• WERTVOLLE RESSOURCE. Karl Ploberger bereitet uns darauf vor, dass wir künftig in den Gärten bewusster mit dem Wasser umgehen müssen.

Grüner Daumen ohne Schraube

Biogärtner Karl Ploberger lässt aus voller Überzeugung der Natur ihren freien Lauf.

Kaum jemand in Österreich steht so sehr für biologisches Gärtnern wie Karl Ploberger. Der TV-Biogärtner, Bestsellerautor und Gartenexperte begeistert seit Jahrzehnten ein großes Publikum für das Garteln mit der Natur – aber auch in der Stadt auf dem Balkon oder der Terrasse.

Im Interview erzählt er mir, warum sich unser Blick auf den Garten grundlegend verändert hat, was angesichts des zurückliegenden Hitze-Sommers einen Garten fit für die Zukunft macht und weshalb selbst bei ihm als Profi so manches Experiment ab und zu gründlich schiefgeht.

Du beschäftigst Dich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Garteln. Was hat sich denn in unseren Gärten in dieser Zeit am stärksten und auffälligsten verändert?

Am stärksten verändert hat sich sicher unser Blick auf den Garten. Früher musste vieles ordentlich, sauber und kontrolliert sein – heute verstehen immer mehr Menschen, dass ein Garten leben darf. Hitze, Trockenheit und Starkregen haben uns zusätzlich gelehrt, mit der Natur zu arbeiten, nicht gegen sie. Für mich ist der Garten heute nicht nur Dekoration, sondern ein wertvoller Lebensraum für Mensch, Tier und Pflanze.

Wenn Du heute einen Garten komplett neu anlegen müsstest, der auch in 20 Jahren noch gut funktioniert – was würdest Du anders machen als früher?

Ich würde noch konsequenter an den Standort denken: Welche Pflanzen kommen mit Trockenheit zurecht, wo kann Wasser versickern, wo entsteht Schatten? Ein Garten der Zukunft braucht robuste Stauden, heimische Gehölze, guten Boden und möglichst wenig Rasen, der ständig gewässert werden muss. Früher hat man oft gegen den Platz gearbeitet; heute würde ich sagen: Hinhören, was der Garten möchte – dann wird er dauerhaft schön.

Was ist der häufigste Fehler, den Hobbygärtner machen – obwohl er eigentlich ganz leicht zu vermeiden wäre?

Der häufigste Fehler ist Ungeduld. Viele pflanzen zu dicht, düngen falsch oder greifen zu schnell zur Spritze, wenn einmal ein Blattlausbesuch kommt. Dabei löst sich im Garten vieles von selbst, wenn Boden, Standort und Pflanzenwahl passen. Mein Rat ist daher: Erst beobachten, dann handeln – und manchmal ist nix tun tatsächlich die klügste Gartenarbeit.

Du sagst sinngemäß: Gärtnern ohne Chemie und Gift. Wo stößt biologisches Gärtnern an seine Grenzen? Gibt es Situationen, in denen auch Du sagst: Jetzt wird es schwierig?

Natürlich gibt es Grenzen – v.a. dann, wenn Pflanzen am falschen Standort stehen oder stark geschwächt sind. Biologisches Gärtnern heißt nicht, dass nie etwas schiefgeht, sondern dass man Ursachen statt Symptome bekämpft. Bei massivem Schädlingsdruck oder extremen Wetterlagen wird es schwierig, das ist ehrlich gesagt so. Gerade dann zeigt sich jedoch: Ein vielfältiger Garten ist viel widerstandsfähiger als ein perfekt gepflegter, aber lebloser. Aber: Auch wenn es noch so problematisch ist – bei mir heißt es immer „mit der Natur und nicht gegen die Natur“.

Du beantwortest seit Jahren Gartenfragen der Bevölkerung. Welche Frage bekommst Du immer wieder zu hören – und bei welcher Frage denkst Du Dir: Darüber sollten wir öfter sprechen?

Immer wieder kommt die Frage: „Was hat meine Pflanze?“ – und das ist verständlich, denn man hängt ja an seinen grünen Wegbegleitern. Viel öfter sollten wir aber über den Boden sprechen. Er ist ja die Grundlage von allem, was in unseren Garten wächst. Ein guter Kompost, Mulch und ein lebendiger Boden sind für mich also die beste Versicherung gegen viele Gartenprobleme.

Dein Garten ist vermutlich auch ein Ort, an dem ständig ausprobiert wird. Was ist bei Dir in den vergangenen Jahren einmal gründlich schiefgegangen – und was hast Du daraus gelernt?

Oh ja, auch bei mir geht nicht alles auf Anhieb gut – und das ist auch tröstlich. Ich habe schon Pflanzen gesetzt, die im ersten Jahr großartig aussahen und im zweiten beleidigt verschwunden sind. Daraus lernt man Demut: Der Garten ist meine lebende Werkstatt. Wer experimentiert, darf scheitern – und gerade daraus entstehen oft die besten Erfahrungen. Ganz konkret – meine 12 verschiedenen Holunderpflanzen haben diesen Sommer die Trockenheit vermutlich nicht überlebt, aber da halte ich mich an den Gründer von Apple, Steve Jobs, der sagte: „Der Tod ist die beste Erfindung, er schafft Platz für Neues!“

Du schreibst Bücher, machst TV und Videos und gibst inzwischen Tipps über WhatsApp. Verändert Social Media auch das Gärtnern – etwa weil jeder Garten sofort perfekt aussehen soll?

Ja, Social Media verändert das Gärtnern deutlich. Man sieht dort oft nur den perfekten Moment – die Blüte, die Ernte, das schöne Beet –, aber selten den Komposthaufen, die Schnecken oder die misslungene Aussaat. Ich finde digitale Kanäle großartig, weil man Wissen schnell teilen kann. Wichtig ist aber, dass wir den Garten nicht zur Bühne machen, sondern als Ort behalten, an dem auch Unordnung, Geduld und Freude Platz haben.

Fotos: © Ploberger

2026-08-30T20:57:22+02:00