• HOHER SCHUTZFAKTOR. LR Hattmannsdorfer ist froh darüber, dass rund 80 % der impfbaren Heimbewohner in OÖ. bereits den dritten Stich erhalten haben.

Sich für Schwächere stark machen

Ex-VP-Parteimanager Wolfgang Hattmannsdorfer (42) ist der Neue (Soziallandesrat) in der OÖ.-Landesregierung.

Der neue Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer ist ja kein Unbekannter. Nun arbeitet der ehemalige Landesgeschäftsführer der OÖVP allerdings in einer ganz anderen Rolle und ist aktuell auch mit einer Fülle an wichtigen Herausforderungen konfrontiert. Im Interview mit CITY! Chefredakteur Christian Horvath beschreibt er, wie er seine neuen Aufgaben und Herausforderungen als Soziallandesrat angeht.

Wir sind mitten im Lockdown. Die Stimmung ist bei vielen am Tiefpunkt. Was haben wir falsch gemacht?
Es geht jetzt nicht um die Frage, was jemand falsch gemacht hat, sondern primär um die Frage, wie wir das Virus bekämpfen können. Bei einer Lockdown- oder auch Impfpflicht-Entscheidung mit einer solchen Tragweite steht am Anfang immer die Abwägung, ob so gravierende Einschränkungen der Freiheit auch wirklich gerechtfertigt sind. Jetzt sind wir aber in den Spitälern und vor allem auf den Intensivstationen in einer Phase maximaler Belastung angelangt. Nun ist die Sicherheit der Menschen gewissen Freiheiten vorzuziehen, weshalb etwa der Lockdown mit seinen Einschränkungen notwendig ist, um die Spitalsauslastung eben nicht zu stark zu strapazieren.
Es gibt Stimmen, die meinen, dass die Landtagswahl strengeren Maßnahmen im Weg stand, weil kein Politiker die Sommerhochstimmung bei den Landsleuten trüben wollte. Ist das nicht auch wahr?
Im September hatten wir in Oberösterreich eine stabile Situation. Die Zahlen wurden genau beobachtet. Nun haben wir aber eine besondere Dynamik, auf die wir reagieren müssen. Es gab ja auch im Osten schon einmal einen Lockdown. Jetzt gab es auf Initiative von Landeshauptmann Stelzer diese Verschärfungen in Oberösterreich, denen der Bund dann letztlich auch gefolgt ist. Niemand ist gerne im Lockdown, aber leider war die Entscheidung alternativlos. Mir war wichtig, dass in meinem Zuständigkeitsbereich, in den Pflegeheimen, Besuche zumindest eingeschränkt weiter möglich sind. Denn Corona darf nicht auch noch zur Einsamkeitsfalle werden. Wir haben da schon eine besondere Verantwortung für jene, die unser Land aufgebaut haben.
Wie wird sich die Situation um Weihnachten entwickeln, und war das jetzt der letzte Lockdown? Was ist Ihre persönliche Einschätzung?
Ich habe keine Kristallkugel und kann nicht voraussagen, wie es weitergehen wird. Dafür gibt es die Wissenschaft und die Experten. Aber Tatsache ist, dass wir jetzt, gerade in diesen Tagen, alle zusammenhalten müssen und wir uns auch alle natürlich schon jetzt mit einer Impfung schützen können.
Sind Sie geimpft?
Ja! Geimpft und genesen.
Die Weihnachtszeit ist ja auch die Zeit der Nächstenliebe. Wie gehen Sie als neuer Soziallandesrat, der ja nun auch schon wieder seit rund 40 Tagen im Amt ist, an die Aufgabe heran?
Mit Demut, Engagement und mit ganzer Kraft. Oberösterreich ist ja ein starkes Industrieland und es hat natürlich auch gerade deshalb eine besondere Verantwortung gegenüber den Schwächeren. Darin sehe ich meine Aufgabe, die sich beispielsweise mit der Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen befasst oder mit dem Problem der Jugendarbeitslosigkeit.
Beim Amtsantritt haben Sie gesagt, Sie wollen das Ressort mit christlich-sozialen Werten führen. Was heißt das konkret?
Es geht dabei einerseits um die Hilfe zur Selbsthilfe und andererseits um die Stärkung der Eigenverantwortung. Wenn jemand diese aber nicht tragen kann, dann sind wir aus dieser christlich-sozialen Werthaltung heraus natürlich auch verpflichtet, diesen Menschen solidarisch beizustehen und sie zu unterstützen. Der Sozialstaat ist allerdings nicht für jene da, die ihren Beitrag nicht leisten wollen. Weil unser Sozialsystem so auf Dauer ja auch nicht funktionieren und erhalten werden kann. Deshalb noch einmal ganz klar: Volle Solidarität selbstverständlich für die, die nicht leisten können. Die, die aber nicht leisten wollen, für die ist der Sozialstaat nicht da.
In der Pflege gibt es bekanntlich einen großen Fachkräftemangel. Wie kann man dem entgegenwirken?
Das ist das absolute Top-Thema im Sozialressort. Auf Bundesebene wird im Sozialressort schon seit zwei Jahren darüber gesprochen und eine Bundespflege-reform in Aussicht gestellt. Weil hier aber nicht geliefert wird, müssen wir das dann eben auf Landesebene eigenständig tun und werden im nächsten Jahr eine Expertenkonferenz einsetzen, um rasch Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Es geht dabei darum, wie wir der Herausforderung des demografischen Wandels begegnen können und intelligente Lösungen finden, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Lösungen könnten darin liegen, dass wir die bürokratischen Aufgaben in der Pflege so weit wie möglich runterfahren, damit sich die Menschen auf die eigentlichen Aufgaben noch besser konzentrieren können. Ein anderes Thema ist die Bezahlung. Das beginnt bereits während der Ausbildung. Bei der Polizei wird diese Zeit beispielsweise entlohnt, bei der Pflege soll das auch so sein, um durch finanzielle Anreize etwa Umsteiger zu gewinnen, die eine Faszination in diesem Beruf erkennen. Auch für Jugendliche soll der Pflegeberuf genauso cool sein, wie das Programmieren einer App. Das gilt übrigens auch für Männer. Es kann nicht nur heißen, dass junge Frauen Berufe mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen als Voraussetzung ergreifen sollen, es sollen auch junge Männer in die Pflege gehen. Um das alles zu erreichen, bedarf es aber einer Fülle an Maßnahmen. Die möchte ich jetzt umgesetzt wissen.
In Kürze wird in OÖ das Budget für das nächste Jahr beschlossen. Haben Sie erfolgreich (mit-)verhandelt?
Das Sozialbudget wurde um 3 Prozent erhöht, wobei es nicht bloß um Zahlen, sondern um die Sache geht. Sozialpolitik hat darauf zu achten, dass das budgetierte Geld immer dort ankommt, wo es wirklich gebraucht wird und nirgends versickert. Dafür werde ich mich besonders stark machen.
Sie sind auch Landesrat für Integration. Was unterscheidet Sie gegenüber den Vorgängern?
Ich bin überzeugt davon, dass Integration nur durch Deutschkenntnisse wirklich gelingen kann. Das ist der Schlüssel zur Verständigung in allen Bereichen des Lebens und daran sollen künftig auch vermehrt Unterstützungsleistungen gekoppelt sein. Ich weiß aber auch, dass umgekehrt ein ausreichendes Angebot für das Erlernen der Sprache vorhanden sein muss. Auch das werde ich umsetzen.
SP-Landesrätin Birgit Gerstorfer war verschnupft ob des Sozialressort-Verlustes. Immerhin ein Kernthema der Roten. Ist das für Sie nachvollziehbar? 
Ich war wirklich erstaunt darüber, als ich die Reaktionen gehört habe. Für mich ist es nicht erklärbar, dass ein Ressort im Eigentum einer Partei steht.  Wir leben in einer Demokratie und als mit Abstand stärkste Partei kann die OÖVP selbstverständlich auch andere wichtige Bereiche mitgestalten. Dass die SPÖ das Soziale quasi wie eine Erbpacht noch länger exklusiv verwalten will, ist wirklich nicht angebracht und wohl auch Ausdruck einer längst überholten Einstellung.
Sie waren rund 10 Jahre OÖVP-Landesgeschäftsführer.  Was ist jetzt anders für Sie? 
Als Landesgeschäftsführer war ich für die Partei tätig, als Landesrat stehe ich aber in der Verantwortung für alle Landesbürger – ganz egal, welcher Weltanschauung sie angehören oder welche Partei sie gewählt haben. Dem will ich gerecht werden und mich ab sofort eben in dieser Funktion auch darum bemühen, Schwächere stark zu machen.
Junge Menschen leiden besonders unter Corona und den Einschränkungen. Was sagen Sie als Jugend-Landesrat den jungen Oberösterreichern?
Ich bedanke mich zuerst einmal bei den Jugendlichen. Sie sind die Triebkraft in vielen Bereichen und sie erbringen gesellschaftlich ein enormes Engagement – wenn ich etwa an die vielen Freiwilligen in den Vereinen denke. Die Jugend hat die Power, die Zukunft positiv zu verändern und sie wird das auch machen. Ich möchte sie dabei bestmöglich unterstützen.
Wolfgang Hattmannsdorfer mit Krawatte ist ungewohnt und wohl dem neuen Job geschuldet, oder?
Nur manchmal (lacht). Denn es gibt Anlässe, die diese Form des Respekts erfordern. Als Jugendlandesrat bin ich aber auch künftig kein Krawattenträger. Und privat mag ich es sowieso legerer.

 

Wolfgang
Hattmannsdorfer

im WordRap

Geboren: 20.11.1979 in Linz
Sternzeichen: Skorpion
Liebesstatus: verheiratet mit Julia, 2 Kinder

Ein guter Tag beginnt… mit zwei Kindern, die früh morgens voller Energie zu mir ins Bett stürmen
Anders geworden ist mein Leben jetzt… durch die Mitverantwortung für Land und Leute
Wenn ich Österreich einen Tag alleine regieren könnte… dann wäre meine Devise: nicht streiten, sondern auf Augenhöhe zusammenarbeiten
Meine Stärke… die Kommunikation
Meine Schwäche… manchmal ein etwas zu großes Interesse am Detail 😉
Ich glaube… an Gott
Mein erstes Auto… das war ein Subaru Justy
Mein nächstes Auto… die Marke weiß ich noch nicht, aber es soll umweltfreundlich sein
Ich lebe, wohne und arbeite… mit Freude in Linz
Geld ist… notwendig, aber sicher nicht alles
Umwelt- und Tierschutz sind mir… sehr wichtig
Zuhause bin ich zuständig für… Müll, Geschirr und mitunter auch die Wäsche
Den Christbaum… schmücke ich
Mein Weihnachtswunsch… dass Corona hoffentlich bald der Vergangenheit angehört
Ein Vorsatz für 2022… mehr Selbstbeherrschung bei Süßigkeiten

Fotos: © Max Mayrhofer

2021-12-06T14:45:14+01:00