Operette neuem NIVEAU.

HERBERT LIPPERT über sein Gastspiel in Linz und seine Liebe zu OÖ.

Der gebürtige Linzer Herbert Lippert  (61) ist einer der gefragtesten Tenöre unserer Zeit, aber auch als Maler erfolgreich. Welches interessante Projekt er im Oktober auf die Brucknerhaus-Bühne bringt, verriet er City!-Redakteurin Hilde Weber im exklusiven Talk.

CITY!: Am 23. Oktober gastieren Sie mit dem von Ihnen gegründeten Projekt „O-MIA – Operette Made In Austria“ im Linzer Brucknerhaus. Worauf darf sich das Publikum freuen?
Lippert: Auf ein modern inszeniertes, multimediales Event mit historischen und sozialkritischen Aspekten, das die Operette in den Vordergrund stellt. Wir präsentieren dem Publikum die großen Schlager der Operette, informieren aber auch über das Leben und die Lebensumstände in der Entstehungszeit dieser Werke.
Was waren Ihre Intentionen, das Projekt „O-MIA“ auf die Beine zu stellen?
In meiner frühesten Zeit als Staats-
opernsänger hat mich Marcel Prawy unter seine Fittiche genommen, mich mit seiner Affinität zur Operette angesteckt und in mir als jungem Sänger diese Faszination geweckt. Ich beschäftige mich also schon seit fast 40 Jahren sehr intensiv mit der Operette und war seit längerem schon mit dem, wie man heute Operette auf kitschigen Klamauk reduziert, nicht mehr einverstanden. Diese Plumpheit, sich zeigend in Dialogen oder Uralt-Witzen, die man schon 100fach gehört hat, ist mir einfach auf die Nerven gegangen.
Mit „O-MIA“ wollten Sie gegensteuern?
Schauen Sie, in jeder Operette gibt es geniale Melodien – nur, unsere Jugend kennt sie überhaupt nicht mehr. Und mit dümmlichen Dialogen werden wir junge Menschen nicht erreichen können. Meine Fragen waren: „Was interessiert die Jugend von heute? Wie können wir ihr die Schlager von damals nahebringen?“ Das geht nur multimedial, denn nahezu jeder, insbesondere die Jungen, hat heutzutage ein Handy, einen Laptop, ein I-Pad. Also bedarf es einer Show mit LED-Wand, Lichttechnik und großem Spektakel, um junges Publikum – und dazu zähle ich auch 35-40jährige, die sich bisher noch nie mit Operette befasst haben – in ein Konzerthaus zu bringen und ihnen die großen Operetten-Hits von damals nahezubringen.
Hat das Genre Operette also aus Ihrer Sicht diesen Relaunch gebraucht?
Das gesamte „O-MIA“-Team möchte sich hier sicher nicht auf das Stockerl heben, der Operette ein neues Bild zu verschaffen. Während unsere Tournee 2021 in China jetzt schon fast ausverkauft ist, begegnet man uns hierzulande mit Skepsis. Das mag in der Mentalität des Österreichers liegen, der meint: „Wir sind ein Kulturland, wir kennen die Operette seit 150 Jahren – was brauchen wir also nun einen Lippert, der die Operette neu interpretieren will?“. Der Österreicher identifiziert sich wohl mit unserer Kultur, mit einem Mozart, Mahler und Beethoven ebenso wie mit Schiele und Klimt – auch wenn er sich nicht unbedingt damit beschäftigt. Gleiches gilt für Operettenkomponisten wie Johann Strauß, Leo Fall oder Edmund Eysler. Ich gebe zu, dass mich das fuxt – es ist mir aber gleichzeitig auch Motivation und gibt mir Energie. Ich liebe die Operette und möchte mit „O-MIA“ das Interesse der Menschen wecken für diese wunderbare Musik, aber auch für die Zeit, in der sie entstanden ist.
Zurück zum 23. Oktober im Brucknerhaus. Ist das für Sie als gebürtigen Linzer ein Heimspiel?
Ich freue mich schon sehr darauf. Ich bin halt ein eingefleischter Oberösterreicher. Sobald ich von Wien kommend über die Enns fahre und das Schild „Willkommen in Oberösterreich“ sehe, fange ich zu juchzen an. Ich verbringe meine Urlaube in Oberösterreich, am Traunsee oder am Attersee, und ich mache hier auch gerne Konzerte oder Ausstellungen. Es ist für mich jedes Mal wie Heimkommen.
Ihr zweites Standbein ist ja die Malerei. Ist das Ihr Ausgleich zur Musik?
Zweites Standbein stimmt nicht ganz, denn ich habe zuerst Malerei studiert und dann erst Gesang. Heute bin ich in der glücklichen Lage, dass ich beide Kunstrichtungen verbinden kann. So habe ich z.B. zu den 24 Liedern in Schuberts „Winterreise“ 24 riesige Ölbilder gemalt, die dann im Gustav-Mahler-Saal der Wiener Staatsoper ausgestellt wurden und ich hab die „Winterreise“ dazu gesungen – mit sehr großem Erfolg. Derzeit arbeite ich an einem neuen Projekt, diesmal mit Blickwinkel Oper. Ich werde Arien aus allen Werken, die ich an der Staatsoper gesungen habe, vortragen und dazu gibt es auch jeweils ein von mir gemaltes Bild. Diese Symbiose von Gesang und Malerei ist für mich ebenso faszinierend wie befriedigend.
Sie waren ja in beiden Bereichen – Musik und Malerei – schon früh tätig. Gab es jemals einen „normalen“ Berufswunsch?
Nun, als 8jähriger träumt wahrscheinlich jeder Bub einmal davon, so was wie Straßenbahnschaffner zu werden. Als Wiener Sängerknabe war mir mein Weg aber schon irgendwie vorgegeben, auch wenn es eine Zeit gab, in der ich mit dem Singen keine richtige Freude mehr hatte. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen und mein Großvater hat mich oft dazu gedrängt, bei irgendwelchen Festivitäten am Land – seien es Begräbnisse oder Hochzeiten – zu singen. Das ist mir damals ziemlich auf die Nerven gegangen und darum habe ich auch nach der Matura mit dem Studium der Malerei begonnen. Der Gesang ist dann später wieder dazu gekommen. Eine andere Berufsausbildung stand aber nie wirklich zur Debatte.
In Ihrem Wohnzimmer steht ein Grammy, und erst kürzlich wurden Sie mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis 2019 ausgezeichnet. Was bedeuten solche Auszeichnungen für Sie?
Ich bin keiner, der auf irgendwelche Titel oder Auszeichnungen großen Wert legt. Eigentlich sind sie mir ziemlich wurscht. Und obwohl ich der einzige Österreicher bin, der mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, stand der bei mir daheim 15 Jahre lang irgendwo hinten im Kasten. Erst vor einigen Jahren ist mir bewusst geworden, dass ein Grammy die höchste Auszeichnung ist, die ein Musiker bekommen kann. Heute bin ich stolz darauf und freue mich ungemein, dass das Ding bei mir im Wohnzimmer steht. Titel hingegen sind mir völlig egal – ich bin der, der ich bin!
Gibt es etwas, das Sie abseits von Musik und Malerei in Ihrem Leben gerne noch machen möchten?
Nein. Ich habe Kinder, Enkelkinder und eine Frau, mit der ich seit 37 Jahren verheiratet bin und die mit mir durch dick und dünn gegangen ist. Ich wüsste nicht, was ich noch brauchen würde. Wünsche wie „Einmal muss ich noch auf den Hochlecken rauf“ sind doch eher fadenscheinig.
Mit wem würden Sie gerne einmal einen Abend verbringen, und warum?
Wenn ich mir eine Zeit wünschen dürfte, in die ich zurückgehen könnte, dann wären es die Jahre zwischen 1890 und 1915, die große Ära der Operette. Ich würde gerne mit Oskar Straus an einem Tisch sitzen, mit Edmund Eysler Wiener Lieder singen oder mit Richard Tauber ein Glas Wein trinken.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Nun, ich bin ein Mensch, der nicht ruhig sitzen kann und für die Sachen, die er macht, brennt. Ich wünsche mir, dass mein großes Projekt „O-MIA“ auf fruchtbaren Boden fällt und dass es irgendwann einmal auch ohne mich weiter geht. Ich bin jetzt 61 und kann und will nicht ewig auf der Bühne stehen. In 10 Jahren möchte ich zwar noch dabei sein, aber vielleicht nur mehr eine Arie singen und die große Bühne jungen Leuten überlassen. Die Jugend muss ran und nicht wir alten Deppen.
 

PERSONALAKTE

Herbert Lippert
Geboren: 7. Oktober 1957 in Linz
Sternzeichen: Waage
Seit 1984 ist er Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper
Liebesstatus: glücklich verheiratet, 5 Kindern

www.herbertlippert.com

Fotos: © Redaktion, Günther Pichlkostner

2019-10-01T00:12:47+02:00