• ENGAGIERT. Landesrat Markus Achleitner (51) setzt alles in Bewegung, um die Arbeitsplätze bei MAN in Steyr zu erhalten.

Krisen-MANAGER

Landesrat Markus Achleitner will gerade jetzt aus der Not eine Tugend machen

Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner hat momentan eine Fülle an Themen zu behandeln, wobei die Pandemie in vielen Bereichen die Voraussetzungen geändert, aber gleichzeitig auch neue Möglichkeiten für die Zukunft aufgezeigt hat. Im Interview mit dem CITY! zeigt er sich vom bevorstehenden Landtagswahlkampf noch unbeeindruckt. Wichtiger erscheint ihm, die dringlichsten Probleme zu lösen und Oberösterreich wirtschaftlich so aufzustellen, dass beim Aufschwung nach der Krise auch möglichst viele Chancen ergriffen werden können.

CITY!: Besonders schwer hat es im Städtedreieck zuletzt Steyr getroffen, wo die Schließung von MAN und somit der Verlust vieler Arbeitsplätze im Raum steht. Welche Ansätze gibt es hier, um diesen Aderlass zu kompensieren?
Achleitner:
Das wäre ein bedauerlicher Kahlschlag. Bis 2023 kann sich aber noch einiges verändern und wir arbeiten jetzt schon sehr intensiv an einer Lösung, zumal es ja viele schlagende Argumente gibt, die für den Standort sprechen. Es gibt bei MAN Steyr hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, außerdem hat der Konzern dort in jüngster Vergangenheit millionenschwere Investitionen getätigt. Beispielsweise wurden in Steyr 60 Millionen Euro in die größte Lackieranlage Europas für Lkw-Kunststoffteile investiert. Ebenso ist man in Steyr bei Forschung und Entwicklung sehr stark, etwa mit dem Bau von Lkw mit Elektromotorisierung. Darüber hinaus sind wir laufend in engem Kontakt mit dem Management in Österreich und Deutschland und auch mit dem Betriebsrat von MAN. Wir werden jedenfalls um den Standort Steyr mit aller Kraft kämpfen.
Abgesehen von MAN werden wohl noch andere Firmen Mitarbeiter entlassen. Der Herbst und der Winter gelten als besonders kritisch. Wie lange wird sich das Bundesland Oberösterreich eine Pandemie wie Corona noch leisten können?
Mit Landeshauptmann Thomas Stelzer wurde in Zeiten der Hochkonjunktur die Null-Schuldenpolitik eingeführt, um sich für schlechte Zeiten jene Muskeln aufzubauen, die wir jetzt brauchen, damit wir die Krise stemmen können. Genau das machen wir gerade. Wir haben einen 1,2 Milliarden Euro schweren „Oberösterreich-Plan“ geschnürt, um Oberösterreich aus der Krise „herauszuinvestieren“. Denn damit werden Investitionen von insgesamt 2,5 Milliarden und ein langfristiger Effekt von vier Milliarden Euro ausgelöst. Denn es braucht eben Impulse, damit der Wirtschaftsmotor und der Konsum wieder anspringen und die Menschen in Arbeit gehalten werden.
Wie sieht es mit dem Tourismus in Oberösterreich aus, der ja von den Corona-Einschränkungen besonders betroffen war?
Den Tourismus hat es vor allem in den Städten stark erwischt. Hier gab es Rückgänge von bis zu 50 Prozent und das wird uns leider noch länger begleiten. Die Nachtgastronomie, die Eventwirtschaft mit den Bällen etc. wird ohne Hilfsmaßnahmen, wie etwa den Fixkostenzuschuss, nicht das Auskommen finden. Gleichzeitig ist aber zu verzeichnen, dass 60 Millionen Euro im Tourismus für Sanierungen investiert wurden, um die Qualität weiter zu verbessern. Das Land Oberösterreich übernimmt für die betroffenen Betriebe bis Ende 2021 auch die Zinsen. Außerhalb der Städte zeigt sich überdies ein anderes Bild. Hier hat es zwar einige Wochen gedauert, bis alles wieder in Schwung gekommen ist, jedoch liegt der Sommer deutlich über den Erwartungen. Denn viele Oberösterreicher haben begonnen, ihr Bundesland neu zu entdecken, wodurch die Abhängigkeit von den ausländischen Touristen nicht mehr so hoch ist. Abseits der durch Corona bedingten Probleme hat es zuletzt aber auch Erfolge gegeben. So ist beispielweise ein längst fälliger Bau eines Hotels in Bad Ischl endlich auf Schiene.
Die Europäische Union denkt diesbezüglich ja ähnlich wie Sie. Hier wurde im Sommer ein gewaltiges Paket geschnürt, das die wirtschaftlichen Folgen von Corona abmildern und neue Impulse für die Konjunktur schaffen soll. Wie wird Oberösterreich davon profitieren und was wird noch zu tun sein?
Dieser Green Deal ist das größte Wirtschaftsimpulsprogramm nach dem 2. Weltkrieg und es werden Schätzungen zufolge rund 3,5 bis 4 Milliarden Euro davon nach Österreich fließen, wobei auch die Betriebe in Oberösterreich davon profitieren werden. Diese Mittel werden auch die technologische Transformation beschleunigen. Für uns geht es momentan aber noch um die „Löscharbeiten“ bzw. darum, zu schauen, wie wir die ärgsten Probleme in den Griff kriegen. Da befinden wir uns noch mitten drin und fahren auf Sicht. Die nächste Phase wird dann jene sein, in der es um das Wiedererstarken der Wirtschaft geht, um eine Schockstarre zu verhindern. So gehen etwa 344 Millionen Euro an die Gemeinden, welche mit ihren Aufträgen die lokale Wirtschaft vor Ort unterstützen. Ein wichtiger Hebel ist zudem die Investitionsprämie bzw. der Direktzuschuss des Staates von 7 Prozent. Bei Investitionen im Bereich der Ökologie, der Digitalisierung oder im Gesundheitsbereich sind es sogar 14 Prozent. Ich erwähne das deshalb, weil die Oberösterreicher hier wirklich zugeschlagen haben und ein Drittel der Anträge aus unserem Bundesland kommt. So wurde für Investitionen im Wert von rund 4 Milliarden Euro von den heimischen Betrieben eingereicht. Mehr als die Hälfte der Einreichungen befasst sich zudem mit einem der drei genannten Zukunftsfelder. Darum hinaus bedienen wir auch die Instrumente von Haftungen und Bürgschaften. Bislang sind die Unternehmen allerdings mit den anderen Maßnahmen durchgekommen.
Das ist für die Betriebe sicherlich positiv, allerdings gibt es auch andere Stimmen, die diesem Run weniger abgewinnen können und beklagen, dass die schönsten Plätze des Landes überlastet seien. Braucht es da eventuell Beschränkungen, dass beispielsweise nicht so viele Menschen aus dem dicht besiedelten Zentralraum Oberösterreich gleichzeitig in das Seengebiet fahren?
Nein, das ist absolut kein Thema in Oberösterreich. Gerade Corona hat auch gezeigt, dass es in Oberösterreich eine Breite und Vielfalt an Orten gibt, die für unsere Erholung wertvoll sind. Wir haben hier quasi die Essenz dessen, was Österreich ausmacht. Wir haben beispielsweise in Oberösterreich das mit Abstand dichteste Netz an Radwegen. Ein anderer Ansatz sind die Pilgerwege, die als Wandern mit Sinn wahrgenommen werden. Hier handelt es sich um Routen mit unterschiedlichen Geschichten, die für die Touristen als Gesamtpaket interessant sind.
Die Wahlen in Wien sind geschlagen. Bereiten Sie sich schon auf den Oktober 2021 vor? Was haben wir in dieser Legislaturperiode noch aus Ihrem Ressort zu erwarten?
Die Landtagswahlen sind für mich derzeit das geringste Problem. Jetzt geht es einmal darum, mit ruhiger Hand und klarem Kopf alles zu tun, dass wir aus der gegenwärtigen Situation herauskommen. Da bin ich mit Arbeit eingedeckt. Für mich hat Erfolg drei Buchstaben: T-u-n! Daher wurde auch die Wirtschafts- und Forschungsstrategie bis 2030 mit Experten u.a. aus den Kammern, der Industriellenvereinigung, den Universitäten und Fachhochschulen auf den Weg gebracht. Es geht also nicht um ein Wunschkonzert vor den Wahlen, sondern um ein langfristiges Programm, das Punkt für Punkt abgearbeitet und evaluiert wird. Was wurde also getan und was konnte dadurch auch verbessert werden. Als Wirtschafter habe ich konkrete Ziele formuliert, die beispielsweise den Fachkräftebedarf oder die momentan noch hohe Arbeitslosigkeit betreffen.

Markus Achleitner
im WordRap

Geboren: Grieskirchen, 22. April 1969
Sternzeichen: Stier
Liebesstatus: glücklich verheiratet, 3 Kinder
Mein Urlaub 2020… war eine Reise durch Österreich mit der Familie unter dem Motto „lerne Deine Heimat kennen“
5G ist… eine bahnbrechende Entwicklung in Sachen Digitalisierung
Eine Obergrenze für Touristen in Oberösterreich… ist ganz bestimmt nicht erforderlich
Im Rückblick wird für Sie Corona einmal… für eine ganze Generation prägend sein
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Der Brexit und Oberösterreich… für alle ein Verlust, aber ich bin guter Hoffnung
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Fotos: © Land OÖ / Daniel Kauder

2020-10-31T18:47:03+01:00