Smarter Kurz-Talk

CITY! bat den Ex-Bundeskanzler zum lockeren Wahl-Gespräch

Wahlüberraschungen wird es bei der Nationalratswahl am 29.09. sicher wieder geben. Platz 1 aber scheint für die ÖVP unter Sebastian
Kurz (33) ebenso sicher zu sein..

Die Wahl am 29.09. scheint ja für Sie schon „gelaufen“. Wie fühlt man sich als unangefochtene Nr. 1 in allen Umfragen?

Momentan sieht es in den Umfragen gut aus für die Volkspartei. Aber Umfragen sind immer nur Momentaufnahmen. Zudem sehen wir, wie sich eine Allianz aus SPÖ und FPÖ bildet und auch im Parlament bereits die Zusammenarbeit probt – etwa bei der Abwahl der Regierung oder dem Parteienfinanzierungsgesetz, das die Ibiza-Vereine weiter schützt. Eines ist daher klar: Wenn es eine Mehrheit gegen uns gibt, dann wird sie genutzt werden. Darum wollen wir als Volkspartei so stark werden, dass es keine Mehrheit an uns vorbei geben kann.

Auch in der Kanzlerfrage kann Ihnen offensichtlich keiner das Wasser reichen. Was macht Kurz anders als die anderen?

Mein Team und ich sind angetreten, um zu gestalten und etwas zu verändern. Ich habe immer eine sehr klare Meinung zu verschiedenen Sachfragen gehabt, die finden manche Menschen gut und andere teilen diese Meinung nicht – das ist in einer Demokratie auch legitim. Ich nehme Kritik immer ernst, versuche aber auch, mich nicht zu sehr von Zwischenrufen beirren zu lassen und das zu tun, was ich für richtig erachte.

Was machte diese Bundesregierung so anders (eben weil auch sie sehr beliebt war und immer noch ist – auch in unserer Redaktion ist das ohne eigene Umfragen bekannt)?

Ich stelle immer wieder fest, dass die Menschen nach dem jahrelangen Stillstand froh waren, dass diese Regierung den Mut hatte, endlich große Reformen in Gang zu setzen. Die inhaltliche Arbeit dieser Bundesregierung war in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr gut und wir konnten viele wichtige Maßnahmen umsetzen: Wir haben die Schuldenpolitik nach über 60 Jahren beendet. Wir haben mit dem Familienbonus und anderen steuerlichen Entlasten dafür gesorgt, dass den arbeitenden Menschen mehr Geld zum Leben bleibt. Und wir waren auch im Kampf gegen die illegale Migration sehr erfolgreich. Diesen Weg der Veränderung wollen wir als Volkspartei weitergehen.

Empfinden Sie persönlich Ihr noch relativ junges Alter manchmal mehr als Vor- oder als Nachteil? Müssen Sie mehr „beweisen“ als ältere Regierungschefs?

In meinen ersten Jahren als Integrationsstaatssekretär und später auch als Außenminister hörte ich oft den Vorwurf, ich sei viel zu jung für das Amt. Das ging mir damals natürlich nahe. Auch als ich 2017 die Volkspartei übernommen habe und wir die Wahl gewonnen haben, haben wieder viele Zeitungen und auch politische Mitbewerber mein Alter zum Thema gemacht. Ich habe aber damals wie heute immer versucht, meine Arbeit so gut ich kann zu machen und mich nicht von derartigen Kommentaren von meinem Weg abbringen zu lassen. Damit bin ich bisher eigentlich ganz gut gefahren.

Wann beginnt und endet Ihr Arbeitstag „gewöhnlich“?

Im Regelfall startet mein Tag relativ früh am Morgen. Gleich nach dem Aufstehen lese ich die Nachrichten, informiere mich darüber, was im Land gerade passiert und was im Terminkalender ansteht. Je nachdem, wann mein erster Termin für den Tag angesetzt ist, breche ich zwischen 6 und 7 auf. Meistens geht es ab da an von einem Termin in den nächsten, bis ich am späten Abend wieder nach Hause komme.

Sie sind viel und lange unterwegs – wie kommt Ihre Lebensgefährtin damit klar?

Meine Freundin Susanne und ich kennen uns schon seit der Schule, insofern hat sie mich auch auf jedem Schritt meines politischen Wegs begleitet. Schon in meiner Zeit als Außenminister war ich viel im Ausland unterwegs. Sie können sich vorstellen, dass sich daran in meiner Funktion als Bundeskanzler nicht viel verändert hat. Es stimmt, leider kommt Freizeit in meinem Job oft zu kurz, aber mir macht meine Tätigkeit viel Freude, daher ist das auch kein Problem. Ich schaue, dass ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie verbringe.

Die Österreicher waren und sind in ebenfalls so ziemlich allen Umfragen mehrheitlich für eine Forstsetzung von Türkis-Blau. Ich frage jetzt nicht nach Ihrer bevorzugten Koalitionsvariante. Weil ich die Antwort ohnehin schon kenne… ich frage aber: könnten Sie sich mit FP-Chef Hofer einen Neuanfang grundsätzlich überhaupt noch vorstellen? Oder glauben Sie in Wahrheit und aus einer persönlichen Enttäuschung (nach Ibiza) heraus, dass diese „Ehe“ in Wahrheit eher heillos zerrüttet ist, das also eher schwierig wird – zumal man sich ja schon jetzt im Vorfeld gegenseitig in so mancher Hinsicht schwer „einzementiert“ hat und sich gegenseitig Koalitionsbedingungen ausgerichtet hat (Stichwort Kickl, BMI)

Wir haben als Volkspartei von Anfang an klar gesagt, dass wir, sollten wir gewählt werden, mit allen Parteien Gespräche führen wollen. Aber: Wer das politische Geschehen im Land beobachtet, der merkt, dass bereits an Mehrheiten an uns vorbei gearbeitet wird. Für mich ist das Wichtigste, dass wir als Volkspartei auch nach der Wahl weiter unsere Inhalte und Vorhaben umsetzen können.

Letze Frage: was bleibt vom Programm Kurz 1 – wenn Sie wieder Kanzler werden – und was wird wohl anders in der Regierung Kurz 2?

Wenn wir uns die Arbeit der letzten Bundesregierung anschauen, ist uns sehr viel gelungen. Österreich steht gut da. Wir haben in der Wettbewerbsfähigkeit aufgeholt und große Investitionen nach Österreich holen können. Wir haben die Menschen entlastet und gleichzeitig die Schuldenpolitik beendet. Das Fundament steht, aber wir sind noch nicht am Ziel. Jetzt müssen wir die großen Zukunftsthemen angehen: Die Menschen in Österreich brauchen Arbeit, von der sie leben können. Wir wollen außerdem sicherstellen, dass man in unserem Land in Würde altern kann. Darüber hinaus brauchen wir Lösungen für die großen globalen Herausforderungen. Die Zukunft der EU und der weltweite Klima- und Umweltschutz sind Themen, die wir bereits heute angehen müssen.

Sebastian Kurz
im WordRap

Österreich ist…    meine Heimat.
Am 29.09. sollte man wählen…    die neue Volkspartei.
Politik ist…    die Möglichkeit, zu gestalten.
Die Türkis-Blaue Koalition hat…   viele wichtige Maßnahmen umgesetzt und den Mut gehabt, große Reformen anzugehen.
Bundeskanzler sein bedeutet…   Verantwortung zu übernehmen.
Privatleben ist…   ein wichtiger Ausgleich zur Arbeit, kommt aber leider oft etwas zu kurz.
Gute Freunde nennen mich…  Sebastian.
Bier oder Wein…   Ich trinke beides gerne hin und wieder zum Abendessen.
Mein liebstes Essen…   Nudelgerichte und Wiener Schnitzel.
Mit Kritik…    kann man sich immer an mich wenden.
Krawatten sind…   manchmal notwendig.
Meine schönste Reise…   ist in die Berge.
Umwelt- und Tierschutz…  sollten eine Selbstverständlichkeit sein.
Ich habe (k)ein Haustier…   weil mir die Zeit dafür leider fehlt. Ich hätte aber gerne irgendwann einen Hund.
Ich kann nicht leben ohne…   mein Handy.
Meine liebste App…   Runtastic.
Meine Handynummer haben…   Kollegen, Freunde und Familie.
Das würde ich nie tun…    meine politischen Mitbewerber anpatzen.
Wenn ich ins Hotel einchecke schreibe ich ins Feld Beruf…   Politiker.
Das möchte ich unbedingt noch einmal machen…    Als begeisterter Bergsteiger gibt es für mich noch einige Gipfel zu erklimmen. Welcher der nächste sein wird, weiß ich aber noch nicht.
OÖ. ist…   ein wirtschaftlich starkes Bundesland mit fleißigen Einwohnern und einem wunderschönen Landschaftsbild.
Linz ist…    eine sehr vielfältige und kulturelle Stadt.
Steyr ist…    ein Wirtschaftsmotor für Oberösterreich.
Wels ist…    eine Stadt mit sehr viel Potential.
Meine letzten Worte sollen sein…    darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Fotos: © City!

2019-09-30T23:55:24+01:00