• BEI WITZANY. Die sportliche Postzustellerin Conny Just hat natürlich auch eine private Seite: Sie liebt den Fußball und bezeichnet sich als Familienmensch mit einem großen Freundeskreis.

Wir bringen des scho außi

Diesmal war Postzustellerin Conny Just (33) bei mir zu Gast.

Warum? Weil sie einen Job hat, der jetzt in der Adventszeit besonders fordernd ist und sie dafür sorgt, dass bei uns zu Weihnachten eben nicht die Post abgeht. Zudem sieht die sympathische Steyrerin in ihrem Beruf eine echte Berufung.

Was war denn eigentlich der Grund, Postzustellerin zu werden. Du bist mittlerweile ja in der Hierarchie aufgestiegen und Teamleiterin geworden?
Ich wurde Postzustellerin, weil mich eine Freundin gefragt hat, ob ich das einmal ausprobieren will. Ich habe ja Malerin und Anstreicherin gelernt, aber es war mir nach ein paar Jahren dann zu anstrengend, insbesondere das Schleppen der Kübel. Ich bin aber gerne draußen unterwegs und mag es, mit Menschen zu reden. Die Kollegin, die mich damals gefragt hat, war außerdem immer so gut gelaunt. Schon alleine deshalb, wollte ich das ausprobieren. Ja, und dann bin ich eben geblieben.
Und wann ist dieser Einstieg gewesen?
Vor zehn Jahren. Damals habe ich ganz normal als Briefzustellerin begonnen. Da hat es für uns auch noch keine Pakete gegeben. Obwohl ich in Steyr geboren bin und jetzt auch wieder dort wohne, habe ich in Linz angefangen. Ich war dort für sechs Jahre wegen der Freunde und des Fußballs.
Steyr ist geografisch aber ein Gebiet, das von sehr vielen Bergen umgeben ist. Das dürfte also nicht ganz einfach sein.
Ja, das ist wirklich nicht leicht. Wenn der Winter so richtig mit dem Schnee und dem schlechten Wetter einsetzt, ist das echt beinhart. Ich habe da Glück, weil ich in der Stadt bin, aber für die anderen Kollegen ist das immer eine Herausforderung.
Was ist denn genau deine Aufgabe? Als Teamleiterin bist du ja die Chefin von zwölf Mitarbeitern.
Es geht unter anderem um die richtige Einteilung der Leute. Es muss ja gewährleistet sein, dass in jedem Rayon bzw. Poststellenbezirk verteilt wird. Jeder braucht einmal Urlaub und auch dann müssen die Kunden ihre Postsendungen weiterhin erhalten. Das gilt auch, wenn es krankheitsbedingte Ausfälle gibt. Die Aufgabe besteht dann darin, die Kollegen zu motivieren, dass sie vielleicht auch ein Stück weiter fahren als sonst. Wir schauen, dass das organisiert wird.
Was sind denn jetzt die hauptsächlichen Zustellartikel – mit Ausnahme der Briefe? Man sieht ja jetzt in der Vorweihnachtszeit, dass die Briefträger zunehmend Pakete herumschleppen.
Unser Hauptgeschäft sind zweifellos die Briefe, aber die Pakete und die Werbesendungen werden immer mehr. Das spüren wir von Jahr zu Jahr. Seit Corona boomen die Pakete.
Und die Zeitungen auch?
Gratis-Medien boomen wie normale Werbung. Darüber hinaus stellen wir auch Tageszeitungen wie die Oberösterreichischen Nachrichten oder die Krone zu.
Die Post hat eine lange und bewegte Geschichte. 1490 hat Kaiser Maximilian die erste Postverbindung errichtet. Karl VI hat die Post zum Staatsmonopol erklärt, zwischen 1875 bis 1956 hat es Rohrpost in Wien gegeben, 1966 sind die ersten Postleitzahlen bei uns aufgetaucht und seit 2011 verwendet die Post die ersten Elektroautos. Heute ist sie das Unternehmen in Österreich, das mit über 2.000 Elektroautos die größte grüne Fahrzeugflotte hat. Wie kommt es, dass das Unternehmen heute so handelt?
Man muss schon sagen, dass die Post  sehr dahinter ist, um mit Elektromobilität den Weg Richtung Klimaneutralität zu gehen. Wir machen das Schritt für Schritt. Bei unserer Basis sind wir mittlerweile bei 30 Elektroautos. Das ist die Hälfte des gegenwärtigen Bestandes.
Cornelia lass uns ein bisschen in die Praxis schauen. Die beginnt ja wohl nicht erst um 8 oder gar 9 Uhr am Vormittag, sondern – so fürchte ich – schon  ganz viel früher, oder?
In meinem Arbeitsalltag beginnt der Job zwischen fünf und viertel nach fünf.
Das heißt wann aufstehen?
Um halb fünf.
Puh. Im Winter ist es um diese Uhrzeit doch noch grabesfinster…
Ich bin meistens alleine auf der Straße, wenn ich in die Arbeit fahre. Da sehe ich ohnehin nicht so viele Menschen.
Und was passiert dann in der Arbeit?
Später kommen schön langsam die Kollegen. Denen gilt es zu sagen, was an diesem Tag die Aufgaben sein werden. Natürlich wissen die das ganz allgemein, aber es kann ja sein, dass etwas Neues hinzugekommen ist, etwa weil jemand krank wurde. Im Prinzip geht es darum, zu sagen, dass eigentlich alles beim Alten geblieben ist und wir wieder alles schaffen werden. Das ist wichtig, weil die Kollegen zu Dienstbeginn wirklich einen Stress haben. 
Wenn man sich als Laie jetzt die weitere Praxis vorstellt: Ist da ein Haufen von Briefen und Zeitungen, vor dem die Mitarbeiter stehen? Und wer sortiert das dann aus?
Wir befinden uns in einer riesigen Halle und jeder Rayonbetreuer hat einen eigenen Tisch. Die Briefe und Kataloge kommen in Kisten.
Sind die gar schon sortiert?
Die normalen Kleinbriefe kommen bereits sortiert an. Alles Größere ist noch nicht sortiert. 
Und woher kommt die sortierte Post?
Das geschieht in Allhaming und wird von einer Maschine übernommen. Das Gebäude dort ist gewaltig. Es wird von Jahr zu Jahr größer.   
Wieviel Briefe und Packerl kommen da am Tag auf dich zu?
In meinem Rayon sind es so zwischen 1.000 und 1.500 Briefe. Da sind aber auch schon die Kataloge eingerechnet. Dann hast du natürlich auch Werbematerial. Das sind auch etwa 300 bis 400 Stück. Bei den Paketen hat man als Zusteller mit so etwa 50 bis 100 Stück im Durchschnitt zu rechnen.
Und ich nehme an, die Pakete werden jetzt in der Vorweihnachtszeit sicherlich noch mehr?  
Wenn man einen normalen Rayon rechnet, der am Tag so um die 80 Pakete hat, dann sind es in der Hauptsaison schon vielleicht einmal an die 300 Stück.
Ergeben sich bei diesem Beruf auch persönliche Nahverhältnisse? Lernt man die einzelnen „Kunden“ kennen? 
Ja, schon. Wir schauen, dass gewisse Stammzusteller immer den gleichen Rayon haben, wenn sie schon länger dabei sind. So habe auch ich als Teamleiterin einen persönlichen Kontakt zu den Leuten. Man kommt auch täglich hin. Da findet schon einmal ein Gespräch statt. Es wäre ja fad, wenn man nicht miteinander reden würde. 
Wird man dabei womöglich sogar zum seelischen Therapeuten? 
Manchmal ja. Während Corona zum Beispiel, als die Leute daheim bleiben mussten. Besonders ältere Menschen haben wirklich den Kontakt gesucht, weil sie einfach wieder mit irgendwem reden wollten. Es war ja gar nicht so wichtig worüber geredet wurde, sondern einfach dass da ein Kontakt war. Die Menschen waren sehr dankbar, dass man sich Zeit nahm – und wenn es nur fünf Minuten gewesen sind.
Du hast gesagt, du möchtest in dem Beruf bleiben. Warum?
Weil ich mein Privatleben sehr gut mit meinem Beruf verbinden kann. Ich kann wirklich sagen, ich habe viel Freizeit. Das ist mir sehr wichtig. Das, was mir taugt, ist aber, dass ich immer eine Herausforderung habe. Denn es ist nicht jeder Tag gleich. Für mich wäre es schon langweilig, wenn ich jeden Tag immer das Gleiche täte. Das Gute ist auch, dass man sich wirklich persönlich weiterentwickeln kann. Das ist ein Anreiz für mich. Man kann weit hinauf kommen. Meine Schwester ist auch bei der Post.
Wirklich? Und schafft ihr die bevorstehende Weihnachtspost?
Sie ist auch Teamleiterin in Steyr. Und ein klares ja, wir bringen des scho außi. 
Und natürlich darf diese Frage zum Abschluss nicht fehlen: Wie gehst du eigentlich mit den Hunden deiner Post-Empfänger um?
Ganz relaxt, denn ich mag Tiere. Wenn man Hunde nicht mag, dann würden die das sicher spüren und es wäre wohl nicht immer so einfach. Ich bin bisher nur zweimal a bissal gezwickt worden. Aber das war bestimmt nicht so schlimm, dass ich meine Postkarriere deshalb aufgeben würde (lacht).

Fotos: © T.Duschlbauer

2021-10-31T14:31:45+01:00