• Mercedes Echerer wurde am 16. Mai 1963 in Linz geboren, Sternzeichen Stier. Lebensmensch: Rupert Henning, 2 erwachsene Kinder (Zwillingspärchen). Sie lebt „prinzipiell aus dem Koffer, das trifft aber im Augenblick weniger zu“. Infos: www.mercedes-echerer.at

Ohne Wenn & Aber

Die Schauspielerin MERCEDES ECHERER über Corona, Konflikte und Respekt

Die gebürtige Linzerin Mercedes Echerer ist eine der renommiertesten Schauspielerinnen Österreichs. Im exklusiven CITY!-Talk fand sie starke Worte zu ernsten Themen unserer Zeit.

CITY!:  Im Jänner wären Sie mit Ihrem Programm „Rumänisches Roulette“ im Kulturpark Traun aufgetreten, im Mai mit „Mauthausen Kantate“ im Linzer Brucknerhaus. Beides abgesagt. Wie geht´s Ihnen in Zeiten von Corona?

Echerer: Die psychische Belastung, die uns allen abverlangt wird, teile ich wohl mit vielen Menschen; vor allem ist es die Unplanbarkeit der Arbeits- wie Lebenswelten, und auch diese Verunsicherung teile ich mit vielen. Es gab und gibt Phasen, wo es einem – auch mir – gelingt, das sogenannte Beste aus einer schwierigen Situation herauszuholen. Ich habe mich zum Beispiel endlich der „Kochwerkstatt“ gestellt und meine simplen Kochkünste verfeinert. Oder meine Spaziergänge durch eine stille Stadt haben mir Gassen und Winkel gezeigt, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Überhaupt bin ich aufmerksamer und wacher durch den Tag gewandelt und habe Prioritäten neu geordnet. Und das werde ich beibehalten!

Was macht diese Pandemie mit uns? Es zieht sich doch schon ein Riss durch die Gesellschaft…

Mehrere Risse, glaube ich. Wir suchen in einer komplexen Welt – und eine Pandemie ist eine komplexe Situation – nach raschen und einfachen Erklärungen. Wenn diese Sehnsucht immer heftiger wird, ist das eine Einladung an Fanatiker und Profiteure. Es liegt an uns, sich mit den vielen Meinungen und Haltungen auseinanderzusetzen, aber bitte auf Basis von Fakten. Und dabei darf man das Augenmaß für Relationen nie verlieren. Diese geistige Knochenarbeit im Alltag auch noch erledigen zu müssen, kann einem manchmal zu viel werden. Ich kenne dieses Ohnmachtsgefühl sehr gut!

Wie gehen Sie damit um?

Wie sagte meine Großmutter immer: „Ohnmacht heißt Aufgeben. Und aufgeben tuat ma an Briaf.“ Also suche ich die Menschen in meiner nächsten Umgebung auf, die den Konflikt nicht scheuen und nicht müde werden, einer Sache auf den Grund zu gehen.

Diese Gespräche und Begegnungen sind enorm lehrreich und motivierend. Ich bin überzeugt, jeder und jede hat solche Menschen in seinem Umfeld, aber hat sie vielleicht noch nicht erkannt.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, um die Situation in den Griff zu kriegen?

Wenn ich höre, dass in den meisten heimischen Spitälern die Auslastung der Bettenkapazitäten seit einem Jahr bei über 150% liegt, dann gibt’s’ für mich nur eins: Den Ratschlägen der Expert*innen zu folgen. Ohne Wenn und Aber! Koste es, was es wolle! Die Kosten, die auf uns zu kommen, wenn wir das nicht tun, werden weit höher liegen und uns eine viel längere Zeit belasten, als wir uns das derzeit vorstellen können.

Lassen Sie sich impfen?

JA!

Kommen wir zurück zu Ihnen persönlich. Sie sind in Linz geboren, ihre Mutter stammt aber – als Angehörige der ungarischen Minderheit – aus Siebenbürgen in Rumänien. Wie sehr sind Sie Linz nach wie vor verbunden?

Mit Linz verbindet mich die Donau, meine 3 liebsten Schulkolleg*innen und gemischte Erinnerungen. Ich bin selten, aber gerne in Linz. Und ich freue mich, dass es wieder eine echte Linzer Brauerei geben soll!

Und wie sehr Siebenbürgen? Geht’s in „Rumänisches Roulette“ auch um einen Teil Ihrer Familiengeschichte?

In dieser Geschichte ist (fast) nichts erfunden, nur abstrahiert. Es war schon lange ein Wunsch von mir, mich mit der Heimat meiner Mutter künstlerisch auseinanderzusetzen, denn mich haben die Begegnungen mit der Großfamilie in Siebenbürgen für mein Leben geprägt: Offenheit, Gastfreundschaft, gelebter Respekt und eine unglaubliche Vielfalt an Kultur. Davon wollte ich erzählen – auf lustvolle Weise, mit einer wunderbaren Truppe von Musikern, die diese Vielfalt auch repräsentieren. Meine Familie in Siebenbürgen hat in den beiden Weltkriegen und durch den Kommunismus dreimal alles an Hab und Gut verloren. Man hat ihre Namen und ihre Identitäten dreimal geändert, aber ihren Humor und ihre Würde haben sie gegen alles und jeden erfolgreich verteidigt.

Wie kamen Sie zu Ihrem doch eher ungewöhnlichen Vornamen Mercedes? Hatten Ihre Eltern eine Vorliebe für eine bestimmte Automarke oder waren sie eher Fans des Grafen von Monte Christo?

Weder noch. Meine Mutter ist die „originale“ Mercedes in unserer Familie. Sie erhielt diesen Vornamen, weil in ihrem Geburtsjahr (1932) in Siebenbürgen der spanische Kalender scheinbar sehr beliebt war. Zumindest behaupteten das meine unzähligen Großtanten und -onkeln.

Zur Schauspielerei haben Sie sehr früh gefunden und wir kennen Sie aus unzähligen Rollen am Theater, aber auch aus vielen Filmen oder TV-Serien (z.B. Walking on Sunshine, Schnell ermittelt, Winzerkönig). Was machen Sie lieber – Theater oder Film?

Es ist die Arbeit an sich, die mir Freude bereitet. Das Hineindenken und -fühlen in Figuren und die gemeinsame Suche mit den Kolleg*innen und Regisseur*innen, die Geschichte bestmöglich zu erzählen. Ob das ein einzelnes Gedicht ist oder ein Chanson, ein Drama in 5 Akten, eine TV-Episode oder ein Kinofilm, ist nicht das Entscheidende dabei. Aber ich gebe gerne zu: Der Live-Moment mit dem Publikum ist für mich unverzichtbar!

Sie waren auch 5 Jahre lang Abgeordnete zum Europäischen Parlament. Wenn Sie zurückblicken, welches Resümee ziehen Sie?

Diese Legislaturperiode 1999-2004 war sozusagen der Vorabend der großen Erweiterung der EU – 10 neue Mitgliedsländer sollten 2004 beitreten. Eine spannende Herausforderung, die teils sehr gut, teils weniger gut gelungen ist. Das andere große Thema in diesen Jahren war die Digitalisierung.  Medien und die gesamte  Kunst- und Kulturbranche standen vor großen Herausforderungen. Viele der Diskussionen, die derzeit öffentlich geführt werden, haben wir damals schon eifrig debattiert und uns um Lösungen bemüht. Zum Beispiel, wo eine digitale Dienstleistung erbracht wird und wo diese Leistung besteuert werden soll; oder das Urheber*innenrecht und die kollektive Verwertung dieses Rechts europaweit für das digitale Zeitalter fit zu machen. In diesem Bereich konnte ich mich besonders sinnvoll einbringen und meine Ex-Kolleg*innen behaupten sogar, ich hätte einen politischen Footprint im Bereich Urheber*innenrecht hinterlassen.

Gibt es etwas, das Sie in Ihrem Leben unbedingt noch machen möchten?

Solange ich meine kindliche Neugierde nicht verliere, warten spannende Aufgaben auf mich – wir werden sehen.

Welchen Rat würden Sie einer/einem heute 18jährigen geben?

Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um herauszufinden, wer du bist.

Mit wem würden Sie gerne einmal einen Abend verbringen, und warum? 

Das kann ich nicht beantworten, denn es ist stimmungsabhängig. Auf jeden Fall sollte es ein Mensch sein, der mich sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregen kann.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Gesundheit, Grundeinkommen für alle und den längst nötigen Systemwandel für ein besseres Klima – für die Umwelt ebenso wie für ein friedliches Zusammenleben.

Was macht Sie glücklich?

Erlebniszeit in der Natur. Und wenn ich sehe, dass etwas gelingt, ganz gleich ob mir oder anderen.

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PERSONALAKTE

Mercedes Echerer
Geboren: 16.5.1963
Sternzeichen: Stier
Liebesstatus: Rupert Henning, 2 erwachsene Kinder (Zwillingspärchen). Sie lebt „prinzipiell aus dem Koffer, das trifft aber im Augenblick weniger zu“.
Infos: www.mercedes-echerer.at

Fotos: © B.Dujmic, Hans Ringhofer

2021-05-03T20:54:13+02:00