• Peter Schindler

Heuriger bald Gestriger?

Auch der Schindler ist auf der Liste vom Aussterben bedrohter Wirte.

Das bekannte Linzer Innenstadtlokal sperrt erst im Juni auf. Es fehlt noch an Mitarbeitern und die Eintrittstests bereiten dem Wirten Peter Schindler ebenso Sorgen wie seine Gesundheit. Ist das jetzt vielleicht der Anfang vom Ende?

Sollte sich nach vielen zähen Monaten nun am 19. Mai tatsächlich das Ende des Gastro-Lockdowns im Land einstellen, dann müssen die Linzer eventuell auf einige altvertraute Gastgärten verzichten. So gibt es etwa für den Lindbauer an der Eisenbahnbrücke und den Oberwirt in St. Magdalena noch immer keine Pächter. Aber nicht nur das; auch in der Linzer Innenstadt ist eine gemütliche Erfrischungs-Oase von einer dauerhaften Schließung bedroht. Denn einerseits setzte der Lockdown Schindler‘s Heurigem – wie allen anderen Gastronomen im Land – kräftig zu, andererseits plagen den 58-jährigen Pächter gesundheitliche Probleme, Mitarbeiter fehlen und auch die vor der Pandemie schon als sicher geglaubte Nachfolge-Regelung ist jetzt plötzlich mehr als fraglich. „Corona hat alle Pläne über den Haufen geworfen“, so der Wirt bedrückt.  Abgesehen davon haben – wie bei vielen anderen Branchen-Kollegen auch – bürokratische Erschwernisse wie die Registrierkassenpflicht, die Nichtraucherregelungen und die Auszeichnung der Allergene etc. ihre Spuren hinterlassen und bei ihm die Freude an der Ausübung dieses Gewerbes getrübt. Und neue Verpflichtungen, wie etwa die Deklaration der Lebensmittelherkunft, stehen auch noch ins (Gast-)Haus.

Schindlers Schinderei. „Ich arbeitete bis zur Schließung vor sechs Monaten noch jede Woche 60 bis 70 Stunden im Lokal. Durch den Lockdown habe ich dann erst bemerkt, was das für mich gesundheitlich wirklich bedeutet hat. Der Körper ist unmittelbar nach dem Zusperren förmlich zusammengebrochen, das Kreuz schmerzte höllisch und auch seelisch ging es mir sehr schlecht“. Gerne würde der großgewachsene Zwei-Meter-Mann weiterarbeiten und noch in aller Ruhe die Nachfolge regeln. Aber das darf eben nicht ewig dauern. „Ein bis zwei Jahre kann ich das vielleicht noch machen, wobei bei einer Öffnung der Druck sehr groß sein wird. Denn es ist auch gar nicht so leicht, Personal zu finden. Es wird auf jeden Fall ein kleineres Team sein, wenn es wieder losgeht – auch deshalb, weil im Sommer wahrscheinlich noch nicht viele Touristen da sein werden“, so Schindler, der seit seinem 15. Lebensjahr in der Gastronomie tätig ist und abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt und den bürokratischen  Hürden seine Tätigkeit stets geliebt hat: „Es war ja immer mein Ziel, ein Lokal mit einem schönen und schattigen Gastgarten zu betreiben und dabei auf traditionelle Hausmannskost zu setzen“, so der Wirt, der auch darauf verweist, dass es bei seinem Heurigen nicht nur darum geht, was ins Glas oder auf den Teller kommt, sondern ihm auch der Kontakt und das Gespräch mit den Gästen wichtig sind. „Bei mir werden auch alle gleich behandelt, egal, woher ein Gast kommt, was er beruflich macht oder verdient“,
so der Gastronom, der dadurch über die Jahre hinweg zahlreiche Stammgäste für sich gewinnen konnte.

Wie geht es weiter? Genau deshalb sucht Peter Schindler nun auch einen Nachfolger mit ähnlichen Interessen. Jemanden, der seinen ihm ans Herz gewachsenen Gästen weiter Hausmannskost servieren kann und sich auch die Zeit für ein Gespräch oder einen Witz nimmt. „Gerade in einer Großstadt ist das wichtig. Ich denke, dass das nur so erfolgreich funktionieren kann bzw. die Stammgäste das auch künftig sehr schätzen würden“, so Schindler. „Allerdings ist mir klar, dass jeder Wirt eigene Ideen hat und sich auch selbst verwirklichen will. Wie das Konzept dann im Detail aussehen wird, das lasse ich deshalb gerne offen. Daher kann die Nachfolge auch recht schnell über die Bühne gehen, wenn sich jemand findet. Falls meine Unterstützung gebraucht wird, bin ich am Anfang noch da, jedoch werde ich mich bestimmt nicht einmischen“, so Schindler, der sich über den Fortbestand des Lokals freuen würde.

Was wäre wenn? Sollte sich in absehbarer Zeit aber niemand finden, der den Betrieb weiterführen möchte, sieht es ziemlich düster für den Heurigen aus. Angesichts der Immobilienpreise in der Linzer Innenstadt wäre es einer nüchternen Kalkulation folgend allemal lukrativ, den alten und Schatten spendenden Kastanienbaum umzuschneiden und auf dem
Areal ein neues Gebäude zu errichten. Nach einem Aus für Schindler‘s Heurigen, würde vom Gastgarten so höchstens noch ein kleiner Innenhof für betuchte Mieter oder Eigentümer übrig bleiben. Die Linzer, die sich ja schon an so manches Billy-Regal-Flair der neuen Innenstadt-Fassaden gewöhnen mussten, müssten dann auf ein echtes Gastgarten-Juwel verzichten. David Reisinger, Hauseigentümer und Vermieter des Objekts, würde eine Fortführung des bewährten Gastro-Konzeptes jedenfalls befürworten: „Mit dem Peter Schindler, einem wahren Urgestein der Gastronomie, wurde der Heurige zu dem was er ist.  Bei ihm stand die Qualität immer im Vordergrund und auch der Preis stimmte. Als Vermieter kann man sich keinen besseren Pächter wünschen. Und die Lage wie auch der herrliche Gastgarten sind natürlich hervorragende Indikatoren für ein florierendes Geschäft. Ich bin und bleibe deshalb offen für jegliche Gastro-Ideen, wobei mir das Konzept des Heurigen mit seinen traditionellen Speisen und der Gemütlichkeit zugegebenermaßen schon sehr am Herzen liegt“, so Reisinger.

Neue Leidenschaft. Peter Schindler übrigens hat seinerzeit zufällig aus der Zeitung erfahren, dass das Lokal, das er jetzt schon so lange führt, einen neuen Pächter sucht. Und wer weiß, Geschichte wiederholt sich ja bekanntlich. Vielleicht findet sich aufgrund dieses Artikels ja nun auch wieder ein leidenschaftlicher Gastronom, der die traditionelle Esskultur und Gemütlichkeit unter dem alten Kastanienbaum in der Linzer Eisenbahngasse weiter so pflegen möchte wie der Peter. Und so könnte es für dieses Kleinod mitten in der City, das für viele Innenstädter ja auch ein Stück Heimat und Freiraum bedeutet, vielleicht doch noch ein Happy End geben.

GASTRO-OASE IN DER City

Altehrwürdig.
Die Geschichte des Lokals geht bis in die Rennaissance zurück. Das Haus wurde 1495 errichtet – im selben Jahr, als der Reichstag zu Worms vom römisch-deutschen König Maximilian I. eröffnet wurde. Im Grundbuch wird es bereits 1492 erwähnt. Zu dieser Zeit segelte Christoph Columbus erstmals über den Atlantik nach Amerika. Etwas jünger ist hingegen der Kastanienbaum, der rund 120 Jahre alt ist. Er wurde also in der Habsburger-Zeit um die Jahrhundertwende gepflanzt. Zusammen mit dem Gastgarten hat der Heurige eine Fläche von etwa 330 m².

Weitere Infos zu Schindler‘s Heurigen unter: www.schindlers-heuriger.at

Fotos: © T.Duschlbauer, privat

2021-05-01T16:23:53+02:00