wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten. Da muss man mitunter schon sehr kreativ sein! Wenn meine Frau dienstlich verhindert ist, hole ich meine Tochter vom Kindergarten ab, das alleine schon ist mitunter oft eine Herausforderung.

Weitere Schwerpunkte?

Der zweite große Schwerpunkt ist sicher das Thema Sicherheit. In Kürze eröffnet die Polizeischule  und die  Polizeiinspektion „Innere Stadt“ übersiedelt auf den Kaiser Josef Platz.    Das bringt uns auch zusätzlich sechs Polizisten. Trotzdem gibt es noch Handlungsbedarf, vor allem im Bereich der Drogenkriminalität und der Raserei. Der dritte wichtige Aspekt ist– gerade in den Hitzemonaten leichter verständlich – die Umsetzung eines Masterplans in Hinblick auf die Grün- und Parkanlagen. So wollen wir nicht nur 1.000 neue Bäume pflanzen, sondern auch Grünanlagen vermehrt reaktivieren, um so wahre Abkühloasen  zu schaffen. Das soll auch bei der Neugestaltung des Kaiser-Josef-Platzes berücksichtigt werden. Für die Zeit danach wollen wir uns der Welser Messe widmen und das Thema Integration weiter vorantreiben. Hier geht es in erster Linie darum Sprachdefizite zu vermindern, also die Deutschkenntnisse bei Menschen mit Migrationshintergrund deutlich zu verbessern.

Sie planen also schon eher langfristig?

Ich werde mich jedenfalls 2021 wieder als Bürgermeister bewerben und hoffe auf das Vertrauen der Bürger. Ich weiß aber auch, dass es gerade in der Politik keine „gmahte Wiesn“ gibt, man immer am Boden bleiben muss und sich jede Art von Abgehobenheit oder gar Überheblichkeit sparen kann. Entscheiden wird der Wähler – und der hat bekanntlich immer recht. Ich kann nur mein Bestes geben. Aber eines ist gewiss: Ich bin mit vollem Einsatz, vollem Herzen und voller Begeisterung Bürgermeister dieser schönen Stadt. Und das würde ich auch gerne bleiben.

Am 29.9. findet die NR-Wahl statt. Welche Erwartungen haben Sie nach „Ibiza Gate“?

Das Ibiza-Video war ein Skandal, der zwei Parteifunktionäre betroffen hat. Diese haben einen schweren Fehler gemacht und daraus die Konsequenzen gezogen. Die FPÖ ist davon aber nicht betroffen und hat in der Regierung eine herausragende Arbeit geleistet. Darum sollte diese Koalition, meines Erachtens nach, auch fortgesetzt werden. Ich hoffe deshalb, dass wir von den Wählern einen deutlichen Auftrag dazu bekommen. Die Alternative würde wohl eine Schwarz-Grüne Koalition mit offenen Grenzen bedeuten. Das wäre für Land und Leute fatal.

Umfragen sagen ein Kopf an Kopf Rennen zwischen SPÖ und FPÖ um Platz 2 voraus. Ist das möglich?

Möglich ist bei Wahlen alles.

Die FPÖ kann nach der Wahl wieder koalieren oder sich zunächst einmal in der Opposition konsolidieren …

Ich bin klar dafür, dass wir in eine Koalition gehen: Also regieren! Sinn der Politik ist  es, die eigenen Vorstellungen umzusetzen. Das kann man naturgemäß am besten in einer Regierung. Türkis-Blau hat grundsätzlich gut funktioniert. Aber – um ein bisschen frech zu sein – Blau-Türkis wäre mir natürlich noch ein bisschen lieber (lacht augenzwinkernd). Übrigens, die denkbar schlimmste Koalitionsvariante wäre für mich Rot-Grün, weil diese selbstverständlich auch eine völlig andere Integrationspolitik zur Folge haben würde.

Stichwort Koalitionsbedingung – „Herbert Kickl Innenminister“?

Herbert Kickl war ein hervorragender Innenminister, der für eine strikte Integrations- und Sicherheitspolitik gestanden ist und dafür auch von der ÖVP sehr oft gelobt wurde. Umso weniger habe ich verstanden, warum gerade er entlassen wurde bzw. man deshalb eine Koalition platzen hat lassen. Er ließ sich nichts zu Schulden kommen. Und nachdem er den Job schon einmal gut gemacht hat und ein Garant für einen konsequenten Integrationskurs ist, gibt es meines Erachtens keinen Grund, ihm dieses Amt grundsätzlich zu verwehren – zumal er ja auch schon eingearbeitet ist.

Als Bedingung habe ich das jetzt aber nicht verstanden?

Ich halte nichts davon, in Verhandlungen zu treten und gleich Bedingungen zu formulieren. Verhandeln bedeutet natürlich Kompromissbereitschaft und ab und an auch ein wechselseitiges Abgehen von Positionen. Aber eines ist fix: Wir stehen für einen strikte Sicherheits- und Asylpolitik, und die können wir nur umsetzten, wenn wir auch das Innenministerium führen. Genauso wie die ÖVP vielleicht für eine besondere Wirtschaftspolitik eintritt und deswegen wohl auch das Wirtschaftsministerium wieder gerne besetzen würde.

Warum sollte man auf sein Stimmrecht keinesfalls verzichten?

Das Nichtwählen stärkt ja immer die Parteien, die ihre Wähler am besten mobilisieren können. Wenn man also seine Stimme nicht abgibt, bedeutet das in Wirklichkeit, jemanden anderen zu stärken, den man vielleicht gar nicht stärken möchte. Deshalb halte ich schon sehr viel davon, dass jeder seine Stimme abgibt, weil dann auch Entscheidungen mehr demokratische Legitimation haben. Umso mehr Bürger dahinter stehen, dass eine Partei die Kanzlerschaft übernimmt, in eine Koalition oder natürlich auch in Opposition geht, desto mehr Legitimation hat diese Entscheidung, auch bei der Gesamtbevölkerung. Darum befürworte ich immer eine hohe Wahlbeteiligung. Dass man so gut wie nie die 100 Prozent schaffen wird, liegt in der Natur der Sache – aber gerade in einer Zeit, in der man sich Wahlkarten ausstellen lassen kann und man hier auch maximale Flexibilität hat, gibt es kaum mehr einen Grund, nicht zur Wahl zu gehen.

Andreas Rabl

PERSONALAKTE
Geboren: Wels, 24.10.1972
Sternzeichen: Skorpion
Liebesstatus: glücklich verheiratet, 2 Kinder

Dieser Sommer war … heiß und schön
Ibiza ist … eine Ferieninsel
Kickl oder Hofer … ist wie Schneeweißchen und Rosenrot, die gehören zusammen
Wels bedeutet für mich … Heimat
Wenn ich heute 10 Millionen gewonnen hätte, dann würde ich morgen … Bürgermeister bleiben
Meine Stärke … ist Zielstrebigkeit
Meine Schwäche … ist die Ungeduld
Manchmal ärgere ich mich … darüber, dass die Dinge zu langsam gehen
Darüber ärgere ich mich schon lange nicht mehr … dass meine Frau zu spät kommt
Wenn ich ins Hotel einchecke, schreibe ich in das Feld „Beruf“… Bürgermeister
Den 47. Geburtstag am 24. Oktober … verbringe ich mit meiner Familie
Twinni: Grün oder Orange … immer schon Grün
Meine letzten Worte sollen sein … schön war‘s!

Fotos: © Manfred Binder

2019-09-03T09:15:31+02:00