Wenn alles Sinn macht.

WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer bereut den Weg zurück in die Wirtschaft nicht.

Sie ist die erste Frau an der Spitze der Wirtschaftskammer OÖ: Doris Hummer (45), Unternehmerin aus Leidenschaft. Im CITY!-Interview spricht die Ex-OÖVP-Landesrätin über die Kammerreform und meint, dass im Leben nichts umsonst ist.

Was macht Unternehmer aus? 

Unternehmer zu sein heißt, eigene Wege zu gehen und für seine Ideen, Produkte oder Dienstleistungen Kunden zu begeistern.
Das heißt auch mutig sein?

Ja, absolut. Das heißt aber auch fleißig zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Aber es ist natürlich auch eine ganz große Chance, etwas aufzubauen und wachsen zu lassen. Und das ist es auch, was wohl viele Unternehmer motiviert: als eigener Chef auch eigene Wege gehen zu können.

Genießen Unternehmer genug Wertschätzung im Land?

Das ist eine sehr gute Frage. Hätten Sie mir diese Frage vor zwei Jahren gestellt, so hätte ich klar Nein sagen müssen. In dieser Zeit, wo die Konjunktur auch stagniert hat, war das Klima gegenüber Unternehmern eher negativ. Aber das hat sich gewandelt. Die aktuellsten Umfragen zeigen, dass Unternehmer nun sogar sehr breit in der Gesellschaft anerkannt sind, auch für das, was sie jeden Tag leisten. Das freut mich auch riesig und motiviert sicher auch viele Jung-Unternehmer.

Sie sprechen damit die Gründungszahlen an …

So ist es. Die Gründungszahlen steigen, und das kontinuierlich, aber da gibt es natürlich trotzdem immer noch Luft nach oben. Denn Unternehmer sind noch eine absolute Minderheit in diesem Land.  Aber ich bin überzeugt davon, dass sich in Zukunft dieses klassische Bild von „Angestellt- und Selbstständig-Sein“ generell verändern wird. Es wird Phasen im Leben geben, wo man vielleicht einmal angestellt ist, aber dann auch wieder als Selbstständiger tätig sein wird. Diese starre Trennung zwischen Unternehmertum und Angestellten- und Arbeiterverhältnis wird sich in Zukunft auch deshalb verändern, weil sich auch die Wirtschaft ständig verändert und es mehr Chancen und Möglichkeiten gibt, und weil auch Angestellte und Arbeiter heute schon oftmals selbstständig agieren und gute Mitentscheidungen am Arbeitsplatz treffen. Denn sonst würden unsere Betriebe auch nicht so erfolgreich sein.

Bleibt das auch so oder trübt die Konjunktur sich Ihrer Meinung nach bereits wieder ein? 

Ja, wir haben die Hochkonjunktur bereits hinter uns, sind aber immer noch in einer guten Phase. Dennoch gibt es gewisse Bereiche, auf die wir mit Sorge blicken. Zum Beispiel den Automotive-Sektor: Dort sehen wir, dass es Verwerfungen gibt.Aus mehreren Gründen: Märkte verändern sich,  Stichwort China etwa. Dazu kommt der Abgasskandal in Deutschland. Diese Herausforderungen müssen bewältigt werden, weil gerade wir in OÖ. von diesem Automotive-Bereich direkt oder indirekt abhängig sind. Fazit: ich sehe keinen großen Grund zur Sorge. Aber wir müssen die Entwicklungen der nächsten Monate sehr genau beobachten, wachsam bleiben und im Bedarfsfall gegensteuern und  für unsere Betriebe etwa rechtzeitig neue Märkte erschließen.

Sie selbst haben die Kammer auch umgebaut. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Ich bin sehr zufrieden. Wir haben uns in den eineinhalb Jahren, in denen ich jetzt als Präsidentin Verantwortung trage, neu aufgestellt, alles hinterfragt, optimiert und natürlich auch die Verwaltung unseres Hauses verschlankt. Das wird uns schlagkräftiger machen und uns den Mitgliedsbetrieben noch näher bringen. Und wir haben genau analysiert: was brauchen unsere Betriebe, um in Zukunft erfolgreich zu sein, und was braucht der Standort OÖ., um wieder zu den Topregionen dieser Welt aufschließen zu können.

Die Kammerumlage sinkt, Sie werden sparen müssen. Werden die Mitglieder das spüren?

Ja, auch deshalb hat es Veränderungen gebraucht. Und ja,  das wird man auch spüren. Aber das muss deswegen nicht negativ sein. Ein praktisches Beispiel: Wir gehen im Bereich von Seminaren neue Wege, setzen künftig stark auf Webinare. Das heißt, dass es nun für viele Betriebe einfacher wird, zu Know-how zu kommen. Denn nun können  sie jederzeit online an Seminaren teilnehmen. Das spart Unternehmern Zeit und uns Kosten. Für uns ging es also nicht um Einsparungen alleine, vielmehr wollten wir den Rechenstift möglichst klug ansetzen, damit eben alle was davon haben und wir dabei effizienter agieren und sogar noch bessere Serviceleistungen erbringen können.

Sie bieten auch den Gratis Rechtsschutz, vor allem für für kleinere und mittlere Betriebe, an. Was bedeutet das in der Praxis? Was steckt dahinter?

Dahinter steckt eigentlich der große Leidensdruck unserer Betriebe in Sachen Bürokratie und der vielen Vorschriften und Verordnungen, die es einzuhalten gilt. Gerade kleinere Betriebe haben oft keinen eigenen Rechtsanwalt, ihnen wollen wir im Fall der Fälle ein besonderes Service anbieten. Wenn zum Beispiel bei der Datenschutzgrundverordnung ein Fehler gemacht wurde oder es beim Thema Arbeitszeit ein Problem gab, dann stellen wir Betrieben bis zu 20 Mitarbeitern einen Rechtsanwalt an die Seite, der sie bestmöglich unterstützt, ohne dass sie das etwas kostet.

Wie arbeiten Sie mit Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner zusammen, der ja auch Ihre Wahl war? 

So ist es. Markus Achleitner  kommt aus unserem Haus, war hier Funktionär und wurde vom Wirtschaftsbund nominiert. Wir beide haben uns vorgenommen, den Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln. Wir wollen zudem auch mehr junge Menschen dafür begeistern, Betriebe zu übernehmen oder Unternehmen zu gründen. Wir haben aber noch viel mehr Ideen und werden unsere Kräfte bestens bündeln.

Sie waren auch einmal Landesrätin. Die Betonung liegt jetzt auf dem Wort „waren“. Sind sie rückblickend betrachtet froh darüber?

Grundsätzlich bin ich einmal davon überzeugt, dass alles im Leben seinen Sinn hat. Alle guten Erfahrungen, aber auch jene, die man sich vielleicht hätte sparen können.Der Schritt in die Politik war für mich eine ganz spannende und bereichernde Erfahrung. Ich habe das gerne und mit Leidenschaft gemacht, aber es war immer klar, dass ich das nicht ewig machen werde. Ich habe ja selbst auch gleich zwei Unternehmen. Ein Familienunternehmen, das ich vor zwei Jahren übernommen habe, und noch einen selbst gegründeten Betrieb. Ich kann das auch gut kombinieren, führe das Familienunternehmen operativ sogar noch selbst. Und als Wirtschaftskammerpräsidentin kann ich nun eben an vorderster Front mithelfen, die Rahmenbedingungen für Unternehmer auch insgesamt zu verbessern. Und so gesehen bin ich heute froh über diesen Weg und das von Ihnen angesprochene Wörtchen „waren“. (lächelt augenzwinkernd). Aber ich gebe trotzdem zu, dass ich aus der Politik viel an Wissen und Erfahrungen mitgenommen habe und auch das daraus entstandene Netzwerk heute für alle Wirtschaftstreibenden im Land ganz gut nutzen kann.

Wie geht man vor, wenn man noch nie in irgendeiner Form unternehmerisch tätig war?

Als Jungunternehmer würde ich mich zuerst an die „Junge Wirtschaft“ wenden. Das ist eine tolle Austauschplattform, auf der man ganz viel lernen und erfahren kann. Es gibt heutzutage viele Gründerszenen, aber wir als Wirtschaftskammer sind die einzigen, die ohne Hintergedanken beraten und Menschen für das Unternehmertum begeistern wollen, und diese Beratung wird kostenlos angeboten. Ein wichtiger Aspekt ist natürlich auch die Bereitschaft, mehr Engagement zu zeigen als etwa in einem Bürojob mit geregelten Arbeitzeiten. Gerade in der Gründungsphase ist ein eigenes Unternehmen ein 24-Stunden-Job – und Erfolg passiert außerhalb der Komfortzone. Dafür ist sehr viel Arbeit nötig, die dann hoffentlich mit viel Erfolg belohnt wird. Wir in der Wirtschaftskammer können begleiten und unterstützen und tun das mit großer Freude. Und noch eine wichtige Botschaft: UnternehmerInnen werden älter und sind glücklicher, das zeigen alle Umfragen.

Welcher Faktor ist aus Ihrer Sicht wichtiger: Eine gute Idee und Leistungsbereitschaft oder das nötige Startkapital? 

Das Wichtigste ist zuerst einmal das Produkt bzw.  die Idee: Was ist mein Produkt? Mit welcher Dienstleistung will ich erfolgreich sein? Was ist mein USP? Wenn Produkt bzw. Idee gut und wettbewerbsfähig sind, dann ist die Frage nach dem Kapital heute nicht mehr so entscheidend. Hier hat sich in letzter Zeit viel verändert. War bis vor kurzem eine Kreditfinanzierung die einzige Chance, so gibt es heute auch andere Möglichkeiten wie z.B. Venture Capital, um eine gute Idee tatsächlich zum Leben zu bringen.

Doris Hummer im WordRap

Glück ist für mich … Zeit mit der Familie
Abergläubisch bin ich … gar nicht
Wenn ich ins Hotel einchecke, dann schreib ich ins Feld „Beruf“ … Unternehmerin
Als Wirtschaftskammer OÖ Präsidentin … habe ich das Privileg, für knapp 100.000 Betriebe in diesem Land Wirtschaftspolitik zu machen
Zur EU-Wahl im Mai gehe ich … ganz sicher, und ich weiß auch schon, wen ich wähle 😉
Wenn ich heute 10 Mio. im Lotto gewinne, dann würde ich morgen … nichts anders machen
Ich lebe nach dem Motto … am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende
Meinen Wohntraum … lebe ich durch die Leidenschaft beim Einrichten und Möbel aussuchen.
Das möchte ich eines Tages noch machen … mit meinem Sohn die Welt erkunden.

Fotos: © Robert Maybach

2019-04-02T00:05:54+02:00