• MALERISCHES WELS. Der Innenhof zwischen Kornspeicher und Stadtplatz ist wahrlich eine grüne Oase.

Verborgene Oasen 

In den vielen urbanen Hinterhöfen blüht demnächst das sommerliche Leben auf.

Hinter den Fassaden der Linzer Innenstadt – besonders entlang der Landstraße und in der Altstadt – verbergen sich oft ungeahnte Grün-Schätze. Wo vorne Asphalt und Grautöne dominieren, entwickeln sich hinter den Häusern immer mehr Höfe zu wertvollen ökologischen Rückzugsorten.

Diese Oasen sind nicht nur Balsam für die Seele der Anwohner, sondern ein entscheidender Faktor für das Stadtklima. Laut der aktuellen Greenpeace Analyse (Seite 9) belegt Linz nach Bregenz den zweiten Platz als grünste Landeshauptstadt. Bezogen auf das gesamte Stadtgebiet ist mehr als die Hälfte von Linz Grünland. Die Stadt bietet rund 400 Hektar Parkanlagen und 700 Hektar Waldflächen. Aber wie grün ist die Linzer City wirklich? Wir gehen der Sache auf den Grund und spazieren durch die Innenstadt. Bei einem Bummel durch die Linzer Altstadt fällt unser Blick gleich in viele, oft versteckte grüne Hinterhöfe.Manche davon sind privat, doch manche auch frei zugänglich, worüber man sich auf der Suche nach einer schattigen Oase schlau machen sollte.

Südländisches Flair. Viele Hinterhöfe in der Altstadt, etwa rund um den Alten Markt, beherbergen Arkadengänge mit toskanischen Säulen und Gewölben. Im Hof des Stiftshauses am Alten Markt soll der Legende nach Kaiser Friedrich III. gelebt haben. Heute ist dieser geschichtsträchtige Ort ein Gastgarten, der von wildem Wein bewachsen ist und eine fast mediterrane Stille ausstrahlt. Auch die berühmte Schriftstellerin Ilse Aichinger verbrachte ihre frühen Kindheitsjahre in Linz. In ihren späteren Texten und Erinnerungen spielen die Linzer Grünanlagen und Hinterhöfe eine zentrale Rolle als „Orte der Geborgenheit“. Für sie waren diese versteckten Gärten magische Rückzugsorte, die in krassem Gegensatz zur strengen Architektur der Stadt standen – eine Art „grünes Märchenbuch“, das sie ihr Leben lang begleitete.

Romantisches Linz. Aber auch bei unserem weiteren Spaziergang durch die Klosterstraße Richtung Promenade und weiter über die Herrenstraße und die Spittelwiese zur Bischofstraße fällt unser Blick immer wieder auf kleine, romantische Höfe hinter den Geschäftslokalen. Wir spähen über den Zaun und können kaum glauben, dass wir uns hier mitten in der Innenstadt befinden. Richtig paradiesisch. Kein Wunder, dass in den geheimen Gärten der Stahlstadt schon manche Liebesgeschichte ihren Anfang nahm. Die Beziehung des jungen Dichters Rainer Maria Rilke, der einige Jahre in Linz gelebt hat, mit der Linzerin Olga Blumauer entwickelte sich beispielsweise im Verborgenen der Linzer Gassen und Hinterhöfe, weit weg von der strengen Aufsicht seiner Lehrer und seines Vormunds. Die romantischen Arkadenhöfe dienten also schon damals als Rückzugsorte für solche Begegnungen. Wer die romantische Seite der Stadt mit allen Geschichten hautnah erleben möchte, kann übrigens auch an speziellen Hinterhofführungen in der Altstadt teilnehmen (www.linz-stadtfuehrungen.at). Dabei werden versteckte Plätze mit Arkaden, Gewölben und toskanischen Säulen besucht, die ein fast südländisches Flair vermitteln.

Steyrs romantische Arkadenhöfe. Auch Steyr gilt als Stadt der romantischen Arkadenhöfe. Viele der prächtigen Bürgerhäuser am Stadtplatz und im Stadtteil Steyrdorf verbergen idyllische Höfe, die ursprünglich als Lichtquellen und Handelsplätze dienten. Der Tourismusverband Steyr bietet regelmäßig die Themenführung „Verborgene Innenhöfe“ an, bei der sonst verschlossene Privatbereiche zugänglich gemacht werden.

Grünes Wohnen in Wels. Genauso punktet Wels mit romantischen Grünoasen. In der Welser Altstadt verbirgt sich hinter fast jedem zweiten Haus ein historischer Innenhof. Diese oft idyllisch begrünten Orte sind typisch für die Welser Architektur und bieten einen ruhigen Gegenpol zum lebhaften Stadtplatz. Wer also direkt in den oberösterreichischen Citys wohnen und von Zentrumsnähe profitieren möchte, muss nicht auf idyllische Auszeiten im Grünen verzichten. Selbst wenn sie keinen eigenen Balkon haben, der nächste Hinterhof, der nächste versteckte grüne Platz ist bestimmt nicht weit und oft nur einen kleinen Spaziergang entfernt. Nehmen Sie sich Zeit für eine Erkundungstour und erleben Sie eine neue Seite Ihrer Heimatstadt. Behalten Sie dabei aber immer das Betretungsrecht im Auge. Sie werden dennoch viele grüne Oasen finden, die zum Verweilen einladen und eine Auszeit im Alltag versprechen. Nehmen Sie sich einfach die Zeit dafür – mit offenen Augen.

Fotos: © TVB Wels, Christoph Waghubinger, Allegra

Buch Stadtoasen
Wissenswertes

Stadtoasen auf 380 Seiten Grüne Ansichten aus dem Nordico

Das Buch „Stadtoasen“, herausgegeben 2018 anlässlich einer Ausstellung vom Nordico Stadtmuseum (15,50 Euro),
begibt sich auf die Spuren der Linzer Freiräume und fächert historische Fakten, malerische Ansichten,
aktuelle Tendenzen und Zukunftsvisionen der Linzer Gärten, Parks und Plätze auf.

Neben großen und geschichtsträchtigen Orten wie etwa dem Volksgarten werden auch kleinere und unbekanntere Plätze präsentiert.

2026-05-24T17:31:17+02:00