Ein charmanter Star
Alfons Haider über Musical in Mörbisch, Menschlichkeit und sein neues Buch.
🔊Hier geht’s direkt zur Podcast‑Episode mit Alfons Haider
Im stilvollen Ambiente von Uhrmachermeister Hübner auf der Sonnenseite des Linzer Hauptplatzes durfte ich kürzlich TV-Star Alfons Haider zum CITY!-Talk OÖ empfangen.
Übrigens meine Premiere in dieser Interview-Serie, die ich von meinem lieben Kollegen Walter Witzany übernommen habe. Der wird uns dafür ab Herbst mit seinen besten Radiogeschichten verwöhnen.
Willkommen, lieber Alfons, in Linz. Du bist nicht das erste Mal Gast beim CITY! Magazin – heute allerdings haben wir sogar Publikum mit dabei. Das hört man auch mit Beifall in unserem neuen Podcast, den ich ihnen, liebe Leser, an dieser Stelle natürlich schon ans Herz legen darf. Mit dem Link am Beginn des Artikels öffnen Sie direkt die aktuelle Folge unserer Serie „Horvath trifft“. Aber zu Gesicht bekommen Sie Alfons Haider dafür hier, doch eines zeigt sich schnell: Er ist ohne Zweifel der Feschere von uns beiden.
Danke für das Kompliment, aber des ist jetzt ka große Kunst (zwinkert).
Na, das fängt ja schon gut an. Apropos Anfänge, wie hat eigentlich Deine Karriere begonnen. Ich weiß ja, dass Du etwa auch eine Ausbildung als Schauspieler und Musicaldarsteller in Wien und Los Angeles absolviert hast.
Das ist richtig, aber begonnen hat das schon viel früher in meiner Kindheit durch einen Fotografen, der bei uns im Haus gewohnt hat. Er meinte damals, dass er noch nie zuvor ein Kleinkind vor der Kamera hatte, dass so eine Rampensau gewesen ist. Und tatsächlich habe ich dann bereits als Kindergartenkind mit fünfeinhalb Jahren im Frack und Zylinder eine Muttertags Gala angesagt. Ich war damals aber als Schüler auch schon unsterblich in eine Nonne, Schwester Theresiana, verliebt. Vielleicht hat mich das auch inspiriert, dass ich dann einmal gleich in eine ganz andere Richtung abgebogen bin. Mich hat nämlich der Papst unheimlich fasziniert und ich wollte der dann auch als Kind werden. Mein Vater hat sich darüber lustig gemacht und gemeint, wenn ich Papst werden will, dann ist es vorbei mit meinen den Doktorspielen bei meiner Freundin Monika. Ich habe dann den Gedanken an das Papsttum umgehend aufgegeben (zwinkert). Also die große Bühne habe ich als Kind schon gesucht.
Du hast dann in zahlreichen Filmen und Serien mitgespielt, als Sänger und Entertainer und auch mit Deinen legendären Interviews für den ORF beim Opernball geglänzt. Aber ganz plötzlich war damit Schluss – noch dazu im 25. Jubiläumsjahr. Der Publikumsaufschrei war groß, wie es Dir persönlich gegangen?
Da hat sich der ORF ins eigene Fleisch geschnitten, weil das, was nachkam auch nicht wirklich besser war. Es war also wirklich nicht besonders klug, jemanden nach 25 erfolgreichen Jahren einfach so abzuservieren. Aber wenn eine Türe zufällt, gehen oft andere auf. In meinem Fall war es die Nachfolge von Harald Serafin bei den Festspielen von Mörbisch. Für mich kann es nichts mehr Schöneres geben als die Intendanz der größten Musicalbühne Österreichs.
Da begrüßt Du das Publikum ja vor Vorstellungsbeginn immer elegant im Smoking. Heuer allerdings in optisch schwer veränderter Form. Du spielst nämlich im Musical „La Cage aux Folles” – ein Käfig voller Narren – eine der Hauptrollen neben Publikumsliebling Mark Seibert…
Genau. Wenn ich das Publikum begrüße, trete ich im Smoking auf, mein Kopf ist aber bereits feminin geschminkt, weil ich ja die Zaza, die aufgrund meines Alters reife Mutter, in „La Cage Aux Folles” spielen werde. Dieses Musical steckt voller Pointen. Deshalb bin ich auch überglücklich, dass ich Mark Seibert dafür gewinnen konnte. Und ich habe immer gesagt: Wenn Mark tatsächlich mitspielt und es eine Rolle gibt, die wie für mich gemacht ist, dann stehe auch ich wieder auf der Bühne. So ist es gekommen – und es ist einfach ein wunderbares Stück, das zeigt, dass jeder selbst entscheiden darf, wen er liebt und wen er heiraten darf. Das sollte auch weiterhin so gelten. Ich bin ja selber stets ein Aktivist in Sachen Gleichstellung gewesen. Das ist heute besonders wichtig, weil es wieder mehr reaktionäre Kräfte gibt, die uns diese Rechte wegnehmen wollen. Aber ich und viele Freunde von mir werden weiter dagegen aufstehen.
Abschließend wollen wir noch über Dein neues Buch plaudern. Es trägt den Titel „Meine Mama, die Löwin“. Nun wissen ja die allermeisten um Deine enge Verbindung zu Deiner „Mutsch“, wie Du sie nanntest. Diese ist vor drei Jahren verstorben, wie kam es zur Buch-Idee?
Zunächst einmal fiel ich nach ihrem Tod in ein tiefes Loch. Trost spendeten mir die ganz vielen Menschen, die auf mich zugekommen sind, mir ihr Beileid ausgedrückt haben und immer wieder meinten: Schreiben Sie doch ein Buch darüber. Schließlich ist auch noch ein Verlag auf mich zugekommen und hat dann ebenfalls gemeint, dass ich ein Buch über das Leben und Sterben meiner Mutter schreiben soll. Und eben diese Geschichte rund um das Schicksal meiner Mutsch, die immer sehr bescheiden war und nie etwas mit der High-Society zu tun hatte, scheint die Menschen landauf, landab zu bewegen. Auch lustige Anekdoten finden sich im Buch. Ja, der Anstoß zu diesem Buch kam von außen, aber ich habe sehr rasch gefühlt, dass es die richtige Entscheidung ist.
Danke, lieber Alfons, für Dein Dasein und alles Gute. Das ungekürzte Interview kann man in unserem Podcast nachhören. Viel Freude damit!
PERSONALAKTE
Alfons Haider
Geboren: 24.11.1967, Wien
Sternzeichen: Schütze
im WordRap
Mit böser Kritik kann ich… umgehen, wenn sie berechtigt ist, aber wenn man mein Ensemble fertig machen möchte, weil man mich damit vernichten will, dann werde ICH zum Löwen
Privat bin ich… sehr selten
Geweint habe ich das letzte Mal… fast jetzt bei dieser Linzer Buchpräsentation
Wenn ich mich über etwas ärgere, dann sage ich zu mir selbst… Du denk an Deine Pumpe, das zahlt sich ned aus
Mein Lieblingsschimpfwort… das Wiener Schimpfwort „Beidl“ ist natürlich schon ein herrliches
Freude bereitet mir… wenn ich jemandem Freude bereite
Wenn ich eine Million im Lotto gewinnen würde… ich würde die Hälfte nehmen und mit einem Freund die Welt anschauen, und für die andere Hälfte wüsste ich
schon eine Organisation, wo ich das hingeben würd
Meine private Beziehung… ich bin seit 5 Jahren Single, weil es nicht ging eine Beziehung zu haben, wenn man seine Mutter Tag und Nacht pflegt
Ich entspanne mich… am besten im grünen Gras oder am Strand von Mykonos
Ruhestand… Ruhe was?
Meine letzten Worte sollen sein… ned scho wieda diese Frag 😉
Fotos: © Kurt Pinter
