Ein LH beim HEURIGEN

Thomas Stelzer über einen heißen Sommer und Kritik, die ihn nicht kalt lässt.

Wer die Wahl hat … nun, wie denkt eigentlich unser Landeshauptmann darüber? Und wie hat sich Oberösterreich seit seinem Amtsantritt entwickelt? City!-Chefredakteur Christian Horvath bat Thomas Stelzer zum lockeren Sommer-Talk beim Heurigenwirt Schindler.

CITY!: Herr Landeshauptmann, wann waren Sie das letzte Mal beim Heurigen? 

Gleich zu Sommerbeginn, weil ich da immer Journalisten in Wien zum Heurigen einlade, dabei natürlich das persönliche Gespräch suche und auf die Anliegen Oberösterreichs hinweise.

Konnten Sie in diesen heißen Polit-Zeiten überhaupt schon mit Ihrer Familie einen Sommerurlaub machen?

Ja, den haben wir schon hinter uns. Allerdings war es auch im Urlaub so, dass ich täglich mit Mitarbeitern und Journalisten gesprochen habe.

Wie sehr hat sich Oberösterreich seit Ihrem Amtsantritt 2017 schon verändert?

Was Oberösterreich in dieser Zeit sicherlich geschafft hat, ist, dass wir uns international noch besser präsentiert haben. Dass wir wirtschaftlich schneller vorangekommen sind als andere Regionen und wir weiterhin kulturell Beachtung finden.

Veränderungen werden ja oft kritisch beäugt, oftmals lauthals kritisiert. Muss man als Politiker eine dicke Haut haben und damit leben, dass man es halt nicht allen recht machen kann?

Veränderungen lösen immer Unsicherheit und Sorgen aus, auch bei einem persönlich – aber nur eine ständige Veränderung ist die Garantie dafür, dass man Dinge besser machen kann. Im Polit-Geschäft ist es umso wichtiger, dass man erklärt, warum man etwas tut, wohin man will, was das eigentliche Ziel  hinter den Maßnahmen ist. Dann, so glaube ich, werden die kritischen Stimmen auch weniger. Aber natürlich wird man nicht jeden überzeugen können. Deshalb braucht man auch gute Argumente. Aber Politiker wurden schon immer vielfältig kritisiert. Das gehört  zum Berufsbild, und man gewöhnt sich mit der Zeit auch daran.

Was ist in den „Neuen Zeiten“, dieser Slogan wurde mit Ihnen auch plakatiert,  besonders gut gelungen?

Wir haben ein gut verankertes Bewusstsein in der Bevölkerung, dass wir uns – egal in welchem Bereich – weiterentwickelt haben und bis an die Spitze kommen wollen,  damit wir die hohe Lebensqualität, die wir gewohnt sind, eben auch halten können. Was wir auch ganz gut geschafft haben, ist es, Chancen für Investitionen zu nützen, dabei aber gleichzeitig keine neuen Schulden mehr zu machen. Und die durchaus respektable internationale Beachtung des Landes OÖ. hat uns zu neuen Betriebsansiedlungen verholfen und zusätzliche Arbeitsplätze gebracht. Trotzdem bleibt natürlich immer noch etwas zu tun. Nur ist uns jetzt leider diese Bundesregierung abhanden gekommen, mit der wir erst kürzlich noch über große Projekte verhandelt haben.

Gibt es etwas, das man hätte besser machen können?

Man kann immer etwas besser machen. Auch wir Politiker sind letztlich nur Menschen. Trotzdem glaube ich – von Einzelheiten einmal abgesehen – haben wir stets klar aufgezeigt wohin wir wollen und warum wir‘s tun. Das wird, meiner Einschätzung nach, seitens der Bevölkerung schon geschätzt. Wichtig ist den Menschen, dass wir konsequent arbeiten und Entscheidungen treffen. Darum wurden wir schließlich auch gewählt.

2021 wird in OÖ. wieder gewählt. In allen Umfragen scheint Ihnen ein Kantersieg sicher. Beruhigt oder beunruhigt Sie das als Spitzenkandidat der ÖVP hinsichtlich der Motivationsbereitschaft Ihrer Funktionäre und Wahlhelfer?

Zunächst einmal  freut es mich natürlich, dass die Zustimmungsraten aktuell sehr gut sind. Aber ich bin auch realistisch genug, um zu wissen, dass das Momentaufnahmen sind, die sich ganz rasch ändern können. Denn Sympathie und Vertrauen muss man sich bekanntlich ohnehin täglich erarbeiten.

Dafür haben Sie jedenfalls noch zwei Jahre Zeit … 

Ja, und die werden wir nutzen. In den Bereichen In-
frastruktur, Arbeitsplätze und öffentlicher Verkehr haben wir noch viel zu erledigen. Ebenso im Bildungsbereich und Ausbildungssektor. Hier denke ich beispielsweise an eine Stärkung der Universitäten, einen Ausbau der Fachhochschulen und entsprechende Schulangebote. Der Pflege- und Sozialbereich fordert uns bekanntermaßen auch ganz ordentlich. Hier müssen wir weiter investieren, insbesondere in das Pflegepersonal. Und selbstverständlich wollen wir unsere hochqualitative Gesundheitsversorgung bestmöglich erhalten und auf hohem Niveau noch ausbauen.

Am 29. September ist Nationalratswahl – welche Erwartungen haben Sie?

Natürlich setze ich darauf, dass wir mit unserem Spitzenkandidaten Sebastian Kurz – der bewiesen hat, dass er es kann – einen großen Erfolg haben werden. Dass klar ist, dass wir eine starke Nummer eins sind und ohne uns keine Regierung gebildet werden kann. Und dann hoffe ich natürlich auch, dass wir einen Regierungspartner finden, mit dem der bislang engagierte Weg auch weitergegangen werden kann.

Die Mehrheit der Österreicher war mit der türkis-blauen Regierung relativ zufrieden – präferieren Sie dennoch eine andere Koalitionsform? 

Ich finde, bei jeder Wahl ist es wichtig, dass eine Partei zunächst nur für sich und ihre eigenen Überzeugungen antritt. Wenn die Wahl vorbei ist und die Ergebnisse vorliegen, sehen wir weiter, welcher Koalitionspartner in Frage käme. Ich denke, es wäre auch eine Missachtung der Wähler, sich als Partei schon im Vorhinein auf etwas festzulegen. Was ich aber aus Erfahrung jetzt schon sagen kann: es ist schon eine Aufgabe  mit einem Regierungspartner eine Koalition zu bilden. Hat man dann sogar zwei Verhandlungspartner gegenüber, wird das die Dinge mit Sicherheit nicht einfacher machen.

In OÖ. funktioniert die Koalition schwarz-blau ganz gut …

Ja, wir arbeiten vertrauensvoll zusammen. Wir sprechen stets alles klar an und aus, haben ein gutes Programm und setzen dieses auch konsequent für Oberösterreich um.

Ist für Sie FPÖ-Vizechef Herbert Kickl auch ungeeignet für ein Ministeramt? 

Ich glaube, dazu hat Sebastian Kurz schon alles gesagt, was zu sagen ist.

Manche Mitmenschen sind wahlmüde. Warum sollte man am 29. September unbedingt von seinem Stimmrecht Gebrauch machen?

Zunächst einmal: sogar bei der letzten EU-Wahl im Mai hat es mit einer knapp 60-prozentigen Wahlbeteiligung hierzulande nicht nach einer Wahlmüdigkeit der Bürger ausgesehen. Ich kann deshalb auch dieses Mal nur dazu aufrufen, unbedingt wählen zu gehen. Jede und jeder entscheidet mit, wohin die Reise schließlich gehen soll, und wie sich die Gewichte innerhalb der Regierung verteilen.

Wann und wo wählen Sie?

Ich werde bei uns zuhause in Wolfern wählen – auch, um die Gelegenheit zu nutzen, mich bei den vielen freiwilligen Mithelfern zu bedanken.

Empfindet man als unangefochtene Nummer 1 im Land über einen doch schon längeren Zeitraum „nur“ Freude oder doch auch etwas Druck? Ich würde sagen, Freude und Demut halten sich die Waage. Denn es ist natürlich auch ein großer Auftrag, den man aus solchen Umfragen herausliest. Die Leute trauen einem offensichtlich etwas zu – sie erwarten sich dann aber natürlich gleichzeitig auch, dass wichtige und richtige Taten gesetzt werden. Und es ist auch mein Wille und Wunsch, dass wir noch viel mehr für Oberösterreich und seine Mitbürger umsetzen.

Stichwort Klimawandel:  Ihr Linzer ÖVP-Vzbgm. Bernhard Baier möchte in Linz tausend neue Bäume pflanzen – haben Sie schon mal einen Baum gepflanzt?

Ja, selbstverständlich (lacht).  Meine Familie und ich haben daheim in Wolfern einen Garten angelegt. Da wurden auch Bäume gepflanzt. Das hat ja nicht nur symbolische Bedeutung, sondern macht aufgrund des Klimawandels in so gut wie jedem Garten Sinn. Und einer Industriestadt wie Linz kann so eine Baum-Initiative natürlich auch viel nutzen. Besonders auch an den heißen Tagen.

Was kann das Land noch tun?

Vorab einmal: Oberösterreich und gerade der Zentralraum ist ein Industrie- und Produktionsstandort. Aber auch einer der saubersten und umweltverträglichsten, die es weltweit gibt. Wenn man sich hier die Entwicklung der vergangenen Jahre anschaut, sieht man, dass wir die Dinge ernst nehmen und Klimaschutz sicher nicht nur ein Lippenbekenntnis für uns ist. Aber selbstverständlich gibt es neue Herausforderungen zu bewältigen. So wissen wir, dass der Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebotes ein Gebot der Stunde ist. Deshalb haben wir etwa gerade erst ein Riesenpaket mit den ÖBB für die Regional- und Nebenbahnen abgeschlossen. Es soll aber auch weiter in die Wasserkraft investiert werden.

Tom Stelzer
im WordRap

Geboren: Linz, 21.2.1967
Sternzeichen: Fische
Liebesstatus: glücklich verheiratet, 2 Kinder

Ein guter Tag beginnt … mit einem guten Kaffee
Dieser Sommer war … bisher sehr erlebnisreich
Ibiza ist … zu einem innenpolitischen Begriff geworden
Oberösterreich bedeutet für mich … Heimat und Zukunft
Bier oder Wein? Je nach Anlass
Zuhause in Wolfern bin ich zuständig für … alles, was die anderen nicht freut
Ein Liter Milch kostet … zwischen 1,20 und 1,60 Euro
Ein Wurstsemmerl kostet … je nachdem, was man hineingibt, um die 2 Euro
Politik ist daheim … natürlich auch immer ein Thema
Meine Krawatten suche ich … selber aus
Umwelt- und Tierschutz … sind Lebensthemen und sollten auch zentrale Politthemen sein
Die größte Freude macht man mir … wenn man mir sagt, dass eine Entscheidung Gutes ausgelöst hat
Manchmal ärgere ich mich … auch über mich selbst
Darüber ärgere ich mich schon lange nicht mehr … vorschnelle Kritik
Wenn ich ins Hotel einchecke, schreibe ich in das Feld „Beruf“ … öffentlicher Dienst (lacht)
Dieses Jahr würde ich gerne nochmals erleben … 1998, denn da habe ich geheiratet
Mein Arbeitstag endet … zwischen 23 Uhr und 1 Uhr morgens
Am Morgen des 30. September möchte ich … mich noch genauso freuen wie am Abend davor

Fotos: © Andreas Mahringer

2019-09-02T21:22:13+01:00