• REGIERUNGSCHEF. Landeshauptmann Thomas Stelzer (OÖVP) vor seinem Arbeitsplatz dem Linzer Landhaus an der altehrwürdigen Promenade. Danach gings zum Sommer-Interview ins Restaurant „Pianino”.

Herausfordernde Zeiten in OÖ

Landeshauptmann Thomas Stelzer über den Balanceakt Corona und die Zukunft im Land

Die Covid19-Krise hat sich mittlerweile bei uns im „Alltag” etabliert, wobei wir eventuell schon auf die 2. Welle im Herbst zusteuern. Ein Landeshauptmann kann in dieser Situation sicherlich viel dazu beitragen, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die eigenen Fähigkeiten gestärkt wird. Er kann durch vorausschauende Entscheidungen sowie durch seine Vorbildwirkung die Stimmung im Land verbessern. Was LH Thomas Stelzer auch im CITY!-Sommerinterview tut.

Wo haben Sie mit Ihrer Familie heuer den Urlaub verbacht?
Stelzer: Wir haben Urlaub in Österreich gemacht, ein bisschen in den Bergen mit ein paar schönen Wanderungen – und dann ging es weiter zum Wörthersee. Das war aber immer begleitet von Videokonferenzen und viel Telefonkontakt, weil es die Situation einfach erforderte und man da nicht ohne weiteres abschalten kann.
100 Prozent Urlaub gibt es für einen Regierungschef sowieso nicht, oder?
Es ist gut, wenn man erreichbar ist und, wenn etwas zu entscheiden wäre, dass man dann auch schnell am Drücker ist.
Das Corona-Virus hat uns immer noch im Griff. OÖ. hat es im Sommer bekanntlich besonders erwischt. Mit welchen Gefühlen gehen Sie jetzt in den sicher noch kritischeren Herbst?
Ich glaube, wir alle miteinander müssen es schaffen, zu akzeptieren, dass dieses Virus uns noch länger begleiten wird. Daher müssen wir den Balanceakt zwischen möglichst viel Gesundheitsschutz, aber auch möglichst viel Wirtschaften, Arbeiten und gesellschaftlichem Leben bewältigen. Es verlangt auch viel Eigenverantwortung, die neuen Grundregeln einzuhalten. Denn das Um und Auf besteht darin, unvorhergesehene und ausufernde Infektionen zu verhindern.
Was raten Sie besorgten Eltern kurz vor dem Schulstart?
Wie vorhin schon gesagt, die Regelungen, die wir jetzt haben – Hygiene, Abstand halten und dort, wo Abstand nicht geht, eine Maske zu tragen – sind einfach unsere Begleiter, einfache, aber wirksame Mittel, um großflächige Infektionen oder Ausbrüche zu verhindern. Das gilt auch für den Bildungsbetrieb. Es ist wichtig, dass wir die Bildung den Menschen vor Ort anbieten und sichern können. Und natürlich geht es auch um die Betreuung der Jüngeren. Da haben die Eltern heuer ohnehin schon sehr viel auf sich nehmen müssen.
Maskenpflicht an der Schule?
Minister Faßmann hat ja vorgestellt, wie das mit der Schule geht. Wir werden jetzt österreichweit die Ampelregelung bekommen, und das ist auch gut, weil wir dann für die ganze Republik dieselbe Messlatte und dieselben Vergleichswerte haben, ab wann welche Maßnahmen zu setzen sind. Das wird dann auch für die Schulen gelten.
Halten Sie einen zweiten Lockdown für möglich?
Also ich kann nur sagen, der große Lockdown, den wir hatten, war leider nötig, ist aber in dieser Form sicher nur einmal verkraftbar. Wenn man sieht, welche Auswirkungen das auf den Arbeitsmarkt hat und wie sich das nachhaltig auf die Wirtschaft auswirkt, dann müssen wir alles tun, damit wir so eine radikale Maßnahme verhindern, denn das wäre aus meiner Sicht nicht auszuhalten.
Wie schützen Sie sich ganz persönlich?
Indem ich versuche, so wie wir es für alle empfehlen, Abstand zu halten, Handhygiene zu praktizieren und Maske zu tragen. Es ist sehr gewöhnungsbedürftig, weil man natürlich gewohnt ist, die Hände zu schütteln. Man kann sich aber auf einen Meter Distanz auch gut unterhalten.
Wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen jemand die Hand reicht?
Ich versuche das immer gleich zu symbolisieren: durch Verneigen oder durch entsprechende Körpersprache, dass ich freundlich und gerne auf das Gegenüber zugehe, aber halt leider momentan nicht die Zeit des Händeschüttelns ist.
Drei Themen, die in letzter Zeit bewegten – bitte um möglichst kurze Antworten: St. Wolfgang?
Ein Aushängeschild für OÖ., bei dem wir jetzt schon wieder viele Gäste empfangen können und das sich hoffentlich touristisch wieder gut entwickelt.
Tschetschenische Sittenwächter?
Unglaublich und nicht zu akzeptieren, dass wir in unserem Staat Derartiges haben. Und da muss man auch mit voller Härte vorgehen.
54 Mio. Gemeindepaket?
War notwendig und soll den Gemeinden und Städten auch helfen, vor Ort zu investieren, weil diese Investitionen in der Region sehr wirksam Arbeitsplätze sichern.
In rund einem Jahr wählt OÖ. Sie sind stabil und mit Abstand in allen Umfragen seit Jahren schon die Nummer 1. In Wahrheit jetzt schon „a gmahte Wiesn“?
Die Wahl ist erst in einem Jahr. Eine Wahl ist immer eine Herausforderung. Meine Aufgabe ist es, jetzt jeden Tag hoffentlich das Richtige zu tun und diesen Balanceakt mit Corona zu schaffen.
Worauf wollen Sie in den verbleibenden 12 Arbeitsmonaten bis zur Wahl noch besonderes Augenmerk legen?
Da ist natürlich unter den geänderten Rahmenbedingung – nachdem das Virus unsere Welt auf den Kopf gestellt hat – zunächst einmal die Überbrückung der unmittelbaren Notlage. Dann geht es gleich darum, dass wir unter den neuen Rahmenbedingungen Oberösterreich wieder stark machen, dass wir ein starker Wirtschafts- und Arbeitsstandort bleiben und in manchen Bereichen auch wieder werden, und dass wir auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt pflegen. Denn ein dichtes soziales Netz gehört auch zu einer Wohlstandregion dazu.
Sie haben in der Zeit gespart und jetzt Geld in der Not gehabt. Wie lange reicht das Geld noch für die verbleibende Not?
Es schlägt jetzt die Stunde der öffentlichen Hand, dass wir kräftig investieren und auch Sicherheit schaffen. Das ist die Aufgabe des Staates. Aber natürlich, wir tun uns leichter, weil wir in den letzten Jahren maßvoll hausgehalten haben und Schulden abgebaut wurden. Dieser Null-Schuldenkurs ist jetzt unterbrochen, für mich aber keinesfalls beendet. Ich möchte schon, dass, wenn alles wieder in Schwung ist, wir diese Linie weiterverfolgen.
Werden Sie heuer noch Gelegenheit für eine zumindest kurze Auszeit haben?
Ich glaube, dass wir sehr gefordert sein werden und die Arbeit im Vordergrund steht.

Tom Stelzer
im WordRap

Geboren: Linz, 21.2.1967
Sternzeichen: Fische
Liebesstatus: glücklich verheiratet, 2 Kinder

Ein guter Tag… beginnt mit einem starken Espresso

Neben Handy und Brieftasche habe ich immer… einen Kugelschreiber eingesteckt

Sommersalat oder Essigwurst… Sommersalat

Witze finde ich… total lustig, aber ich kann sie mir leider nicht merken

Ärgern kann ich mich… über vieles, meistens über Unkonzentriertheiten oder, wenn etwas zu langsam geht

Frühaufsteher oder Spätzubettgeher… beides

Masken sind… notwendig und sollen uns vor gröberen Schritten bewahren

Aus Corona haben wir gelernt… dass nichts im Leben sicher ist und nichts Bestand hat, wir aber vieles selber in der Hand haben

Die Bussi-Bussi-Gesellschaft… wird jetzt auf längere Zeit ausgedient haben

Gernot Blümel – Finanzminister oder Wiener Bgm. … Jetzt Finanzminister, aber warten wir die Wahl im Oktober ab

Mein Lieblingsplatzerl in OÖ… Der Blick über die Landeshauptstadt vom Freinberg aus

Fotos: © eventfoto.at

2020-08-31T21:58:39+02:00