• Lust auf a guats Kaffeetscherl im Café Traxlmayr? Er hat sofort „Ja“ gesagt. So ist nun Modeschöpfer Gottfried Michael Birklbauer mein Gast. Ein echt sympathischer Typ mit Kreativitätssinn!

Modegott mit Bodenhaftung

Der Linzer Gottfried Birklbauer begeistert auch die internationale Modewelt.

Wenn ich sage, das ist der Gottfried, mit dem ich jetzt eine Tasse Kaffee trinke, dann denken sofort alle an Mode und an das mittlerweile 54-jährige Linzer Ausnahmetalent, das hinter großartigen Kreationen steckt.

Wie bist du überhaupt zu diesem Namen gekommen?
Ich komme ja aus einer bäuerlichen Familie und habe eben den Nachnamen Birklbauer. Leute, die sich mit Marketing auskennen, haben damals gemeint, dass mein Vorname Gottfried für sich allein aber eben etwas Spezielles ausdrückt. Dabei bin ich dann auch geblieben.
Du bist in Haibach im Mühlviertel aufgewachsen. Wie war da der Konnex zur Mode? Wer hat dich dazu inspiriert?
Das war meine Mutter, die zum Beispiel für die Erstkommunion selbst Kleidung angefertigt hat. Ich habe von ihr viele Sachen bekommen. Für mich war es schon als Kind faszinierend, was man alles aus einem Stück Stoff machen kann! Da war bald klar, dass ich in eine Modeschule gehen möchte. Und ich habe dann die HBLA in der Prinz-Eugen-Straße besucht. Später ist die Schule übersiedelt und den Abschluss machte ich bereits im Lentia. 
Du hast später auch quasi ein Lehr- und Wanderjahr im Ausland absolviert. Wo?
Ja, ich bin für ein Jahr nach Rom gegangen und habe dort für die Cinecitta gearbeitet und auch die Damenwelt der Ewigen Stadt eingekleidet. Rom hat schon etwas. Bereits mit der Jungschar war ich dort. Diese Stadt hat etwas Elegantes. Das hat Mailand sicherlich auch, aber dort geht es sehr stressig zu. In Rom hingegen fand ich genau den Lebensstil, den ich mit Italien verbinde. 
Dein erstes Atelier hast du bereits im zarten Alter von 22 Jahren eröffnet. Wie war der Weg dorthin?
Nach der Meisterklasse habe ich ein Jahr lang auch ein Praktikum in einer Konfektionsfirma absolviert. Das lag mir aber nicht besonders. Ich wollte lieber mit eigenen Ideen zu den Kunden. In der Waltherstraße habe ich dann zwei Räume gehabt, wo ich leben und arbeiten konnte. Meine Familie hat mich beim Start auch unterstützt. Später bin ich in die Herrenstraße übersiedelt und möchte dort gerne noch 30 weitere Jahre arbeiten (lacht).
Du wohnst auch privat dort, aber du bist ja in der ganzen Welt zuhause. Wie hast du diese Bekanntheit erlangt?
Meine Leidenschaft ist die Mode und ich kann das Berufliche vom Privaten auch sonst schwer trennen. Internationale Bekanntheit hat mir eine Kampagne der Lenzing AG beschert, die als Faserhersteller mit dem bekannten Fotomodell Naomi Campbell gearbeitet hat. Für das oberösterreichische Unternehmen musste eben ein Linzer Modedesigner entwerfen – diese Entscheidung für mich war gleichzeitig auch eine Bestätigung für viele meiner Kundinnen, die sich gefreut haben. Natürlich war ich auch froh, dass ich nun in einer anderen Liga spielen konnte.
Wo führt dich diese Bekanntheit nun überall hin?
Ich bin natürlich viel in Italien, wurde etwa auch schon in London zu den British Fashion Awards eingeladen und bin gerade eben zurück von einem Fotoshooting in Südafrika.
Was macht denn Mode von Gottfried aus?
Das habe ich mich selbstkritisch auch schon gefragt. Eine Kundin aus Hamburg hat unlängst zu mir gesagt, dass sie sich einfach etwas von Chanel kaufen könnte, aber sie es toll findet, dass ich mit Stoffen direkt zu ihr komme. Es ist wohl dieser direkte Kontakt zu den Kunden, die mich dann auch weiterempfehlen. Diese Marktlücke ist sicher ein Teil meines Erfolges. 
Du bist also viel unterwegs. Ist das nicht auch anstrengend?
Nein. Ich fahre nämlich unheimlich gerne mit dem Auto. Da kann ich mich echt entspannen. Meine Ziele sind oft Monaco, St. Moritz, Rom und Mailand. Da kommen schon viele Kilometer zusammen, wenn man beispielsweise für die monegassische Fürstenfamilie oder für Francesca Habsburg arbeitet. Es ist natürlich ganz schön skurril, wenn man 1.000 Kilometer zurücklegt, nur um ein Kleid zu nähen. 
Machst du auch Herrenmode oder nur Kreationen für die Damenwelt?
Ich produziere zu 99 Prozent für Damen, denn ich habe dort mehr kreative Möglichkeiten und es ist daher auch spannender.
In welchem Preissegment bewegen wir uns da?
Meine Kleider sind Einzelstücke und werden hier im Atelier gefertigt. Ab 1.000 Euro bekommt man wirklich etwas Schönes. Nach oben hin sind da kaum Grenzen gesetzt, weil natürlich auch der Materialpreis eine Rolle spielt und es eben sehr edle Stoffe gibt.
Woher kommen diese Stoffe?
Hauptsächlich aus Italien. Die Vertreter besuchen mich schon über Jahre hinweg. Lodenstoffe kaufe ich in Österreich. Besondere technische Materialen, die etwa knitterfrei sind, beziehe ich aus Japan.
Du sitzt jetzt im Traxlmayr und schließt die Augen. Es blühen die Bäume und du hättest gerne einen Stoff mit dem Blütenmuster. Wie gehst du das jetzt genau an?
Ich rufe in Mailand an und frage meinen Stoffweber, ob er so ein Blütenmuster hat. Meistens findet sich auch etwas. Vielleicht nicht genau in der Farbe, sondern etwa in Pastelltönen. Aber es lässt sich immer eine Lösung finden, weil ich über die Jahrzehnte schon sehr gute Kontakte gesammelt habe. 
Du hast auch ein zeichnerisches Talent. Hilft dir das?
Ja, ich erinnere mich an eine Kundin, deren Lieblingsblume eine Kamelie war. An der Schulter sollte diese Blume stilisiert werden. Ich habe dazu Skizzen gefertigt und letztlich waren wir genau bei der Blüte, die der Kundin gefallen hat. Und es gelang, diese Vision auch umzusetzen.
Muss man den Damen da auch etwas einreden oder vertrauen die dir zu 100 Prozent?
Das Spannende ist, dass ohnehin nur Damen zu mir kommen, zu denen ich einen Draht habe und die mir vertrauen. Ich ziehe die Kundinnen an, die ich dann auch anziehen kann. Zu mir kommen Menschen mit Sinn für Ästhetik, die auch das Handwerkliche schätzen. Wer etwas Schrilles will, geht eher gleich gar nicht zu mir. 
Und wie funktioniert das gesellschaftliche Leben? Du bist ja sicher zu vielen festlichen Anlässen eingeladen?
Das gehört zu meinem Job. Und ja, es schmeichelt mir auch, wenn zum Beispiel auf einer Hochzeit eine Frau im Mittelpunkt steht, die durch meine Kreativität mit ihrem Kleid aus der Menge heraussticht. Ich habe die Menschen also gerne und umgebe mich auch sehr gerne mit ihnen. Aber ich bin kein Partytiger. Ich liebe es, am Rande zu stehen und zu beobachten. Ich war ja auch schon ganz grundsätzlich kein Kind, das in der Welt der High Society groß geworden ist. Natürlich ist es interessant, sich mit schönen Frauen zu treffen, das gefällt doch jedem Mann. Ich mag‘s aber auch sehr bodenständig, gehe etwa gerne mit meinen Patenkindern Schwammerl suchen und genieße Zuhause bei meinen Eltern überbackene Speckknödel. Mmmmh!
Wie ist das, wenn du nach Haibach kommst? Wie reagieren die Leute? Trauen sie sich, dich noch anzusprechen?
Selbstverständlich, unbedingt, das will ich auch so! Egal wo und mit wem ich davor auch unterwegs war. Wenn ich am Wochenende im Mühlviertel bin, dann rede ich ganz normal mit den Nachbarn und sie mit mir. Niemand behandelt mich quasi über den Gartenzaun wie einen Star (lacht).  
Ein besonderes Erlebnis?
Ein Treffen in New York  City mit Oscar-Preisträgerin Meryl Streep! Ich war so aufgeregt, dass ich zuerst kein Wort herausbrachte und am liebsten gar nicht hingegangen wäre, obwohl ich mich gut vorbereitet habe. Ich traf sie in der Carnegie Hall und sie war so etwas von herzlich! Beim Maß nehmen hatte sie nicht so viel Zeit, weil sie meinte, dass ihr Sohn bald nach Hause käme und sie noch etwas aus dem Kühlschrank zaubern müsste. Echt eine umwerfende Frau! Und auch sie hat ein Gottfried Original im Kasten. Das fühlt sich schon cool an!
Gab es auch schon einmal eine elegante Pleite, einen „Einfahrer“, wie man so schön sagt?
Ja, klar. Auch ich bin davor nicht gefeit. Etwa dachte ich bei einer Einladung von Aristokraten auf einem Landschloss, dass eine Lederhose die ländliche Atmosphäre gut treffen würde. Dort waren dann aber alle extrem elegant angezogen und ich habe mich aufgrund der Garderobe wirklich fehl am Platz gefühlt. Puh…
Wir sitzen hier im Traxlmayr und sehen die Menschen, die hier hereinkommen. Ist das für dich als Modeschöpfer nicht auch interessant?
Ich bin schon ein visueller Mensch und habe ein waches Auge. Ich schaue, wie geschickt Dinge miteinander kombiniert werden und wie sich Menschen in ihrer Kleidung bewegen. Das nehme ich schon wahr, wenn ich ihnen zugewandt bin. 
Du nimmt ja auch Kontakt mit den Menschen über deinen Blog auf. Wie kommt das an?
Auf Instagram gibt es mittlerweile eine Community, die gerne schaut, was für Ideen ich habe oder wo ich mich gerade befinde. Ich habe auch schon erlebt, dass eine Kundin gesagt hat, dass sie ein bestimmtes Kleid auf Instagram von mir gesehen hat und sie es ebenfalls gerne – nur in einer anderen Farbe – hätte.
Sind es nur Kleider, die du für die Damenwelt fertigst?
Ich entwerfe alles, was eine Frau braucht, auch beispielsweise einen Business Anzug. Kürzlich hatte ich auch eine Kundin, die einen Kaschmirmantel für ihren Hund anfertigen ließ.
Du kennst das Weltgeschehen ja aus deinem Blickwinkel. Wie empfindest du die Situation gegenwärtig?
Ich denke, es ist ein Glück in Österreich geboren zu sein und hier leben zu dürfen. Mir wurde das zuletzt in Südafrika bewusst, wo es enorme Klassenunterschiede gibt. Als Beobachter zieht das einen auch runter und man engagiert sich für soziale Projekte – sicher auch, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Und gerade zuletzt im Lockdown hat sich mir gezeigt, dass unser System auch funktioniert und ich von ihm in schwierigen Zeiten sogar etwas zurückbekomme. Meine Kollegen in Italien mussten etwas Anderes erleben.
Ist dein Atelier in der Herrenstraße für Interessierte offen?
Wenn gerade eine Kundin da ist, wäre es nicht so gut, weil diese private Atmosphäre nicht gestört werden soll. Ansonsten kann man natürlich gerne einen Termin vereinbaren. 
Mir fällt auf, dass die Stöckelschuhe immer seltener werden. Ist das zu bedauern?
Es ist der heutigen Lebenssituation von Frauen geschuldet, die bequeme Schuhe wie Sneakers erforderlich machen. Sie haben viel um die Ohren und müssen schnell und wendig sein. Das ist zu akzeptieren, auch wenn hochhackige Schuhe beispielsweise am Abend in einem Theater wirklich eine megamäßige Wirkung haben und eleganter wirken.
Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
Ich mache meinen Job erfolgreich und mit Leidenschaft.Meine Familie ist gesund und ich bekomme mit, wie meine Patenkinder sich entwickeln. Wenn das die nächsten Jahrzehnte so bliebe, dann wäre ich schon der glücklichste Mensch. Deine Botschaft an uns …
Ich empfinde es als ein Privileg, dass meine Eltern mein Talent erkannten und Lehrer es ebenfalls förderten, weshalb ich einen Beruf daraus machen konnte. Dafür bin ich so unendlich dankbar! Ich darf das Leben der Menschen schöner machen und das betrachte ich als Geschenk. Deshalb appelliere ich an die Gesellschaft, nicht zu nivellieren, sondern sich auf die Stärken junger Menschen zu konzentrieren und diese zu fördern.

im WordRap
Geboren: 24.3.1968
Sternzeichen: Widder

Ein guter Tag beginnt… mit Cappuccino und drei Honigbroten
Mode ist… mein Leben
Kleider machen… natürlich (!) Leute 😉
Der Preis eines Kleidungsstücks… sollte gerechtfertigt sein,
sodass man doch bitte nicht nur für das Label bezahlt
Von aktuellen Modetrends halte… ich nur bedingt etwas
Am kreativsten bin ich… bei extrem viel Stress und Druck
Promis sind… immer wieder spannend
Erfolg ist… wenn man mit sich und dem Umfeld im Reinen ist
Bodenständigkeit… ist gerade in meiner „Welt“ sehr wichtig
Heimat ist… – trotz Liebe zu Linz – mein Mühlviertel
Twinni grün oder orange… Grün
Geld bedeutet… mir persönlich nicht sonderlich viel, es ist
aber schön, wenn man es hat
Meine letzte gute Tat… war, als ich heute in der Früh dem
Obdachlosen am Eck ein Schinkensemmerl gekauft habe
Diesen Wunsch möchte ich mir erfüllen… die Mittelmeerinsel
Capri noch mindestens einmal sehen

Fotos: © Gottfried Birklbauer, Duschelbauer

2022-04-07T10:40:52+02:00