• WOHNZIMMER-ATMOSPHÄRE. „Lokal-Politik“ war auch Thema für Harry Katzmayr und Walter Witzany.

Mr. Pianino im Smalltalk 

Gastrolegende und SP-Gemeinderat Harry Katzmayr ist ein echter Positiv-Denker

Diesmal nicht im Kaffeehaus. Das lag aber nicht an Corona, sondern an meinem aktuellen Interviewpartner. Denn ich treffe nun den Linzer Gastronomen und SP-Gemeinderat Harry Katzmayr (60). Und, eh klar, das Gespräch fand natürlich in seinem Lokal, dem Pianino mitten in der Linzer City statt.

Das Pianino gibt es schon lange. Eröffnet hast Du es im Oktober 2010. Aber zuvor warst Du ja auch schon in der Gastronomie erfolgreich… 
Erfolgreich ist etwas übertrieben, aber zumindest eine gastronomische Laufbahn hab ich hinter mir. Ich möchte diesen Beruf auch mit keinem anderen tauschen. Ich liebe ihn und ich brauche ihn wie die Luft zum Atmen. Zunächst besuchte ich das Gymnasium in Linz und erlernte dann den Beruf des Kochs. Saisonal habe ich dann u.a. in Pörtschach und am Arlberg im Hotel „Mondschein“ gearbeitet. Dann habe ich meine Frau bzw. die Mutter meiner Tochter kennengelernt und bin so nach Linz zurück gekommen. Wie ich das Lokal dann 2010 eröffnete, habe ich viele der Leute, die zu uns als Gäste kommen, schon gekannt.
Man sagt ja, dass das Pianino das Wohnzimmer der Linzer ist. Wie kommt das?
Ich dachte mir, wenn ich ein Lokal gründe, dann soll es so sein, dass ich mich dort wohlfühle. Für meine Freunde und Gäste gilt das selbstverständlich umso mehr. 
Ich schätze, die Küche ist täglich im Vollbetrieb, oder?
Sagen wir meistens (lacht). Das liegt aber auch daran, dass wir viel Abwechslung und ganz Spezielles anbieten.
Du hast ja auch eine – wie soll ich sagen – Nebenbeschäftigung als Politiker. Wie sieht das aus und wie bist Du dazu gekommen?
Ja, ich bin Gemeinderat. Während der Pandemie hatte ich die Zeit, über vieles nachzudenken. Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger hat mich einfach gefragt, ob ich kandidieren möchte. Ich habe anfangs auch überlegt, ob es so gescheit ist, als Gastronom politisch klar Farbe zu bekennen. Schließlich habe ich aber mehr Chancen als Risken gesehen. Aber als Wirt und Mensch bleibe ich selbstverständlich für alle Gäste offen. Und ich habe ja auch ganz viele Politiker anderer Parteien hier bei mir im Restaurant zu Gast.
Aber Unternehmer sind doch eher bei der ÖVP und nicht bei der SPÖ?
Ich sehe das Unternehmen nur als Hardware. Viel wichtiger sind die Mitarbeiter, welche die tolle Atmosphäre für die Gäste schaffen, die hier ihre Freizeit verbringen. Es geht mir immer um die Menschen.
Was sind denn deine sozialen Ziele jenseits der Gastronomie?
Für mich geht es um soziale Gerechtigkeit im Rahmen einer regulierten Marktwirtschaft, aber als Lokalpolitiker ist mir u.a. auch ein sauberes Linz wichtig. Bürgermeister Klaus Luger treibt diese Dinge in meinen Augen voran, was auch der Grund war, warum ich diesen Seitensprung in die Politik gemacht habe. Themen wie die Digitalisierung, saubere Mobilität etc. werden bei uns aufgegriffen, und ich möchte hier meinen Beitrag leisten. Bisher habe ich dafür auch viel Zustimmung gefunden und ich glaube auch, dass ich dadurch auch keine Gäste verloren habe.
Der Bürgermeister und Du, ihr habt also einen guten Draht zueinander? 
Ja, das war auch der Beweggrund für den Gang in die Politik.
Was sagst Du zu den Entwicklungen in der Gastronomie und im Tourismus aufgrund des Lockdowns? Ein Großteil der Weihnachtsfeiern wurde storniert, wie auch jede 2. Hotelbuchung.
Wir erleben leider einen Lockdown der Unvernunft. Im Sommer haben wir in der Gastronomie noch ein gutes Geschäft gehabt. Ich selbst wollte – wie viele andere Landsleute auch – den Urlaub in Österreich verbringen. Letztlich war es schwer, noch ein Hotelzimmer zu bekommen, weshalb wir zu unserer Tochter nach Tirol fuhren. Jetzt stehen wir vor der unvorstellbaren Situation, dass die österreichischen Regionen mit ihren touristischen Hochburgen zusperren müssen. Unvorstellbar ist aber auch, wie es sein kann, dass es immer noch so eine geringe Impfbereitschaft gibt. Da geht es ja nicht um mich, sondern um uns alle. Wir müssen uns doch bitte gegenseitig schützen!
Herbert Kickl hat angesichts von Corona der Bevölkerung ja zu einem Entwurmungsmittel geraten. Was sagst Du dazu?
Da fällt mir ehrlich nichts dazu ein. Zu so etwas kann man keinen ernsthaften Kommentar abgeben.
Kennst Du Menschen, die jetzt noch nicht geimpft sind? Was sagst Du diesen?
Einige. Ich meine, dass es verantwortungslos ist. Und es gibt im Neuen Dom ja ein Eremitenstüberl; da kann man als Ungeimpfter ruhig bleiben. Ich selbst habe mich von meiner Tante verabschieden müssen, die an Corona gestorben ist. Sie wurde von einer ungeimpften Pflegerin angesteckt. Wir brauchen diese Impfung. Anders wird es nicht funktionieren. Sonst haben wir nächstes Jahr wieder dieselbe Situation. Dann können wir heute in einem Jahr wieder über das Zusperren reden.
Wie überlebt man das Ganze eigentlich als Gastronom finanziell?
Ich konnte mir in den letzten 12 Jahren kleine Rücklagen aufbauen. Natürlich waren diese für andere Zwecke gedacht. Wir werden aber auch das überleben und das Beste daraus machen. Wir sind hartnäckig. Ich lebe immer noch in derselben Wohnung und fahre immer noch dasselbe Auto wie früher. Der „Luxus“, den ich mir privat leiste, besteht darin, dass wir die Familie in Tirol möglichst oft besuchen.
Welche Aufgabe hat jetzt die Politik gegenüber der Wirtschaft?
Jetzt geht es wieder um Hilfen, wie Kurzarbeitsmodelle. Trotz der Lockdowns habe ich keine Mitarbeiter gekündigt. 50 Prozent in der Arbeitslosigkeit sind ein anderes Polster als 80 Prozent in der Kurzarbeit. Daher hatte ich im Gegensatz zu anderen Gastronomen auch keine Probleme bei der Personalsuche nach dem Aufsperren. Mein Kapital sind die Mitarbeiter, die hier arbeiten.
Du bist ja den ganzen Tag von Menschen umgeben. Fällt dir im Lockdown dann nicht die Decke auf den Kopf?
Nein, mir wird nie langweilig. Ich lese beispielsweise gerne und bin viel draußen in der Natur. Das durchlüftet den Kopf und bringt mich auf neue Ideen. Den Großteil der Zeit verbringe ich mit der Familie, aber ich bin gerne auch einmal ganz für mich alleine. Kein Problem.
Woher kommt überhaupt der tolle Name Deines Restaurants „Pianino“?
Unter diesem Namen hat Joe Rosseger 1976 hier ein Lokal mit Piano eröffnet. Danach wurden die Räumlichkeiten von der Firma Schachermayer genutzt. Roland Schachermayer hat mich dann einmal gefragt, ob man das wieder zu einem Lokal rückführen kann. Da hat sich der alte Name angeboten, und das war auch eine kluge Entscheidung. Denn viele haben das „Pianino“ noch von früher gekannt und es war dann schnell wieder in aller Munde.
Und worauf führst du neben den Mitarbeitern und dem Ambiente sonst noch den Erfolg des „Pianino“ zurück?
Ganz klar auf die Qualität, Qualität und nochmals Qualität! Das ist – kombiniert mit unserem Personal und dem Ambiente – das Erfolgsrezept.  Zudem bieten wir Vielfalt an. Von „Klassikern“ wie Schinkenfleckerl oder Eiernockerl bis hin zu kulinarischen Angeboten für Gäste, die das Außergewöhnliche suchen.
Nun bitte ich Dich, lieber Harry, der Du so ein positiver Mensch bist, um eine  Weihnachtsbotschaft an alle Leser…
Oh, zu viel der Ehre. Aber gerne. Mir ist wichtig, dass wir gerade in Zeiten wie diesen aufeinander mehr Rücksicht nehmen, nicht nur auf die Familie und die Freunde. Auf möglichst alle Mitmenschen. Nur so können wir den Lockdown so kurz wie möglich halten und müssen uns in Folge dann hoffentlich nicht noch einmal auf eine neue Corona-Welle vorbereiten. Bei Covid brauchen wir zudem keine fragwürdigen politischen Statements mehr, sondern mehr Akte der Solidarität. Das wünsche ich mir. Hoffentlich denken auch viele andere so und lassen sich impfen.

Fotos: © Redaktion

2021-12-02T17:15:18+01:00